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In jüngster Zeit hatte sich ihr Leben wieder einmal sehr verändert.
Immer öfter geriet sie auf ihren Reisen in Auseinandersetzungen mit der Horde. Nicht, dass sie diesen Kampf gesucht hätte, nein, es geschah einfach. Bisher waren es hauptsächlich Orks und Trolle gewesen, die ihr begegnet waren. Vereinzelt nur, war auch einer der hünenhaften Tauren dabei gewesen. Aber auch ohne diese riesigen Wesen mit ihren meist furchteinflößenden Waffen hatte sie eine neue Form der Angst kennen gelernt. Besonders die Orks hatten dazu beigetragen.

Zähe und unnachgiebige Krieger waren diese Grünhäute. Die Augen wie im Rausch fiebrig glänzend, blickten sie einen wütend an und die Götter selbst mochten bisher verhindert haben, dass einer unter ihnen ihr Schicksal besiegelte.
Manchmal wachte sie Nachts schweißgebadet auf, bemüht eine dieser hauerbewehrten Fratzen aus ihrem Bewusstsein zu vertreiben, die ihren Schlaf heimsuchten.

Der Krieg schlich sich in ihr Leben. Es war anders als die bisherigen Kämpfe, die sie meist notgedrungen geführt hatte. Es waren nicht mehr einzelne Wegelagerer oder Wesenheiten, denen sie sich stellen musste. Nun waren es ganze Einheiten, Patrouillen, Späher oder einfach nur umherziehende Mitglieder der Horde. Sie konnte froh sein, wenn sie nicht allein auf solche traf oder sie früh genug ausmachte, um ihnen auszuweichen. Eine Portion Glück spielte bisher auch eine Rolle.

Die Geisel war nicht länger der größte Schrecken für sie, denn sie hatte nie selbst diesen in der Vergangenheit liegenden Kampf führen müssen. Die Horde war ihre persönliche Geisel geworden und es half nichts darüber nachzusinnen, warum dieser Krieg zwischen Allianz und Horde einmal mehr so verbittert geführt wurde. Ihre Reisen führten sie in Gebiete, wohin auch die Horde zog. Die Zeit, da beide Seiten verbündet gegen die Geisel um ihr ureigenes Überleben bekämpften schien vergessen.

Die Begegnung mit einem Vertreter der Horde, die ohne Kampfhandlungen verliefen, konnte sie an einer Hand abzählen. Frieden, so sie noch vor wenigen Wochen an einen solchen glaubte, heimlich von dieser gewünschten Harmonie träumte, war jäh in weite Ferne gerückt.

Mit Schaudern gedachte sie dem gestrigen Tag. Erstmals war ihr einer derer begegnet, denen man nachsagte, sie hätten sich von der Geisel gelöst und mit ihrem Leben dafür bezahlt. Ein Untoter war ihr mit einem male auf der Straße gegenübergestanden, kurz nach einer Biegung.
Beide waren stehen geblieben und hatten sich lange nur angestarrt. Der pestilenzartige Geruch des fauligen Körpers war trotz der sicher fünfzig Schritt Entfernung zu ihr herübergeweht und ihr einen spontanen Würgereiz beschert.

Kein Krieger war da vor ihr gestanden, sondern etwas, dass längst unter sechs Fuß Erde hätte ruhen müssen und doch aufrecht vor ihr stand. Dieser Mann dort oder besser gesagt das, was von ihm übrig war und durch diese Welt zog, war magischer Kräfte fähig gewesen.
Sie hatte es gewusst, noch bevor einer von ihnen den ersten Zauber intonierte.

Diesen Kampf würde sie nie vergessen. Noch nie hatten sich die Kräfte, derer sie selbst sich zu bedienen wusste, mit der Absicht sie zu töten gegen sie gewandt. Diese vom Leben verlassene Kreatur wirkte Magie, wie sie selbst und sie sah sich unvermittelt in einem Duell der Zauberei. Ein Wettstreit des Geistes zwischen ihr und diesem fauligen Etwas vor ihr, dessen Hirn vielleicht nur noch eine vertrocknete Masse war und doch so gute Dienste leistete, wie das ihre. Der Einsatz in diesem Wettstreit war ihr Leben.

Nachträglich gesehen war die Tatsache, dass sie einst entschied den arkanen Zweig der Magie zu favorisieren ihre Rettung gewesen. Dieser untote Magus verfügte über starke Kräfte. Er zwang sie anfangs in die Defensive, bombardierte sie mit eisigen Geschossen, die an ihrem Schutzzauber zerbarsten und den sie gerade noch rechtzeitig in einen Feuerschutz umzuwandeln vermochte bevor die glühenden Flammenbälle auf sie zurasten.

Ihre anfängliche Überraschung konnte sie schließlich überwinden und dann war es an ihr gewesen, den längst toten Feind zu attackieren. Rasch wirkte sie ihrerseits eine Feuerkugel und da sie dank ihrer arkanen Ausbildung diese de facto aus dem Nichts erscheinen ließ und sofort auf ihr Ziel entsendete, wurde ihr Gegenüber überrascht.
Er hatte wohl mit der notwendigen Zauberzeit gerechnet, die sie aber mit der anstrengenden, arkanen Formel zuvor negieren und so auszulöschen vermochte. Sein gehetzt gewirktes Feuerschild zerbrach unter der Wucht des Aufpralls ebenso schnell, wie er es geschaffen hate und es machte den Anschein als habe es ob der Eile nicht genug Macht inne gehabt, um allen Schaden fern halten zu können.
Er klopfte auf seiner Robe herum, die an zwei oder drei Stellen Feuer gefangen hatte.

Gerade wollte er ihr eine Antwort auf diesen Angriff senden als sie abermals ihr Wissen um den arkanen Zweiges ausspielte. Eine schnelle Geste mit der Rechten, ein ausgerufenes Wort und sein Magiefluss kam zum erliegen. Der Gegenzauber war gelungen und während ihr Gegenüber sich noch fragte, weshalb es nicht mehr in der Lage war die Magie zu wirken, formten ihre Lippen neue Worte und ihre Hand streckte sich nach dem Untoten aus.

Gleißende Geschosse schnitten parallel fliegend die Luft, rasten auf den untoten Magus zu. Zu schnell waren sie unterwegs als dass er noch etwas hätte tun können. Der Zauber, der ihm magischen Schutz bescheren sollte, misslang, da noch der Gegenzauber wirkte. Seine Gestalt hüllte sich in einen hellen Schein und sein unwirkliches Schreien aus vermoderter Kehle erfüllte den Ort. Weitere Geschosse kamen den ersten nach und diesen folgten weitere und weitere. Der Untote krümmte sich anfangs unter den arkanen Entladungen, bis es ihn letztlich regelrecht zerfetzte. Endlich war er das, was er schon lange hätte sein sollen. Tod und reglos waren seine Überreste am Boden gelegen.

Ja, dieser Untote war wohl das bisher Schrecklichste, was sie erlebt hatte. Schlimmer als die ohnehin erschreckenden Skelette und Ghule in Duskwood. Dieser hier hatte gedacht wie sie, mit Verstand gehandelt wie sie und mit ihren Waffen zu kämpfen vermocht.
Die Horde war ein grauenhafter Gegner.

 

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