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Ruhig blickte sie den heranstürmenden Ork an. Er
hatte sie auf einer ihrer Reisen entdeckt und lief nun wild schreiend
und dabei seine gewaltige Axt schwingend auf sie zu. Kein Zweifel, was
er mit ihr anzustellen gedachte.
Sie war allein unterwegs. Eine unbewaffnete, ungerüstete Frau und der
zweifelsohne noch unerfahrene Ork sah in ihr leichte Beute. Ein Irrtum,
wie er bald erfahren würde. Dafür bedurfte es aber noch einiger
Augenblicke, denn er musste in die Reichweite ihrer Macht gelangen,
damit sie ihm seine Fehleinschätzung vor Augen führen konnte.
Sachter Wind spielte mit ihrem Umhang und bis zum Einsetzen des
Kampfgebrülls des Orks, hatte man neben dem leisen Wispern der Blätter,
die vergnügten Gesänge der Vögel hören können. Ganz in Weiß
gekleidet stand sie weiter da und fixierte den Ork, der jetzt an dem
Punkt angekommen war, da sein geglaubtes Schicksal eine Wendung erfahren
würde.
Beinahe zerbrechlich wirkte die Geste ihrer Hand, kaum hörbar waren die
leisen, kehligen Worte, die sie intonierte und damit die Mächte der
Elemente heraufbeschwor, die den Angriff der Bestie, mehr war der Ork in
ihren Augen nicht, abrupt stoppte.
Ein klirrender Laut füllte die Luft und ein überraschter Schrei des
Orks folgte diesem nur einen Atemzug später. Aufkommende Panik stand
nun in den eben noch von Kampfeslust getrübten Augen.
Sein Lauf war von einem zum anderen Moment beendet. Seine Füße
gefangen in unnachgiebigen Eis, dass seine Beine empor kroch und ihn frösteln
ließ. Erkenntnis überkam ihn und er schaute sein so sicher geglaubten
Opfer an. Ein feines Lächeln zierte dessen Lippen, keine Spur von
Furcht.
Sie hörte sein Atmen, sah das Beben in seiner Brust und erahnte die
verzweifelten Gedanken des Orks, wie er sich aus seiner Lage befreien
konnte, sie vielleicht doch noch angreifen konnte oder wenigstens zu
fliehen vermochte.
Das Eis hielt ihn unerbittlich und sie wusste darum, denn sie rührte
sich nicht, sah ihn nur an.
Plötzlich, unerwartet, blitzte Stahl auf. Hinter dem Ork stand wie aus
dem Nichts eine Gestalt und noch ehe er um diese wusste, drangen die
beiden Dolche tief in seine Rippen. Das Eis gab nach, löste sich auf,
wie es gekommen war.
Zu spät.
Unbeholfen machte der Ork einige Schritte nach vorn. Die tödliche
Verwundung seiner Lungen raubte ihm die Luft. Gurgeln und Rasseln
erklang nun aus seinem hauerbewehrten Maul statt des Kampfschreies vor
wenigen Augenblicken.
Noch bevor die Kräfte ihn verließen und er auf die Knie ging, sah er
die Maga vor sich eine weitere Geste vollführen. Kurz war ihm als würde
das Tiersymbol auf ihrer Brust ihn anspringen. Das letzte was er sah,
bevor ihn die gleißende Hitze blendete und der gewaltige Schlag des
Feuerballs ihn nach hinten warf.
Seine Unerfahrenheit hatte ihn das Leben gekostet. Die Frau, die er
angegriffen hatte war keine wehrlose Reisende gewesen und auch nicht
allein unterwegs.
Wenn er diese Erkenntnis erlangte, so war ihm keine Zeit geblieben, sein
Vorgehen zu bereuen.
Sein Leib lag nun brennend am Boden, unnatürlich verkrümmt durch die
Hitze des Feuers.
Zwei Frauen standen wenige Schritte von ihm entfernt, eine schwarze
Spinne zierte beider Wams. Die eine wischte sein Blut im Gras von ihren
Dolchen und die andere sah verächtlich auf den Kadaver nieder.
Zwei Witwen waren dem Ork zum Verhängnis geworden.
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