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Vesper
(Autor: PO Celysis)
Sie schlich durch die dornigen Büsche am Rande der Siedlung. Dort also lag die Stadt Vesper, die Stadt, in welcher sie ihr Ziel vermutete. Wieder einmal würden ihren Hände dem Tode dienen, wieder einmal würde sie ihren Auftrag ausführen. Ein Assassine war es diesmal, den sie suchen musste, aber so leicht würde es nicht sein, ihn in einer Umgebung, die ihr fremd war, und in welcher sie auf jeden Fall unangenehm auffallen musste, zu finden. Aber wofür war sie schon ein Schatten geworden, wenn nicht in Perfektion Leben zu nehmen?
Mit spitzen Fingern zog sie einen Dorn aus der dunklen Haut, die sie hier sofort als Fremde verraten würde. Sie würde wohl wieder als Bognerin und Pfeilschnitzerin ihr Glück versuchen müssen, um sich hier eine zweite Existenz aufzubauen. Immerhin war es keine schlechte Stadt, wenngleich sie einfach viel zu kalt war. Wie konnte man nur freiwillig in dieser Gegend leben und die Kälte angenehm finden? Sie fror in ihrer Lederkleidung und verbiss sich jeden Fluch auf ihren Lippen. Dann schmunzelte sie unvermittelt - würde Leron sich jemals hierher begeben, würde er wohl einen sehr deftigen Fluch über die Kälte loslassen und fortan den Badezuber mit
heißem Wasser nicht mehr verlassen.
Mit Leichtigkeit wand sie sich aus den sie umgebenden Dornenranken und huschte am Waldrand entlang in Richtung der Stadt. Vielleicht würde sie hier Esteban wiedersehen, hier, wo er seine Gilde hatte, seine neue Heimat und einen Ort, wo ihn jeder kannte, schützen würde ...
War das überhaupt ein Ort, an dem auch sie sein konnte, versuchen konnte, von seinen Kindern akzeptiert zu werden?
Sie schüttelte ihr Haar aus und befreite es von den letzten sommergrünen Blättern,
schließlich wollte sie nicht bei ihren ersten Schritten gleich als Barbarin aus dem Wald angesehen werden. Mit den Händen glättete sie ihre unbändige schwarze Lockenmähne, deren Fülle ihr bis zu den Knien ging, wenn sie diese frei fallen liess, wie jetzt gerade. Zufrieden registrierte sie, dass ihre Kleidung noch sauber war, die Pfeile in ihrem Köcher durch die Reise nicht durcheinandergeraten und die Bögen, welche sie zum Verkauf anbieten konnte, in ordentlichem Zustand.
Schweigend betrat sie die Stadt, in der sich nicht nur ihr Schicksal entscheiden würde ...
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