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Vion begegnete Cil auf dem Weg zu Sareenes Zimmer.
„Geh besser nicht zu ihr, Cil“, kamen ihr warnende Worte entgegen
und die Elfe verschenkte einen vielsagenden Blick.
„Was ist denn los? Gab es Ärger?“, erkundigte die sich.
„Keine Ahnung, sie redet wirres Zeug, wirft mit Sachen um sich
und...“
„Und?“ setzte Cil nach.
„...und sie trägt Schwarz!“
Cil zog scharf die Luft ein.
Wenn Sareene schwarze Kleidung trug war mehr im Busch als nur ein
kleines Ärgernis. An den Tagen, da die Magierin sich so kleidete, war
sie mit Vorsicht zu genießen. Mitunter geriet dann auch jemand in ihre
Schusslinie, der ihr Nahstand.
Vion ging kopfschüttelnd ihres Weges, etwas von seltsamen Menschen
murmelnd und Cil etwas langsamer in Richtung Sareenes Zimmertür.
Sie rätselte, was wohl geschehen sein musste.
Ein splitterndes Geräusch schreckte sie aus ihren Gedanken.
Sie stand vor der Tür und so eben musste im Zimmer dahinter etwas
Zerbrechliches an der Wand gelandet sein.
„Oh, Oh! Das klingt ja einladend“
Sie klopfte an die Tür.
Stille.
Einen Augenblick wartete sie, klopfte dann nochmals.
„Schert euch alle zum Dämon!“, erklang es dumpf.
Vorsichtig öffnete Cil die Tür und spähte ins Zimmer hinein.
Sareene lief mit forschen Schritten auf und ab. Ihre ganze Gestalt war
angespannt, ihr Haar wild durcheinander, nur von einem Stirnband noch in
einer halbwegs erkennbaren Frisur gehalten. Sie trug wirklich Schwarz.
Cil schlüpfte hinein und schloss die Tür hinter sich.
Sie ließ etwas Zeit verstreichen, beobachte die Magierin nur.
Schließlich wagte sie einen erneuten Vorstoß.
„Was ist geschehen, Sareene?“
Die Magierin stoppte abrupt ihren Lauf und fuhr herum. Kälte und Wut
schimmerten in ihren Augen. Sie war zweifelsohne sehr aufgebracht und
Cil erinnerte sich an vor zwei Monden als sie diesen Ausdruck zuletzt an
Sareene wahrnahm.
„Ich habe meine Zeit verschwendet! Das ist los!“, schnaubte es Cil
entgegen, „Stunden, Tage, Wochen umsonst!“
„Ist dir ein Zauber misslungen?“, erkundigte sich Cil, bedacht sanft
und einfühlsam zu klingen.
„Pah, Zauber! Wenn es nur das wäre!“
„Ja, aber was dann, Sareene? Ich habe dich lange nicht mehr so wütend
gesehen!“
Als wäre ein Signalwort erklungen, kam prompt die Reaktion. Die
Magierin griff das erst beste, was ihr in die Hände kam und warf es in
Richtung Wand. Der Tiegel zersplitterte in unzählige Scherben und ein
violetter, schimmernder Regen ging zu Boden. Cil hoffte, diese Substanz
am Boden hatte keine weiteren Eigenschaften als dies Glimmen und schaute
einige Atemzüge gebannt auf die Stelle, an der das Pulver vor sich
hinleuchtete.
Scheinbar geschah nichts weiter und sie richtete ihr Augenmerk wieder
auf Sareene, die sich in den Stuhl hatte fallen lassen und nun aufgeregt
mit dem Fuß ihres überkreuzten Beines wippte.
„Nun? Was ist passiert?, versuchte es Cil erneut.
„Sie hat abgelehnt! Sie konnte sich nicht entscheiden und hat
abgelehnt, Cil!“
„Ja, wer denn nur?“
„Die Priesterin von der ich dir erzählte!“
„Carvara? Aber ich dachte...“
„Nein, bei allen Dämonen noch mal!“, fuhr ihr Sareene scharf ins
Wort, „Roscelyn! Hört mir hier nie jemand richtig zu? Immer muss ich
alles dreimal erklären und kann dann doch nicht sicher sein, Gehör
gefunden zu haben“
Wieder zog Cil die Luft hörbar in ihre Lungen.
Diese Priesterin also meinte sie. Sareene musste ihr das Angebot
unterbreitet haben, ihrer Gemeinschaft beizutreten. Die Magierin hatte
in letzter Zeit oft von ihr gesprochen, warmherzig ihre Person und Art
beschrieben. All das klang geradezu nach einer der Gesuchten. Es war
bedauerlich, wenn diese Priesterin abgelehnt hatte, aber für Cil war
das Beinbruch. Erstens kannte sie die Frau nicht und zweitens ging die
Welt davon auch nicht unter. Sareenes Zustand aber offenbarte, dass sie
diese Ablehnung weit schwerer hinnahm als Cil.
„Hmmm“
„Was hmmm?“, spie es ihr vom Stuhl entgegen.
„Ist das wirklich so schlimm, Sareene? Ich meine, sie war doch nicht
die Erste in der wir uns täuschten oder die ablehnte, nicht?“
„Sie war aber verflucht noch mal die Richtige, Cil! Ich weiß, sie gehört
zu uns und sie lehnt ab. Ewig zweifelnd und nach absoluter Sicherheit
suchend“, die Worte begannen heftig, klangen aber am Ende fast
melancholisch und leise.
Cil schwieg. Was hätte sie darauf auch entgegnen können.
„Lass mich allein, Cil. Mir ist nicht nach Gesellschaft und Reden“
Die Angesprochene nickte leicht und öffnete die Tür. Im Türrahmen sah
sie noch einmal zur Magierin. Sie saß da, nun ein Bein angezogen und
mit ihren Armen umgreifend, das Kinn auf dem Knie abgestützt. Feucht
schimmerten ihre Augen.
„Du weißt, wo du mich findest, Sareene. Ich bin da, wenn du mich
brauchst“, sprach sie sanft und schloss dann die Tür hinter sich.
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