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Politik in Mârlanthir holte ihn ein
Sein Zorn war verraucht, die Wut wieder seiner sonst offen an den Tag gelegten Ruhe und Gleichgültigkeit gewichen.
Er ärgerte sich, dass er zuletzt seine Beherrschung verloren und sich zumindest jene Blöße vor den Grauelfen gegeben hatte. Deren unverschämte Art und Weise ihr Verhör als Befragung anzukündigen, noch dazu durch Wachen, hatten letztlich sein Temperament und seinen Stolz nach oben gespült.
In der Annahme einer Befragung zu den Umständen des Überfalls des Dämonens beizuwohnen und lediglich einer Aufklärung behilflich zu sein, entpuppte sich als Machtspielchen der Politik, wie er sie nur leidlich aus der Heimat kannte.
In Mârlanthir war vieles anders und oft schon, seit er hier weilte, hatte er sich verwundert anpassen müssen. Doch nicht alles war anders. Auch hier gab es sie. Die Elfen, die ihre Position zu verbessern, zu halten oder zu verteidigen suchten. Übel stieß ihm nur auf, dass es hier hauptsächlich jene kriegerischen Grauen waren.
Noch immer erinnerte er sich seiner Überraschung, als er dem Elfenrat gegenüberstand. Nicht nur, dass er auch vor anderen Elfen stand, die keineswegs dem Rat angehörten, was allein schon eine Unhöflichkeit ersten Grades in seinen Augen darstellte, nein, der Rat bestand aus gerade einem seines Volkes. Der Rest der vier Ratsangehörigen waren Graue oder Vertraute dieser. Dieser Calad entpuppte sich als noch schlimmerer Vertreter seiner Rasse, als er Lathandir eingestuft hatte. War Lathandir ein Grauelf mit Verstand und einzig durch seine Ansichten gefährlich, die aber auch seinem Wesen und seiner Rassenzugehörigkeit zu Grunde lagen, so offenbarte Calad einen Umstand, den Fasil noch gefährlicher einstufte. Geistlose Gefolgschaft und unüberlegt, vorgetragene Worte, deren Unterton die Aggressivität verrieten, die in ihm wohnten.
Leidlich nur hatte er seine Worte bedacht und formuliert und sich kaum die Mühe gemacht, unbegründete Vorwürfe, falsche Verdächtigungen und geglaubtes Halbwissen zu verbergen. Fasils Urteil war schon gefallen, kaum dass dieser Graue erstmals den Mund geschlossen hatte.
Er war davon überzeugt, konnte man mit diesem machtverwöhnten Lathandir noch reden und einen halbwegs gemeinsamen Weg finden, so wäre es mit diesem anderen unmöglich.
Der Umstand, dass die Gefährtin Lathandirs, jene Nakina auch im Rat saß, bestärkte Fasil in seiner Annahme, dass die Grauen Mârlanthir als ihre Stadt, ihren Herrschaftsbereich sahen. Der Prinz, ein Gefolgsmann und seine Gefährtin im Rat und nur einer der Seinen daneben, waren für ihn offensichtliche Merkmale.
Schon vor dem Erscheinen hatte er sich ein wenig informiert und gewusst, welcher Elf in Mârlanthir wichtig schien und auch grob war er darüber informiert, wer mit wem in welcher Beziehung stand.
Die Überraschung war nur gewesen, als er den Rat sah und dessen Zusammensetzung. Eine Überraschung, die ihn daran erinnerte, was ihm einst gelehrt worden war und ihn nun ärgerte, jene Lehre unbeachtet zu lassen.
„Suche immer das Wissen über jene, die Macht haben, Fasil! Denn nur so weißt du zu reagieren und deine Ziele zu schützen und zu erreichen.“, hörte er wieder die Worte seines Onkels.
Das hatte er sträflich vernachlässigt, denn er war vor den Rat getreten ohne zu wissen, wem er da alles gegenübertrat.
Nakina war keine Graue, aber auch keine der Seinen. Er musste sie aber zu den Grauen rechnen, da sie mit deren Prinzen zusammen weilte. Schrecklich kompliziert schien alles in Mârlanthir. Noch komplizierter als in der Heimat. Allein die Häuser, die dort um die Macht rangen und ihre Intrigen spannen waren kräftezehrend und schwer durchschaubar, doch hier in Mârlanthir kamen noch die Unbekannten der Rassenzugehörigkeiten und deren Mentalitäten in die Gleichung hinzu.
Fasil verdammte all dies und jene leidige Politik, die sein Leben berührte, durchzog und erschwerte. Er wollte nur seine Studien führen und sein Leben leben, aber immer wieder geriet er in die Strudel dieser aus seiner Sicht geringzuschätzenden Politik.
Machtspiele und Politik, die diese gebar, waren nicht seine Welt und er hatte das dumpfe Gefühl, dass er hier in Mârlanthir, schon ebenso darin verwickelt war, wie in der Heimat.
Einzig I’thiel, einem seines Volkes, war es zu verdanken, dass er sich nach dieser Ratssache wieder beruhigt hatte und seinen Geist erneut mit Ruhe und damit mit wohlüberlegten Gedanken füllte. Der Hochelf hatte vermocht ihn zu beruhigen und allein dafür war er ihm dankbar. Schliesslich überredete ihn I’thiel, sein Vorhaben, Mârlanthir zu verlassen, zu überdenken und davon Abstand zu nehmen. Er war sogar zum Rat zurückgegangen und hatte so für Fasil gesprochen. Interessante Informationen hatte er mitgebracht von diesem Gespräch und Fasil sah sich erneut darüber bestätigt, dass jener Calad ein unangenehmer Faktor in seinen Rechnungen darstellte.
Nach den Gesprächen mit I’thiel stand fest, Fasil würde bleiben. Nicht, weil er die Handlungen und das Verhalten der Grauen nun weniger kritisch bewertete, sondern I’thiel und seinem Volk zu liebe. Er hatte sich überzeugen lassen, dass er auch an die zu denken hatte, die verbleiben würden, nicht nur an sich und seine Ziele.
Er war erneut in die eigene Welt der Politik geraten, der er für kurze Zeit so dramatisch, aber auch erholsam entronnen war.
Er vertraute I’thiel. Zwar niemals so, wie er seiner Familie vertraut hatte, aber doch so sehr, dass er ihn einzuweihen gedachte. I’thiel sollte und musste von seinen Vermutungen wissen.
Jene Grauen aber, die ihn gar der Lüge unterschwellig verdächtigten, würde er nicht informieren. Er hatte nicht gelogen, als er ihnen sagte, er wisse nichts. Vermutungen waren kein Wissen und Vermutungen allein, so zeigte ihm sein Leben, vermochten mehr zu schaden als zu helfen. Warum also hätte er solche verstreuen sollen.
Es war ihm selbst noch unklar, ob wirklich Jural diesen Halebanten entsandt hatte. Die Wahrscheinlichkeit dafür mochte hoch erscheinen, aber es war keineswegs bewiesen. Für die Elfen Mârlanthirs war es ohnehin gleich, woher der Dämon stammte, wenn sie ihm, Fasil, nur helfen wollten, wie sie so wenig überzeugend darstellten. Zu sehr schmerzten Fasil noch die Unterstellungen und unterschwelligen Frechheiten Galads.
Fasil wusste selbst nicht genau, wo Jural zu finden sei, unterstellte er einmal, der Dämon käme wirklich von diesem verabscheuungswürdigen Ausgeburt eines Elfen. Folglich war es auch kein der Sache dienlicher Hinweis, seine Vergangenheit und die Umstände seiner Flucht jedem dahergelaufenen Elfen zu eröffnen. Er blieb ein Hochelf des Hauses An’Heron und als solcher blickte er auf manch andere hinab, die ihn neuerdings umgaben.
Erst wahres Wissen würde er dem Rat offenbaren, denn dies wäre seine Pflicht und eben diese würde er auch nicht unerfüllt lassen.
Mit I’thiel galt es zu sprechen. Er war einer der Seinen und der Vorfall in seiner Unterkunft hatte auch Fasils Ängste wieder heraufbeschworen. Keiner aus ihm war wohl so beängstigt über diesen Besuch des Halebanten, wie er.
Er griff zu Federkiel und Tinte und brachte einige Zeilen zu Papier. Nachdem die Worte getrocknet waren, versah er die Nachricht mit einem Siegel und nicht seinem eigenen Siegel, ein sich aus Ranken formendes F und H.
Die Nachricht brachte er persönlich zu I’thiels Unterkunft und schob sie dort mit Schwung unter dem Türspalt hindurch.
Mae govannen, mellon
Treffe mich zur achten Sunde der untergehenden Sonne an jenem Ort, der westlich der Siedlung der Edain im Wald gelegen ist und den der Zauber silberner Blätter, untermalt vom leisen Plätschern klaren Wassers, umgibt.
Das Licht erfülle dich und weise dir schützende Pfade
F.
Dann ging er zurück zu seinen Räumlichkeiten. Es war einiges liegengeblieben, dass er noch erledigen wollte.
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