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Die List der Küchenmagd
(Autor: PO Nomiah)
Schwitzend rührte sie in den Töpfen und schaute auf, als Gairum in die Küche geschlurft kam und
brummend: “Er will wieder mal baden, stell mehr Wasser auf”, von sich gab. Ihre Augen leuchteten
auf und ein listiges Lächeln zog über ihre Lippen. Heute würde sie ihren Plan in die Tat umsetzen,
denn dieser Gast war ihr bereits aufgefallen.
Nicht dass der Gast sich auffällig benommen hätte, nein, das überhaupt nicht. Wohl eher das
Gegenteil war der Fall. Er war ein eher unauffälliger Gast wie ihr der Knecht Gairum berichtet hatte.
Wortkarg war er, ging in sein Zimmer oder kam irgendwann heraus. Viel mehr war von ihm nie zu
sehen.
Bis auf die letzte Zeit, wo er sich öfters einen Badezuber im Zimmer mit
warmem Wasser füllen ließ. Das war ungewöhnlich. Und die Höhe der Entlohnung für diese Arbeit war auch ungewöhnlich. Aber
was sollte man sich groß Gedanken darüber machen? Die Gäste hatten immer mal wieder ihre unter
Umständen seltsamen Ideen, und so lange sie zahlten war es letztendlich gleich.
Aber bei ihm war es etwas anderes. Sie hatte ihn einmal gesehen, seine Gestalt, seine Bewegungen,
wie er, einem Schatten gleich, die Treppe raufgehuscht war. Und er sah umwerfend aus, er war
einfach umwerfend. Der Mund war ihr runtergeklappt und sie schaute eine ganze Weile ihm noch
nach, obwohl er längst schon die Zimmertüre geschlossen hatte. Er gefiel ihr so gut,
dass sie seither nur den einen Wunsch hatte ihm wieder zu begegnen. Viele Abende lang vorm Einschlafen hatte sie
sich überlegt wie sie es anstellen könne ihn wieder abzupassen.
Am nächsten Tag hatte sie ein dickes Stück von dem Kuchen abgeschnitten, den Gairum so
besonders gerne aß und sonst höchstens ein paar Krümel vom Teller ergattern konnte. Mit
zuckersüßem Lächeln hatte sie es ihm vor die Nase gehalten und gefragt: “Na, willst du das haben?”
Nach seinem freudigen Nicken hatte sie es ihm in die Hand gedrückt und ihm mit verführerisch
lockendem Klang in der Stimme ein weiteres versprochen, wenn er sie das nächste Mal rechtzeitig
unterrichten würde, wenn der Gast wieder da sei. Irgend ein Vorwand würde ihr schon einfallen eine
Begegnung mit diesem fremden Mann zu arrangieren. Und nun, das Bad, die Gelegenheit war ideal.
Rasch legte sie den Kochlöffel zur Seite und wuchtete einen weiteren großen Kessel aufs Feuer.
Gairum kannte seine Arbeit und füllte ihn mit Wasser. Er würde den Hauptteil der Arbeit
übernehmen. Mit fahrigen Händen band sie das Band der Schürze auf und blickte Gairum
beschwörend in die Augen. Dieser nickte kurz und grinste voller Vorfreude.
Warum Gairum sich mit dem Kuchen begnügte und sich so sehr darüber freute, aber dafür noch nie
wirklich versucht hatte bei ihr zu landen, konnte sie bis zum heutigen Tag nicht begreifen. Aber sie
war froh darum, denn er war eher widerlich denn hübsch anzusehen. Dafür war sie hingegen eine
Schönheit, die mit ihren prallen, weiblichen Formen so manches Männerherz höher
schlagen ließ wenn sie ihrer ansichtig wurden. Sie wusste dieses sehr wohl, reckte sich dann noch etwas
mehr, schwang mit koketter Handbewegung ihre üppige, schwarze Lockenpracht zurück über die
Schulter und lief genüsslich schmunzelnd einfach weiter. Es war ein nettes Spiel geworden, aber im
Grund ohne wirkliche Bedeutung für sie.
Aber dieser Mann dort oben im Gasthaus............ Ein sehnsüchtiger Seufzer stahl sich aus ihrer
Kehle. Sie eilte in ihre kleine Kammer, riss fast ihre verschwitzte Bluse herunter,
goss sich hastig Wasser in die Schüssel und wusch sich. Bei einem prüfenden Blick auf ihren Rock
beschloss sie, dass er noch recht ansehnlich sei, und schließlich wollte sie ja nicht gekünstelt wirken sondern völlig
natürlich, wie halt gerade von der Arbeit her kommend. Den Rock behielt sie also an, zog sich dafür
nur eine frische Bluse über und stopfte sie in den Rockbund. Das Band oben am Halsausschnitt
schloss sie diesmal nicht. Schmunzelnd schaute sie an sich herab auf die üppige Pracht, die fast aus
dem Ausschnitt herauszuquellen drohte. Dann löste sie ihren geflochtenen Zopf auf, griff zur
Haarbürste und begann ihr Haar zu kämmen. Und mit diesen Bewegungen kehrte Ruhe in sie ein.
Sorgfältig kämmte sie ihr hüftlanges Haar aus, das sich wie ein dichter Schleier um ihre Schultern
legte. Sie wand dann noch ein dünnes, leuchtend rotes Tuch um den Kopf, das die Mähne etwas
bändigte und hervorragend zu ihrer dunklen Hautfarbe passte.
Mit sehr viel Wohlgefallen musterte sie dann ihre eigene Erscheinung in dem kleinen Spiegel. Ihre
dunklen Augen funkelten verräterisch.
Währenddessen hörte sie, wie Gairum einen Eimer nach dem anderen abfüllte und hoch ins Zimmer
schleppte. Jedes Knarren der Treppenstufen waren zu hören, denn ihre Kammer lag direkt unter der
Treppe. Sie hatte mitgezählt wie oft er schon hochgestapft war, und sie
wusste, das der Bottich nun fast voll sein müsste.
Sie eilte zurück in die Küche, schnitt ein weiteres Stück Kuchen ab und hielt es Gairum mit einem
breiten Lächeln entgegen, als dieser wieder den Raum betrat. Betont freundlich waren ihre Worte:
“Vielen Dank, Gairum. Wenn du die nächsten zwei Eimer noch auffüllst, dann werde ich sie
hochtragen. Und du kannst dir den Kuchen schmecken lassen.”
Er biss derweil einen tüchtigen Bissen vom Kuchen ab und füllte ihr dann den Eimer auf.
Langsam schritt sie die Treppe hoch. Und es war nicht das Gewicht des Eimers, das sie heftig atmen
und ihr Herz so stark klopfen ließ. Oben, an seiner Türe angekommen, klopfte sie und trat dann mit
dem schönsten Lächeln auf ihren Lippen einfach ein.
Ihre Augen blitzen auf, als sie ihn sah. Sie konnte sich nicht helfen, aber er schien schlichtweg der
Mann ihrer Träume zu sein. Nach dieser Erkenntnis war ihr Lächeln auf einmal gar nicht mehr so
selbstsicher wie sonst auf der Straße.
Plötzlich bemerket sie, dass sie vielleicht schon viel zu lange einfach so still im Türrahmen gestanden
hatte und ihn wohl nicht nur angesehen sondern eher angestarrt hatte. Hastig setzte sie an
weiterzugehen, blieb mit dem ausschreitenden Bein am Eimer hängen, den sie halb vor sich gehalten
hatte, verfing sich beim Nachsetzen mit dem anderen Fuß im Saum des Rockes, der Eimer
schwankte, das Wasser schwappte, die freie Hand ruderte hilfesuchend und vergeblich in der Luft,
ließ sie letztendlich damit noch mehr schwanken und sie fiel nun vollends über den Eimer und schlug
hart auf den Boden auf. Halb verdreht lag sie da. Das Haar fast wie ein Kranz um sie ausgebreitet,
die Arme weit von sich gestreckt und die Beine seitlich gekippt. Das Wasser
ergoss sich aus dem umgefallenen Eimer auf die Dielen und sog sich in ihren Rock.
“Nomiah, was bist du nur für eine dumme Gans”, waren die letzten Gedanken, die ihr noch während
des Fallens durch den Kopf schossen, bevor sie das Schwarz einer Ohnmacht wenigstens für kurze
Zeit aus dieser peinlichen Situation befreite.
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