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Fremd
Zwei Wochen weilte er nun auf dieser Insel.
Buc's, wie die Einheimischen sie einfach nannten. Eine Insel, deren warmes Klima ihm entgegen kam und deren Erscheinungsbild sogar
einem wie ihm etwas Wohlbehagen vermittelte. Einzig diese Flüchtlingsgestalten aus dem Herzogtum störten das Bild und wie schon so oft in seinem Leben hatte er sich bereits in der kurzen Zeit, die er hier war, Feinde gemacht.
Er setzte sich etwas aufrechter hin in dem großen Bottich. Dieses Badehaus mochte er, auch wenn das in seiner Heimat sauberer und schöner gewesen war. Die Mädchen waren nicht sein Fall und es kostete einige Wortwechsel und auch versöhnende Goldstücke gegenüber der Frau, die das Geschäft führte, damit er von diesen blassen Frauen verschont blieb.
Er sehnte sich zwar nach einem Körper, der Nähe einer Frau, aber nicht nach einer der hier arbeitenden Mädchen, die Jeden anlachten und zu beglücken versuchten, der bezahlte.
Er verabscheute erkauftes Lachen, bezahlte Liebesdienste. Mochte er noch so ein
missratener Kerl, dunklen Geschäften nicht abgeneigt sein und auch beim Tod eines ihm Fremden nichts empfinden, so hatte doch auch er tief in sich etwas,
dass fähig war, berührt zu werden und zu empfinden.
Er goss sich Wasser über die langen, schwarzen Haare, die dicht und leicht gewellt über die Schulter ragten und nun
nass auf seiner Haut klebten. Das Wasser perlte ab von seinem Oberkörper, lies kleine Lichtspiele durch die Reflektion der Tropfen auf seiner südländischen, braunen Haut entstehen.
Kurz gingen die Gedanken zu Cel. Die einstige Freundin aus der Heimat, die er hier überraschend getroffen hatte und die, wie er selbst, inzwischen herangewachsen war und einem Mann viel bot, das wert war angeschaut zu werden.
Es schien, als habe die Freundschaft aus den Kindertagen, da sie in den Straßen gemeinsam überlebt hatten mit so vielen anderen, noch immer Bestand. Doch er war auch vorsichtig geworden. Vertraute niemandem mehr, nachdem er oft genug erfahren hatte,
dass Vertrauen verwundbar machte, tödlich enden konnte.
Einsamkeit und Heimweh griffen ab und an nach ihm und meist suchte er dann, wie jetzt, das Badehaus auf, setzte sich in einen der Bottiche und schenkte sich dem Tagtraum, der die Heimat vor sein Auge zauberte.
Im Wasser neben sich lag der Dolch griffbereit. Einer wie er war nie wehrlos, rechnete stets mit unliebsamen Besuch und auch wenn er hier vor sich hinträumte, wagte er nie sich völlig zu entspannen, seine Umgebung zu vergessen.
Er war fremd und hatte hier niemanden. Cel war wohl die Einzige, die ihm nichts tun würde. Ihn nicht verraten würde, doch er getraute sich nicht, sich darauf zu verlassen.
Viel Zeit war vergangen und Beide hatten sie viel erlebt. Jeder für sich. Das mochte trennen und er konnte nicht davon ausgehen,
dass sie bei entsprechendem Angebot aus ehemaliger Freundschaft verzichten würde.
Nach Hause konnte er vorerst nicht. Zu gefährlich würde es sein und nur eine Frage der Zeit, bis sie auch ihn schnappten.
Nein, er musste hier bleiben. Irgendwie zurecht kommen und versuchen am Leben zu bleiben.
Das wichtigste war, er musste auf seinen Rücken achten. Eine Regel, die ihm schon oft das Leben gerettet hatte.
Er würde auf ihn achten und auch auf ihren. Freundschaft war eine der wenigen Dinge, die auch ihm etwas bedeuteten. Selten nur hatte er sie im Leben verschenkt.
Er würde sie nicht beenden und vielleicht dachte Cel ebenso.
Sie war das einzige Wesen hier, dass verhinderte, dass er sich nicht völlig allein vorkam.
Leise und rauh lachte er auf. Dieses Leben war schon wahrhaft beschissen. Diese Freiheit und jegliche Ablehnung Jemandem zu dienen, bezahlte man teuer.
Alles hat eben zwei Seiten, dachte er still bei sich und rief nach einem der Hausangestellten.
Er brauchte heißes Wasser. Die Kälte der Fremde wollte er vertreiben.
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