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Gefühle

Reglos in den Schatten stand er. 
Unsichtbar für all die, die kaum drei Schritt an ihm vorübergingen. 

Er sah sie in das Gasthaus gehen, sah diesen seltsamen Schimmer ihren Augen, die sonst ebenso verschlossen blickten, wie ihr Antlitz anmutete. 

Obgleich der Moment ihrer Begegnung, der nur ihm bewusst war, kaum länger andauerte, als einige Herzschläge an Zeit bedurften, sah er der Frau an, dass sie von vielen Gefühlen erfüllt war, wie sie gegensätzlicher kaum sein mochten. 

Lange war es her, dass er sie gesehen hatte und ein Leben zurück lag es, dass sie selbiges geteilt hatten in den heißen Gassen der Stadt weit im Süden. 

Der schwarze, baumwollene Stoff verhüllte ihn und die Haube aus ebenso schwarzer Baumwolle bedeckte seinen Kopf, lies nur seine Augen aus den Schatten blicken. 

Diesmal war er wegen keines Auftrages in die Stadt des Herzogtums gekommen. Nur sie sehen wollte er und nun erforschte er aufs neue die Gefühle in sich. 

"Gefühle bedeuten Schwäche! Schwäche macht Verwundbar! Verwundbarkeit bedeutet den Tod!" 
hallten plötzlich die Worte seines Lehrmeisters in seinem Schädel und er schreckte auf aus seinen Überlegungen. 

Schnell prüfte sein Blick die Umgebung und als er sicher war, dass seine Unachtsamkeit keine Folgen mit sich gebracht hatte, huschte er im Schutz der Schatten dieser Straßen davon. 

Viele Stunden später saß er im Badehaus auf Bucs. Seine linker Arm lag auf dem Bottichrand und seine rechte Hand lag im Wasser neben ihm, berührte den Dolch. 

Der Raum lag wieder in dämmrigen Kerzenschein und lies die Schatten tanzen. Die schweren, roten, sich in zahllosen Wellen an der Wand erstreckenden Vorhänge, verliehen dem Raum etwas kulthaftes, dämpften die Geräusche, die das Badehaus erfüllten, wie sie es stets taten, wenn er hier weilte. Die Luft war wie immer geschwängert vom Wassernebel, der einen zarten Dunstschleier schuf. 

Und seine Gedanken weilten bei einem Menschen. Gedanken und Gefühle, die ihn verwundbar werden ließen und die so stark waren, dass sie die Worte des Meisters zum verstummen brachten. 

Dann kam sie wieder und nahm ihn ein. Die Kälte, die wohl jeden, der war wie er, zu bestimmten Zeiten erfüllte. Die Kälte des Alleinseins. 

Er rief nach einem der Hausangestellten und verlangte heißes Wasser. 
Die Kälte, die wieder so deutlich zu spüren war, wollte er vertreiben.

 

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