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„Ich weiß nicht, Sareene. Wir kennen die Kleine doch gar nicht“, erklang Cils Stimme mit unüberhörbarer Sorge darin.
Die angesprochene Magierin saß ruhig in ihrem Stuhl nah des Fensters und betrachtete die Sprecherin, die langsam im Raum umherlief. Die beiden Frauen hätten nicht unterschiedlicher sein können. Einerseits die elegante Magierin, die man nur selten voll Hast oder nach Außen hin erkennbarer Aufregung erlebte und andererseits die in Leder gekleidete Frau, die meist zwei Dolche an ihrer Hüfte trug und nie wirklich entspannt wirkte, ganz so als sehe sie allerorts Gefahr lauern.

„Setz dich doch endlich. Du verbreitest Unruhe, Cil“
Widerwillig kam sie der Aufforderung nach, setzte sich breitbeinig auf einen der Stühle und sah zu Sareene.
„Ja, es stimmt, wir kennen sie nicht. Altaira aber sprach gut von ihr und das Mädchen ist jung. Ich glaube nicht, dass sie eine Gefahr für unsere Gemeinschaft darstellt“, erklärten Sareenes getragene Worte.
Cil wirkte indes wenig überzeugt, wie ihr Gesichtsausdruck nur zu deutlich verriet.

„Du leidest an Verfolgungswahn, Cil. Vielleicht solltest du dich weniger in diesen zwielichtigen Spelunken und Gassen herumtreiben. Glaubst du ernsthaft, jemand schickt uns eine junge, unerfahrene Adeptin auf den Hals? Welchen Grund gäbe es dafür?“
Cil schüttelte den Kopf. Der Gedanke war wirklich absurd und doch verspürte sie ein seltsames Gefühl in der Magengegend.
„Ich weiß auch nicht, was mich daran so stört. Altaira vertraue ich, keine Frage“, erwiderte sie, „Vielleicht bin ich auch wirklich schon zu oft unter diesem Abschaum gewesen, dass ich überall Verrat und Intrigen sehe“

Sareene verschenkte ein aufmunterndes Lächeln in ihre Richtung.
„Ich weiß, einige der Frauen, die wir anfangs für geeignet hielten, waren es am Ende nicht. Doch bedenke, keine von ihnen war von jemandem gesandt oder auf uns angesetzt. Diese Adeptin ist es ganz sicher nicht. Ich glaube sogar, sie hat gänzlich andere Probleme als unserer Gemeinschaft schaden zu wollen“
„Probleme?“, hakte Cil nach.
„Ja. Altaira deutete an, dass sie in den Minen bei Goldshire waren und sie dort Aussetzer hatte. Ja, Aussetzer, diesen Begriff nutzte sie“
„Was denn für Aussetzer? Ich verstehe nicht, was du meinst“
„Ich gehe davon aus, sie hat noch die nicht ungewöhnlichen Probleme mit der Anwendung der arkanen Künste unter Anspannung. In einer Situation, da man nicht in völliger Ruhe seines Studierzimmers eine Formula zu fokussieren und zu intonieren....“

Cil hob abwehrend die Hand und die Magierin verstummte, nicht ohne sie fragend anzublicken.
„Fang gar nicht erst an mit diesem Kauderwelsch, dass kein Mensch versteht. Du meinst wohl, sie bekommt ihre Zauber nicht immer hin, richtig?“
Sareene nickte sacht und konnte nicht umhin ein Schmunzeln zu zeigen.
„Ja, so kann man es auch ausdrücke, denke ich“
„Macht sie mir fast sympathisch“, grinste Cil, schaute aber rechtschnell wieder ernst.
„Du willst es mit ihr wagen, Sareene? Du weißt, wie ich darüber denke, dass wir langsam wachsen sollten“

Erneut nickte die Magierin.
„Ja, dies weiß ich und du solltest wissen, dass ich deine bedenken teile. Allerdings sollten wir nicht versäumen die aufzunehmen, die es wert zu sein scheinen. Sie kann ein Gewinn für uns alle sein“
Nun war es an Cil mit einer Geste zuzustimmen.
„Gute, Sareene. Ich vertraue Altaira und dir sowieso. Wenn du es gut heißt, dann versuchen wir es mit ihr“
„Wenn sie sich meldet, und ich glaube, das wird sie, dann werde ich sie aufnehmen in unserem Kreis“, sprach die Magierin erleichtert, „ Es ist vielleicht auch nicht verkehrt, wenn ich mich etwas ihres Problems annehme, sofern sie dies möchte“

Eine eile schwiegen beide. Alles Wichtige war gesagt und ein Beschluss gefasst.
„Ich werde aufbrechen, Sareene. Es gibt da jemanden, der einem anderen Jemand viel Gold schuldet“
„Gib Acht auf dich, Cil“
Ehrliche Sorge schwang in den Worten Sareenes mit.
Cil stand auf und lächelte.
„Ich werde aufpassen, versprochen. Wir sehen und heute Abend beim Essen“
Leichtfüßige Schritte, die keinen laut auf dem Boden verursachten, brachten Cil zur Tür, die sich wenige Augenblicke später wieder hinter ihr schloss. Die Magierin betrachtete die Tür noch eine zeitlang, hing ihren Gedanken nach.
Schließlich erhob auch sie sich und wandte sich ihrem Arbeitstisch zu, auf dem eine prächtige Axt ruhte.
„Dann werde ich einmal diesen Zwerg glücklich machen und dies unförmige Ding da mit meiner Kunst beglücken. Bezahlt hat er ja genug dafür“

 

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