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Die kleine Gasse
Leise trugen ihn seine Schritte durch die mondlose Nacht, hielt ihn der Schatten der Hausmauer verborgen.
Einen Moment hielt er inne, lauschte in die Stille.
Leise erst, doch dann immer deutlicher, immer näher kommend hörte er die Schritte. Einige Momente später vernahm er das keuchende Atmen eines Mannes. Eines Mannes, den er erwartete.
Sein Blick fixierte die vor ihm liegende Gasse, verharrte auf der Ecke, um die jeden Moment die Gestalt biegen
musste, die die Geräusche verursachte.
Ruhig ging sein Atem, tief sog er die Luft durch die Nase ein und entließ
sie zwischen den Lippen. Die Hand hielt ruhig die kurze Klinge, die mit Ruß geschwärzt war, damit sie kein verräterisches
Aufblitzen verursachen würde.
Immer näher kamen die Schritte und plötzlich erschien die dunkle Silhouette
des fettleibigen Mannes, auf den er gewartet hatte. Schnaufend, ein wenig wankend ging er seines Weges. Er war wie jeden Abend auf dem Heimweg, nachdem er die Schenke verlassen hatte, in der zu Speisen pflegte.
Näher trugen die Schritte den beleibten Mann und unbedarft, nicht ahnend von dunklen Augen beobachtet zu werden, ging er seines Weges.
Kaum war er an der Gestalt im Schatten vorüber, huschte diese aus dem Schatten hervor, ging den Mann von hinten an.
Die Linke griff nach der Stirn des nächtlichen Wanderers und die Rechte lies mit einer schnellen Bewegung die Klinge über die Kehle gleiten.
Ein kehliges Gurgeln entwich den wulstigen Lippen des Fetten. Das Blut strömte seine Brust herab und ein tiefer Schnitt verlief von links nach rechts unterhalb seines Kopfes.
Die Beine versagten den Dienst und vermochten den aufgedunsene Leib nicht mehr zu halten, der mit einem dumpfen Laut zu Boden fiel.
Die Gestalt entlies den Mann aus ihrem Griff und huschte davon, wissend,
dass ihr Opfer in wenigen Augebenblicken tot sein würde. Niemand würde es mehr retten können.
Verzweifelt, die Augen schreckgeweitet, griff sich der Sterbende an den Hals, versuchte so vergeblich den ihm entrinnenden Lebenssaft in seinem Körper zu halten. Doch jeder Herzschlag trieb einen Schwall des Leben gewährenden
Elixiers aus ihm heraus und seine Sinne begannen sich zu trüben.
Wenige Augenblicke, nach einem letzten leisen, gurgelnden Röcheln lag der beleibte Körper reglos am Boden, während die Gestalt, die den Tod des Mannes herbeigeführt hatte schon weit von diesem Ort entfernt war.
Erst am nächsten Morgen würde man den fetten Kaufmann, der gemeuchelt in der Gosse der kleinen Gasse im dunkleren Teil Vespers lag, finden.
Langsam glitt Leron in den großen Zuber des Badehauses. Längere Zeit saß er so reglos im Wasser und hing seinen Gedanken nach. Wieder hatte er seinen Auftrag erledigt und wieder hatte er so ein Leben enden lassen.
Fast die ganze Nacht hatte er für den Rückweg benötigt und draußen sangen erste Vögel, begrüßten den nahenden Morgen, der sich schon mit schwachem Schein am Horizont ankündigte.
Wie so oft besuchte sie ihn. Die Kälte, die wohl jeden, der war wie er, zu bestimmten Zeiten erfüllte. Die Kälte des Alleinseins.
Er rief nach einem der Hausangestellten und verlangte heißes Wasser.
Die Kälte, die wieder so deutlich zu spüren war, wollte er vertreiben.
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