< Rückwärts          Zurück          Vorwärts >

 

Cil war vor wenigen Augenblicken gegangen.
Das Gespräch war zu Sareenes Zufriedenheit verlaufen und nun war es beschlossen, dass sie der jungen Adeptin eine Chance geben wollten. Vorausgesetzt, diese würde sie auch nutzen wollen.
Die Magierin wandte sich ihrem Arbeitstisch zu. Eine prächtige Axt lag darauf. Zweifelsohne zwergische Arbeit, wie der versierte Betrachter unzweifelhaft an dem Metall und den silbernen Einlegearbeiten erkennen konnte. Schriftzeichen des kleinen Volkes, die dem Träger der Waffe Schutz, Mut und Tapferkeit bescheren sollten.
Keineswegs magischer Natur, aber vielleicht von einem ihrer Priester gesegnet.

Sareene lächelte amüsiert.
In ihren Augen war dies kriegerische Gerät einfach nur schwer und unhandlich. Kein Vergleich zur Kunst, der sie sich verschrieben hatte. Die Magie war effizient und inzwischen ein Teil ihres Lebens. Sie bedurfte keiner solchen Waffen, wenngleich sie selbst gern ein Schwert führte.
„Dann werde ich einmal diesen Zwerg glücklich machen und dies unförmige Ding da mit meiner Kunst beglücken. Bezahlt hat er ja genug dafür“, sprach sie ihre Gedanken aus.

Sie entzündete einige Kerzen. Dies war nicht notwendig für die bevorstehende Verzauberung der Waffe, aber sie mochte die Atmosphäre von Kerzenschein. Es half ihr, die notwendige Stimmung und Ruhe für derartige Aufgaben aufzubringen.
Gewissenhaft musterte sie ein Axt noch einmal. Sie musste sicher sein, dass kein Zauber auf ihr lag, sollte der ihre gelingen. Es wäre ein völlig anderes Herangehen notwendig gewesen, weilten bereits arkane Kräfte im metallnen Blatt der Waffe.
Nein, die Axt war kunstvoll verziert, aber nicht verzaubert. Erst ihre Arbeit würde diesem Metall magische Eigenschaften verleihen. Eigenschaften, die dem Zwerg einige Münzen wert waren, wie der kleine Beutel bezeugte, der dieser Lieferung beigelegen hatte.

Sie richtete sich alle Utensilien, schloss dann die Augen, um ihren geist u leeren und die notwendige Konzentration aufzubringen. Das leise Knistern der Kerzen nahm sie wahr, fokussierte all ihr Denken auf dies leise Geräusch. Absolute Ruhe breitete sich in ihr aus.

Ihre Rechte griff in die kleine Schale, die sie bereitgestellt hatte. Staub von gemahlenen Fangzähnen ruhte darin, von dem ihre Finger eine Prise griffen und über dem Axtblatt der Waffe verstreuten. Leise Worte entkamen ihren Lippen, monoton anmutend, kehlig intoniert. Das Pulver verschwand, schien im Metall unterzugehen, ganz so als sauge dieses es auf.
Die Linke griff einen Splitter, den sie erst letzte Woche aus einem Entzauberungsvorgang gewonnen hatte. Magie, eingefangen in scheinbar kristalliner Form und doch alles andere als ein Edelstein oder ein Mineral.

Ihre rechte Hand nahm aus einer zweiten Schale etwas von dem darin enthaltenen, grün fluoreszierenden Pulver, dass an ihren Fingern haftete. Weiter erklangen dabei ihre Worte, die keiner Sprache der bekannten Völker entliehen waren. Jede Bewegung, jedes Wort hatte seine Bedeutung und die Abfolge all ihres Handelns war entscheidend für das Gelingen der Verzauberung.

Die Finger zeichneten auf dem Axtblatt die Form einer magischen Rune. Grünlich fluoreszierend blieb das Pulver dort haften, wo die Finger eben noch gewesen waren. Die zierliche Linke der Magierin schloss sich fest um de magischen Kristall als wolle sie ihn zerbersten lassen. Die Knöchel traten weiß hervor. Lauter sprach sie die folgenden Worte und etwas gebieterisches lag ihn ihnen.

Die hand mit dem Splitter begann mit einem male zu erglühen und das Licht magischen Ursprungs hüllte mehr und mehr die Hand und deren Inhalt ein. Ein helles, gleißendes Licht, dass dem der Sonne in nichts nachstand und doch nicht blendete, wie es die Lebensspenderin am Himmel tat.

Ihre Worte verstummten. Die Rune auf dem Axtblatt verschwand, das Leuchten in ihrer Hand endete. Der Splitter in ihrer Linken war verschwunden.
Sie öffnete die Augen und betrachtete die Waffe. Zufrieden nickte sie als sie ihren Zauber gelungen sah. Ein sachtes, rötliches Glimmen wohnte dem Metall nun inne und umgab es, hüllte es ein.
Die Rune, die ihre Finger beschrieben hatten und die nun die Macht der Verzauberung beherbergte würde nur ein Zauberer zu sehen vermögen, der wie sie die Verzauberkunst beherrschte und die Waffe entsprechend untersuchte.

Der Wunsch des Zwergen war erfüllt. Seine Axt beherbergte nun die magischen Kräfte, die er bestellt und für die er bezahlt hatte. Vion konnte sie später ausliefern.
Sareene setzte sich. Ein Anflug von Müdigkeit, anders als die einfache Müdigkeit nach einem langen Tag. Es war stets so nach einer Verzauberung und würde gleich wieder vergehen.

 

< Rückwärts          Zurück          Vorwärts >