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Neue Wege - 8. Teil
Morod gedachte jenem Aufruf der Volkszählung in Drei Weiden
nachzukommen. Er hatte diesen Besuch ohnehin zu lange aufgeschoben und
auch wenn er im Konvent wohnte, so wollte er nicht das Erlöschen seiner
Bürgerschaft riskieren. Daher machte er sich auf den Weg, wobei er
wieder einmal über die Anschaffung eines Pferdes nachsann im Hinblick
auf seine schmerzenden Füße.
Etwas erschöpft erreichte er jedoch die Vogtei Drei Weidens (am Rande
sei erwähnt, es war zu einer Uhrzeit, da man eigentlich bereits mit dem
Gedanken liebäugeln sollte, zu Bett zu gehen) und klopfte gegen die Türe
Ein Reiter öffnete ihm die Türe nahezu zeitgleich mit seinem Klopfen.
„Und kümmert Euch um den Verband ... der scheint fast
durchzubluten...“, erklang es aus dem Hintergrund.
„Aye...“, sprach der Reiter bar jeder Lebendigkeit in der Stimme.
„Verruchte..Narre...“, erschrak Morod, was der Soldat der
Dreiweidischen Reiterei mit einem emporziehen der Braue quittierte, die
dabei im frisch angelegten Kopfverband zu verschwinden drohte.
“Hopala!”, entkam es Morod.
„Um diese Nachtruhende Zeit“, murrte eine Stimme hinter dem
Soldaten.
„Ihr seht aus als habet ihr einen Oger besucht“, bemerkte Morod, der
nicht umhin kam, den in Mitleidenschaft gezogenen Reiter zu mustern,
wobei er Wert auf ein bekleidendes, mitleidiges Lächeln legte.
„Habe ich auch.....“, kam es leidenschaftslos zurück.
“Oh!”
„Einen Oger mit einem Schwert und einem Ohr“, fügte der Soldat an.
„Na dann....“
Wieder erklang die Stimme aus dem Hintergrund. Wohl etwas abseits an der
Seite hatte sie ihren Ursprung.
„Ist es wichtig ...?“
„Lasst wissen, kühner Streiter, ist der Vogt des Lehens zu
sprechen?“, hakte Morod indes beim Reiter nach.
„Wenn ihr mich entschuldigen würdet...“, versuchte der Soldat sich
an Morod vorbeizuschieben. Ihm stand der schmerzende Kopf sicherlich nur
noch nach einem Nachtlager.
„Ich hoffe verdammt noch mal es ist wichtig“, brummte es derweil von
hinten.
„Nein, heute nicht mehr“, sprach der Soldat mit kurzem Blick über
die Schulter und der Erkenntnis, dass Morod de Tür nicht freigab.
„Nun schick den Burschen rein!“, kam es wenig begeistert, doch
gleichfalls befehlend von hinten.
„Nun denn....ich höre schon die Stimme der Obrigkeit“, lächelte
Morod und schob sich am Soldaten vorbei ins Innere der Vogtei, was dem
Soldaten wiederum nur ein Seufzen entlockte.
„Wenn ihr meint Edelhochgeboren“, sprach er dabei nach hinten über
die Schulter.
„Den Burschen“, murmelt Morod leise wiederholend und seine buschigen
Augenbrauen tanzen auf der Stirn. Jene Umschreibung seiner Wenigkeit von
bisher noch unbekannter Stimme aus dem Nebenraum gefiel ihm keineswegs.
Der Adept musterte die Räumlichkeiten mit schnellen Blicken und warf
dem Soldaten noch hastige Genesungswünsche nach als dieser, seine
Chance witternd und ergreifend, die Vogtei verließ.
„Äh...gute Besserung“
„Danke“, fiel die Tür ins Schloss.
Einige Holzsplitter lagen auf dem Teppich nahe dem Schreibtisch, der
selbst einige größere Stapel an Dokumenten beherbergte, deren Ordnung
nicht unmittelbar zu erschließen waren. Man konnte es durchaus auch als
wirres Durcheinander beschreiben. Ein Bild also, welches Morod von
eigenem Schreibtisch gewohnt war und daher auch nicht besonders wertete.
Er räusperte sich etwas lauter, um seine Anwesenheit mitzuteilen und
sprach leise vor sich hin.
„Schlecht gefegt....wahrhaftig...mh mh“, da die Holzsplitter am
Boden keinerlei eigenen Erfahrungen nach Teppiche zierten.
„Ja, ja ... Moment!“, wurde sein dezentes Anwesenheitsräuspern
kommentiert.
Schwerfällig stapfte einen Moment später der Vogt aus dem Lager in den
Hauptraum.
Morod setzte eines seiner höflichsten Lächeln auf.
Der Vogt sah sich erst etwas suchend um, bis er dann jedoch schnell sein
Gegenüber im Raum erkannte.
„Gestatten, Morod Askar! Zauberer und Niederstrecker zweier Räuber,
welche die Mächte des Arkanen herausforderten!“
„Nun, das nenne ich einmal einen Titel“, blieb die Wirkung jener
Vorstellung nicht aus, was sofortigen Stolz und Freude in den Augen
Morods erglimmen ließ.
„Der Vogt Drei Weidens nehme ich an?“
„De Goth, mein Name. Vogt des Lehens, Baronet, Oberleutnant.“,
stellte sich der Vogt vor.
„Ich bin gerade etwas ... hmm ... unpässlich“, und den Worten
folgte ein sachtes Klopfen auf die Rüstung, welche der Vogt trug.
„ah ja! Nun, ich will euch nicht viel Zeit stehlen, werter Herr
Vogt“
„Dies ist nicht gerade meine ... hmm ... übliche Arbeitszeit“,
entkam Betrand de Goths dezenter Hinweis auf die herrschende
Abendstunde.
„Ein paar Bürgerschaftspapierchen und ich bin wieder fort“, lächelte
Morod.
„Ah ja, dachte ich mir fast“
Der Stimme des Vogts haftete etwas an, das auf wenig Begeisterung schließen
ließ. Ein Grund mehr für Morod, das Lächeln aufrechtzuerhalten.
„Ihr entschuldigt mich einen Moment? Der Blechsarg ist nicht sehr
angenehm.“, erkundigte sich Bertrand de Goth.
„Selbstfreilich!“, nickte der Adept.
Die Treppe ächzte unter dem Gewicht der Rüstung als der Vogt sich
hinaufwendete, um auf halbem Weg inne zu halten.
„Nehmt doch bitte solang Platz“
Offenbar war Morod gelungen, den Vogt von seinem Verweilen und der
Bearbeitung seines Anliegens zu überzeugen.
Er trat etwas näher an den Schreibtisch und die Augen huschten über
die Papiere und anderes, ob dort nicht etwas brauchbares zu entdecken
war. Natürlich lauschte er dabei genau auf den möglicherweise zurückkehrenden
Vogt.
Bürgerschaftsanträge lagen auf dem Schreibtisch, einige Beschwerden an
die Reiterei und auch ganz allgemeine Drohbriefe, Schuldscheine und unzählige
Tabellen über Steuerberechnung.
„Mh mh...interessant“
Morods Augenbrauen arbeiteten in Höchstform auf der Stirn umher.
Von oben hörte man klapperndes Metall und auch etwas, dass wie ein
leises Fluchen anmutete.
„Wer immer diese Schnalle ausgerechnet dort angebracht hat...!
Morod, den einige hässliche Stiche wie von Stricknadeln an Händen und
Gesicht zierten überflog derweil ein Beschwerdeschreiben, in welchem über
den Lärm durch eine Festnahme nahe der Mine Ausdruck verliehen wurde.
„Tztztztz! Ah ja! Mh mh!“
Langsam näherten sich Schritte wieder der Treppe, wenngleich auch
weitaus leiser als zuvor und wohl auch weniger schwer.
Morod lächelt den Vogt vom Stuhl, auf dem er schnell Platz genommen
hatte, an.
Bertrand de Goth nickte ihm knapp zu, und trat dann an seinen Platz
heran und hing den Umhang über die Lehne.
„Dann wollen wir mal“
„Sehr gern“, erwiderte Morod höflich und rückte sich, ebenso wie
seine Oberbekleidung zurecht.
„Kann ... ich Euch etwas anbieten, Herr Askar?“
“Oh!”, verzückt tanzten die buschigen Augenbrauen auf der Stirn
„Ein Glas Wasser? Saft?“
„Äh...Saft...hmm...wohl denn, ein Saft, wenn es keine Umstände
macht“, verschwand die eben noch aufgekommene Verzückung ob eines
erwarteten Trunkes geistlichen Inhalts.
„Sicher doch“
Der Vogt schritt an die schwere Truhe in der Ecke heran und öffnet sie,
was diese mit einem stimmungsvollen Knarren kommentierte.
“Oh! Die Truhe macht aber unangenehme Geräusche“, stellte der Adept
fest.
„Mit ein wenig arkaner Macht könnte man dem zu Leibe rücken“
„So? Mmm, ist mir noch gar nicht aufgefallen. Arkane....nein, lasst
nur. Ich bevorzuge ... hmm ... Öl“, sprach der Vogt obgleich er
keineswegs über Warnungen bezüglich Morods Fähigkeiten verfügte und
diese Worte offensichtlich aus anderen Gründen in den Raum warf.
„Erwähnte ich schon, dass ich dank vererbter Fähigkeit und meiner
arkanen Sinne, wie auch Kräfte eurer Person die Zukunft weissagen könnte
mittels der Tarotkarten, die ich mit mir führe?“
Der Vogt stellte erst zwei Gläser ab, „Zukunft vorhersagen, hmm?“,
griff dann nach einer Flasche aus der Truhe.
Es klopfte an die Tür.
Bertrand de Goth drehte sich in Richtung der Tür atmete tief durch.
„Einfach nicht antworten! Das funktioniert immer, selbst im
Konvent“, lächelte Morod.
„Na, ich habe meine Pflichten“, schmunzelte de Goth sacht.
„Selbfreilich“
„JA BITTE?“, rief der Vogt etwas lauter und trug derweil die Flasche
zum Tisch.
„Ich würde gerne einige Fragen zu den hiesigen Gesetzen stellen“,
erklang die Stimme vor der Tür.
„Fragen zu Gesetzen“, überlegte der Vogt einen Moment während er
noch die Gläser füllte und eines davon an der freien Stelle vor Morod
abstellte, an der sich seltsamerweise keine Papiere tummelten.
„Ich danke euch“, lächelte Morod.
„Seid gegrüßt“, fiel jenem vor der Tür noch ein.
Morod nickte derweil dankend dem Vogt zu und versuchte seine Enttäuschung
ob des Saftes statt Wein zu verbergen*
Bertrand de Goth öffnete die Tür.
„Die Götter mit Euch. Nun, verzeiht, aber zu so später Stunde...“
Der Adept nippte am Saftglas und verzog den Mund und stellte das Glas
wieder ab.
„Himbeere .....verrucht!“
Die Kapuze des Mannes vor der Tür wippte etwas als er nickte. In seiner
Rechten hielt er einen Stab, wie ihn Adepten zu führen pflegten.
„Würde es Euch ausmachen, später wiederzukommen? Vielleicht ...“
„Ich möchte auch nicht lange stören.“
Kurz glomm Hoffnung in Bertrand de Goths Augen auf.
„Morgen?“
„Es dauert gewiss nicht lange“, bewies der in eine rote Robe
gekleidete Mann und offenbarte eine Hartnäckigkeit, wie zuvor Morod und
damit in den Augen des Vogtes wohl eine Grundeigenschaft allen
Zauberervolkes.
„Nun, so stellt Eure Frage, wenn sie sich schnell beantworten lässt.
Ich will den Herren dort nicht warten lassen“, deutete der Vogt über
die Schulter in den Innenraum.
„Dürfte ich wohl eintreten?“
„Eigentlich habe ich derzeit einen Termin. Sicher will der Betreffende
kaum dass seine privaten Steuersachen in die Öffentlichkeit getragen
werden“, versuchte Bertrand de Goth einen zaghaften Versuch des
Abwiegelns solcher Wünsche.
„Er will keineswegs!“, erklang es zuckersüß, wie auch süffisant
aus Morods Richtung, was auf des Vogts Stirn ein kurzes Stirnrunzeln
bewirkte, während der Mann an der Türe dünn schmunzelte.
„Nun denn..“
„Wenn es länger dauert, kommt später wieder“, versuchte es der
Vogt nochmals.
„Ich würde gerne wissen wie sich die hiesigen Gesetze mit der Magie
vereinbaren“, blieb der Fremde hartnäckig. Zweifelsohne war er
Zauberer, bemerkte der Vogt für sich im Stillen.
Morod murmelte etwas von, „vielleicht sollte man sie dann einfach
lesen“
Langsam wurde auch seine Geduld geringer, insbesondere da der Vogt sich
scheinbar nicht durchzusetzen vermochte.
„Ihr habt sie gelesen, nehme ich an. Sonst würdet Ihr mich zu so nächtlicher
Stunde nicht stören.“
Der Fremde nickte.
„Doch verlasse ich mich nicht auf das Gelesene“
„Oh, ich kann Euch beruhigen. Verlasst Euch nur darauf“
„Wenn man sich die Verhältnisse der Narrenstadt besieht. Dort hieß
es man würde der Magie nichts entgegensetzen und was ist dann? Ein
ganzes Nest voller Irrer“
„Da erzählt Ihr niemandem etwas Neues“, entgegnete der Vogt
Morod erhob sich und schaute von hinten am Vogt vorbei. Seine Geduld
wich zusehends.
„Sicherlich interessante Studienobjekte. Doch auch sehr
hinderlich...“, sprach der Fremde
Bertrand de Goth hob kurz die Hand, um den für ihn wirren Redefluss des
Mannes vor der Tür zu stoppen.
„Lasst es uns schnell klären. Wie gesagt meine Zeit ist knapp
bemessen“
„Werter Collegus! Mit höflichem Respekt!“, mischte sich Morod nun
ein, „Das ist mein Vogt, zumindest im Moment, will ich meinen“
„...“, sah der Vogt über die Schulter.
Der Fremde sah ebenfalls zu Morod: “Collegus?”
Morod deutete auf den Stab, den der Fremde hielt.
„Ihr ein Collegus? Naja, wie dem auch sei. Was wollt ihr sagen?“,
erkundigte sich der Fremde.
„Dieser Stab, gepaart mit eurer Anfrage, derer ich unbeabsichtigter
Weise Zeuge wurde, lassen jenen Schluss nahe liegen“
Bertrand de Goth hob entschieden die Hand, da sich offenbar eine jeer
gefürchteten Wortduelle unter Zaubervolk anbahnte.
„Meine Herren! Eventuelle Diskussionen fressen hier nur Zeit. Was die
Gesetze angeht, verlasst Euch auf das Niedergeschriebene. Immerhin
richten wir uns danach“
Morod nickte und entschieden pflichteten die buschigen Augenbrauen dem
bei, in dem sie sich auf der Stirn kurz in die Höhe und wieder hinab
bewegten. Der Vogt ergriff zu seiner Zufriedenheit wieder die
Initiative.
„Und wie steht es um die Einwohner?“, erfragte der fremde Zauberer,
„hat die Narrenseuche auch hier Einzug gehalten oder wurde dies Lehen
verschont?“
„Einwohner? Ich dachte die Schriften seien recht eindeutig“, verlor
der Vogt wieder, was er eben noch erobert hatte.
„Tztztztztz....unfassbar“, setze sich Morod kopfschüttelnd.
„ Nun, ich werde mir diesbezüglich um eine Auslegung Gedanken
machen“, versuchte es der Vogt erneut.
„Vielleicht genügen sie ja den eurigen Ansprüchen Collegus!“,
quittierte der Fremde Morods Worte.
„Jedoch wird dies ohnehin einige Zeit in Anspruch nehmen. Daher bitte
ich Euch, mich zu einem späteren Zeitpunkt aufzusuchen“, gab der Vogt
nicht auf.
Morod hüllte sich in ausdrucksstarkes Schweigen.
„Danke, ich glaube genug gesehen und gehört zu haben. Ich glaube ihr
könnt euch die Arbeit sparen“
„Der Quästor, dessen Aufgabe dies eigentlich ist zur Zeit unglücklicherweise
verhindert....“, versuchte es Bertrand de Goth weiter.
Der fremde Zauberer wendete sich zum Gehen und entschwand in die Nacht.
„Nicht schade drum. Vertane Zeit, wie so oft“, brummte der Vogt vor
sich hin, erkennend, dass man ihn einfach mitten im Satz hatte stehen
lassen.
„Ja ja, die arkanen Mächte ziehen mitunter recht merkwürdige
Gestalten an“, lächelte Morod.
„Ich hoffe Ihr verzeiht mir die Wartezeit, Herr Askar“
„Selbstfreilich, wenngleich ich weit weniger Geduld aufgebracht hätte.
Vorzüglich euer Saft“
Kaum etwas fehlte im Glas.
Der Vogt ließ sich langsam auf den Sessel nieder.
„Schenkt Euch nur nach, so Ihr wollt“
„Zu gütig, habt dank“, heuchelte der Adept.
„Nun, das Amt bringt die Bürde der Freundlichkeit mit sich“, erläuterte
de Goth.
„Ah, ich verstehe. Verruchte Sache das. Ja ja, ein Amt bringt Kummer
und Sorgen“
„Wem sagt Ihr das“, nickte der Vogt sacht und genoss das Verständnis.
„Aber kommen wir doch zu Eurem Anliegen“
Morod nickte bedeutungsschwer und auch die buschigen Augenbrauen
schienen nickend beizupflichten.
„Das wäre erfreulich, ja“
Bertrand de Goths Blick wanderte unweigerlich zu den Brauen seines Gegenübers.
Nach einem kurzen Moment zwang er diesen jedoch wieder auf Augenhöhe.
Bart und Augenbrauen lenkten beinahe ab von der etwas zu lang geratenen,
dünnen Nase, die Morods Gesicht zierte.
„Gut! Bürgerschaftspapiere und ähnliches, sagtet Ihr?“
„Eben diese, ja. Ich war gerade in der Gegend und dachte so bei mir,
klären wir doch jene lästigen Papierdinge“
„Nun, Euer Name ist mir in der Bürgerliste schon aufgefallen“
„Ah ja? Ist er?“
„Ja“
Ein Hauch von Besorgnis glänzte in Morods Augen und die Augenbrauen hüpften
kurz empor und wieder hinab.
„Nun, wollt Ihr andeuten Ihr hättet die Bürgerschaft ohne
entsprechende Papiere bekommen? Fehlt etwas?“
„Nicht doch! Es erging nur ein Aufruf eurerseits, erneut vorstellig zu
werden bei eurer Person. Als gesetzestreuer Bürger will ich dem natürlich
Folge leisten“, lächelte Morod innerlich unsicher.
„Sicher doch ... die Volkszählung ...“
„Lasst mich auch bitte anfügen, dass ich erst spät davon erfuhr, da
ich im Konvent wohne und dort eure Aushange leider nicht die Wände
zierten“
„Besser spät als nie ... hätten wir Euch doch fast wieder von den
Listen gestrichen“, nickte der Vogt.
Das Gespräch nahm einen unerwünschten Verlauf.
„Bis dorthin können wir natürlich nur schwer Aushänge verteilen“
„Diesbezüglich wäre ich hocherfreut, wenn ihr mich zukünftig
brieflich zu erreichen versuchtet“
„So? Ich gebe zu, dass es oft schwierig ist selbst für Boten diesen
Ort zu betreten“
Morods Augenbrauen tanzten bei dieser Rede verhältnismassig genügsam
auf der Stirn umher.
„Angeblich, ich spreche natürlich nur aus meiner begrenzten Erfahrung
heraus, sei es keinem Unkundigen gestattet, diesen Ort zu betreten“
Die hellgrauen Augen des Adepten fokussierten die des Vogts, was
aufgrund der dunklen Wimpern Morods durchaus einen recht intensiven
Blick ergab.
„Und ... hmm ... Kundige verdingen sich nur seltenst als ...
Botenjungen. Ihr versteht das Problem der Sache?“
„Vielleicht vermögt ihr es bei der Alchemistin in Calderah abzugeben.
Dort sind auch die arkanen Zugänge zum Konvent“, suchte Morod
freundlich behilflich zu sein und die Augenbrauen hüpften wieder kurz
empor und hinab.
„Ah, dies wäre natürlich eine Möglichkeit. So Ihr der Dame soweit
traut...“
„Dem sei so“, nickte der Adept, wie auch besagte Büsche auf der
Stirn.
„ Gut, gut! Das Problem wäre gelöst“
„Sehr erfreulich“
Morod lächelte.
„Für die Volkszählung würde ich Euch bitten, Euch in diese Liste
dort einzutragen“
Wieder ein fokussierender Blick in Bertrand de Goths Augen, der knapp
auf das kleine Büchlein auf dem Schreibtisch, nebst Tintenfässchen und
Schreibfeder deutete.
„Jenes dort?“, deutete auch Morod, wodurch die Einstiche in seiner
Haut wieder auffielen.
„Genau das“, nahm der Vogt die Einstiche mit einem Stirnrunzeln zur
Kenntnis.
„Ah ja...selbstredend“
Morod griff nach der Liste und sah zur Schreibfeder. Kurz zögerte er
und fokussierte sie, bevor er auch nach ihr griff als fange er ein
Getier. Etwas verwirrt betrachtete der Vogt dieses Schauspiel.
Morod lächelte sogleich als er sie auch tatsächlich zu fassen bekam.
Leise kratzte die als harmlos überführte Feder über das Papier und
der Adept schien besonderen Wert auf eine geschwungene Federführung zu
legen, was selbstverständlich Zeit und Muse bedurfte. Mit Vorsicht
steckte er die Schreibfeder zurück, riskierte noch einen argwöhnischen
Blick auf diese und lächelte dann den Vogt wieder an. Bertrand de Goth
warf nun ebenfalls einen misstrauischen Blick auf die Feder, wenn er
auch offensichtlich nicht wusste, warum.
„Gut... gut ... das war der angenehme Teil“, fasste sich der Vogt
wieder.
„So, das Problem wäre demnach auch gelöst“
„Nun, kommen wir zu den Bürgerpflichten....“
„Ah...jene. Ich hörte von solchem schon. Mh mh”
„...welche Sie, Herr Askar, als guter Bürger und Dreiweidener sicher
kennen“
„Selbstfreilich“
„Hmm .hmm“
Diese Hmm’s des Vogts hatten wahrhaftig etwas unangenehmes. In ihnen
schwang eine Vibration mit, die Morod alles andere als wohl tat. Daher
versuchte er auch sogleich des Vogts Laune zu verbessern und nur die Götter
wussten, ob dieser die Wahrheit in Askars Augen erkannte, denn selbiger
kannte die Gesetze kaum.
„Ist es doch die Pflicht“
„Sehr gut“
Der Plan zur Anhebung der emotionalen Ebene schien aufzugehen.
„Gut, gut! Nun, als Studiosi des Konventes seid Ihr nicht waffenfähig,
nehme ich an?“
Sicherheitshalber lenkte er auf das Saftglas ab, welches er ergreift und
daran trank, wobei die Nase gefährlich dem Spiegel der Flüssigkeit
nahe kam, bevor er das Glas absetzte und den Kopf schüttelte.
„Nein, arkanes Wirken bedarf solch pragmatischer Utensilien nicht“,
antwortete der Adept bedeutungsschwer und die Augenbrauen unterstrichen
dies in gewohnter Art und Weise.
„Hmm hmm ... ein Wehrdienst in der Miliz kommt also ... nicht in
Frage“
Diese Art, die Worte und Sätze zu dehnen, konnte einen wahnsinnig
machen, fiel Morod auf. Ganz zu schweigen von den bereits erwähnten
Hmm’s.
„Gut, gut!“
Der Vogt fischte nach einem kleinen Blatt Papier, welches wohl eine
kleine Liste enthielt aber sich sonst Äußerlich kaum von den anderen
unterschied.
Erneut fokussierten Morods Augen die de Goths.
„...“, kurz verlor sich der Vogt in diesem Anblick bevor er nach
einem einfachen Kohlestift, anstatt einer richtigen Feder griff.
„Das schlägt sich natürlich in der Steuer nieder“, versuchte der
Vogt das Wort Steuer ganz geflissentlich an den Mann zu bringen.
„Ach ja?“
Morod beugte sich vor als gebe es dort einen Niederschlag zu beäugen.
Mit einer schwungvollen Geste strich de Goth den ersten Punkt auf der
Liste durch, während Morod sich, wieder aufrichtete, nachdem er mittels
ausreichender Phantasie aus der krakeligen Schrift das Wort milizfähig
erkannte, welches nun von einem deutlichem Strich verunschönert wurde.
Sowohl Morod als auch seine buschigen Augenbrauen quittierten jenen
Strich mit einem Lächeln.
„Nun, dafür wird man Euch wenigstens nicht zu Wehrübungen mit der
Miliz belästigen“
„Erfreulich, die Studien verplanen einem doch sehr die Zeit“
„Gut, gut! Ihr habt ein Dach über dem Kopf, sagtet Ihr?“
„Im Konvent. Dort ist man nah der Dinge die man braucht und kein
einfach Volk stört die Experimente“
Bertrand de Goth zog scharf die Luft ein.
„Bürger ... aber wohnhaft außerhalb“, notierte er und wog die Hand
leicht hin und her. Beängstigend, wie dieser Mann die Wort zu sprechen
vermochte.
„Ich wählte jenen Ort im Hinblick auf eine Gefährdung einfacher
Leute“, setzte Morod beschwichtigend und schmeichelnd nach. Diese
Dehnungen mussten enden.
„Hmm ... hmm“
„Man hat ja eine große Verantwortung im Umgang mit arkanen Kräften“
Der Stift kratzte kurz über das Papier und hinterließ einige Worte.
„Nicht wahr?“
„Nun, gut dass Ihr Euch diesem bewusst seid“, nickte der Vogt nur
sacht. Wirklich ein harter Brocken, befand Morod und machte ein geradezu
frommes Gesicht, wobei unklar war, ob die Augenbrauen dies untermalten
oder von diesem Abstand nahmen, indem sie sich leicht nach oben gerundet
über den Augen platzierten.
„So, Ihr geht außerhalb Eurer Studien einem Beruf nach, Herr Askar?“
Der Mann stellte viel zu gewissenhaft unangenehme Fragen.
„Beruf...äh...das kann man kaum so nennen. Die Berufung ist das
Studium arkaner Mächte und mit ein wenig Alchemie finanziere ich die sündhaft
teuren Utensilien, Bücher und Materialien“
“Alchemie ... ahja ...”
Dem Versuch das Herz dieses Bürokraten zu erweichen musste ein weiterer
folgen.
„Manchen Mondes bleibt kaum genug für mehr als Brot und Käse über“
„Ich hörte schon, dass sich mit solchen Dingen wahrlich gute Preise
erzielen lassen“, setzte er den Stift in einer neuen Spalte an und ließ
ihn wieder über die Seite wandern, eine kleine schwarze Spur
hinterlassend. Der Mann war eindeutig auf Gold aus. Solche Zeitgenossen
roch Morod schon hundert Schritt gegen den Wind.
„Sofern man Meister dieser Kunst ist vielleicht, doch erscheint mir
die Alchemie doch recht profan und den Geist wenig fordernd“
„...“
„Wie gesagt, meine ganze Kraft versuche ich dem Studium zu widmen“,
beugte er sich wieder etwas vor und sein Blick, wie auch die Augenbrauen
versuchten vom Geschreibe etwas zu erhaschen, doch erkannte er nicht
viel mehr, als seine eigenen Aussagen in kurzer Form.
„Aber allein von Wissen lässt es sich nicht leben, oder...?“, lächelte
es dem Adepten schief entgegen als der Vogt wieder von seinem Block
aufblickte.
„Nein. Ich bin leider gezwungen hin und wieder...“
„...“
„...äh...ein paar einfache Mixturen anzufertigen und zu verkaufen für
Miete und Essen...äh...“
Sowohl, wohnt außerhalb des Lehens, als auch Alchemist entzifferte
Morod.
„Laboratoriumsgehilfe....“
Links davon standen einige scheinbar unzusammenhängende Zahlenreihen.
„...trifft es eher, werter Vogt“
„Wie bitte...?“
Morod deutete mit dem Finger auf das Wort Alchemist. Bertrand de Goth
sah auf.
„Hmm .. hmm“
„Dort...der Alchemist“, das Hmm des Vogts griff seine Nerven an,
„dies steht mir nicht an“
„Oh, keine Sorge ... es geht nur um die ungefähre Sparte. Wir nehmen
keine Bewertung der Fähigkeiten vor“
“Ah”, entwich Morod Erkenntnis.
„So etwas maß ich mir nicht an“
„Selbstfreilich“
Kein Wort glaubte er ihm. Vor ihm saß ein Blutsauger, keine Frage.
„Nun ... Ihr habt die entsprechenden Papiere bei Euch?“
„Selbstredend“, holte Morod aus seiner Westentasche das sorgfältig
gefaltete Papier hervor und reichte es hinüber. Bertrand de Goth rückte
ein wenig näher an den Tisch heran, wohl um dieses Papier in Empfang
nehmen zu können. Dem aufmerksamen Beobachter mochte der Geruch von
Schwefel, wie auch ein kleiner Fleck in schmutzigem Gelbton auffallen,
der dem Papier anhaftete.
Bertrand de Goth nahm es vorsichtig an und entfaltet es ebenso mit
Bedacht als könnte es jeden Augenblick explodieren.
„Hmnja ... Hmm ... hmm“, überflog er das ausgefüllte Blatt, dem
Blick mit dem Finger folgend und betrachtete dann die Spalte namens
Ungefährer Wochenverdienst, um dort hundertfünfzig bis zweihundert
vorzufinden.
Ein geradezu abstoßender Pedant war er.
„Erwähnte ich bereits die mögliche Weissagung?“, lenkte Morod ab
von all dem.
„Hmm ... ja ... ich glaube schon“
„Ihr hegt Interesse an einer solchen?“
Mit einem Stirnrunzeln nahm der Vogt jene Eintragung zur Kenntnis. Kaum loszureißen
war er von diesem doch nun wirklich unwichtigen Eintrag. Morods
Augenbrauen wie auch seine Mimik luden zur Antwort ein.
„Oh ... hier muss Euch ein Fehler unterlaufen sein ...“, tippte,
wohl der letzten Frage nicht mit voller Geisteskraft folge leistend, der
Vogt auf die Stelle.
„So?”, wurde Morod überrascht und wieder beugten sich er und seine
Augenbrauen vor.
„Hier fehlt eine Null! Aber das haben wir gleich...“, hielt er den
Kohlestift wie zur Korrektur schon in der Hand.
„Wirklich? Darf ich?“, erhob er sch und schaute.
„Hum? Aber sicher ...“
Der Vogt legte das Blatt wieder auf den Tisch, so dass beide es lesen
konnten, einer natürlich falsch herum - in diesem Falle Morod.
„....ja“, nickte Morod, „das ist zutreffend“
„Ahh ... ich ...hmm ... verstehe“
Der Geldsack verstand nichts. Das erkannte ein Blinder am Gehstock und
daher bedurfte es einer Verdeutlichung.
„Wie sagte mein Lehrmeister immer, Morod, Lehrjahre sind keine
Herrenjahre. Ja, ja, der gute alte Lehrmeister. Wie recht er doch
hatte“
„Nun, einhundert bis einhundertundfünfzig, ja? Hmm ... hmm“
„Hundertfünfzig bis Zweihundert, um genau zu sein“, erklang es
hilfsbereit.
„Darf ich fragen ... hmm ... von welcher ... hmm ... Währung wir in
diesem Fall reden?“
Bertrand de Goth kratzte sich mit
der freien Hand am Bart.
„Hiesige Währung, werter Herr Vogt“
Des Vogts Blick starrte noch immer die Zahl nieder.
„In der ... Woche, ja? Nicht ... am Tag. Nur ... damit keine
Missverständnisse aufkommen“, versuchte er es beiläufig klingen zu
lassen.
„Wobei ich auch schlechtere Wochen erlebe. In der Woche, ja. Man
findet mich selten im Labor, wie gesagt, nur, wenn der Hunger und die
Miete es verlangen. Ich studiere die arkanen Künste und das geschieht
weniger in solch Hexenküche“
„Nun, Herr Askar ... und man hat Euch damals nicht darauf hingewiesen
...“, jetzt kam gewisslich wieder eine solche
Steuereintreiberteufelei, „... dass eine Bürgerschaft durchaus ein ..
hmm ... teures Gut ist?“
Hatte er es doch gewusst. Morod gab dem Vogt im Geheimen einige wenig
schmeichelnde Kosenamen.
„In dieser von euch gewhlten Umschreibung? Äh...nein. Man sagte mir
vielmehr, also, jener Offizier damals...Männer mit arkanem Wissen
wären von Bedeutung für das Land und in der Not eine unschätzbare
Hilfe“
„Offizier, hmm?“, Bertrand de Goth nickte nur sacht. Dann wuchsen
seine Augen regelrecht, „Ein Offizier, ja? Sagte... diese Worte?“
Morod nickte seinerseits, das Gesagte unterschreibend. Dies ständige
Nachgefrage war Zeugnis schlechter Erziehung.
„Und er sagte ... Bedeutung ... nicht Bedroh ...?“, winkte der Vogt
dann jedoch schnell ab, „Lassen wir das!“
„Wie meinen?“, hüpften die Augenbrauen wieder empor.
„Ach, ich wollte nur gerade nachforschen, welcher Offizier das wohl
...gewesen sein könnte, aber dies ist ja eigentlich ...nicht mehr von
Belang“
„Wenn ihr das sagt“
Gab er wirklich endlich Ruhe?
„Ich sehe hier allerdings ein Problem ...“
„So?” Überraschung in der Stimme Morods erklang und bedrohlich
schwangen die Augenbrauen einander zu.
Woran lag es nur, dass er dies Problem vorab hatte nahen spüren.
„Immerhin würde Euch die Bürgerschaft unter den gegebenen
Umständen...hmm ...hmm ... eintausendfünfhundert Goldstücke im Monat
kosten.
“Oh!”, gerieten die Augenbrauen in stetige Unruhe. Dieser Mann war
ein hinterhältiger Wegelagerer in Uniform.
Der Kohlestift kratzte die entsprechende Zahl auf das Papier.
„Äh...dieser Betrag ist aber immens, werter Herr Vogt. Seid ihr
sicher, dass ihr nicht den Satz für Erzmagier erwischt habt?“
„ Sicher ... für jemanden mit Euren Verdiensten. Nein, nein ... das
liegt sogar unter dem Satz für einen normalen Tischlerlehrling“,
getraute sich dieser Beutelschneider zu erläutern.
„Tatsächlich? Aha”
„Ihr versteht meine Überraschung, dass Euch niemand auf den Preis
einer solchen Bürgerschaft hingewiesen hat? Eine böse Verfehlung!“
„Aha“
„...“
„Der Baron sprach damals von Verständnis für die Mittellosigkeit
studierender Adepten“
„So...?“
Morod nickte. Etwas Hoffnung keimte in seinem Gesicht auf.
„Nun, ich werde ihn natürlich bei Gelegenheit mal darauf ansprechen
...“
“Ah”
„...vielleicht hatte er ja irgendein Programm zur Förderung geplant
...welches ich nicht mitbekam“
Gern hätte er ihn gewürgt.
„Also, jenen Betrag...den ihr da nanntet, besagte Fünfzehnhundert um
genau zu sein...Ihr seht mich verzweifelt, werter Herr Vogt“
„Diesen ... Minimalbetrag, ja! Nun, ich will Euch ungern unter dem
Satz eines Stallburschen einplanen. Das wäre doch schon sehr ... hmm ..
.extrem“
Diesem Dämon der Steuer machte es Freude seine Opfer zu quälen. Keinen
Zweifel hegte Morod länger darüber. Es bedurfte eines Einfalls.
„Vielleicht könnte ich einen Teil des besagten Betrages anderweitig
bei euch abgelten? Mit einer Weissagung einmal im Mond oder einfachen,
arkanen Gehfälligkeiten harmloser Natur? Ich muss gestehen,
Fünfzehnhundert sah ich noch nie auf einem Haufen.“
„Gefälligkeiten ... harmloser Natur? Wie muss ich mir das ...
vorstellen?“
„Äh...nun, Untersuchung einer Substanz auf arkane Kräfte oder
dergleichen....oder auch andere, noch harmlosere Zauber“
„Zauber, hmm?“
„Reinigung von Trinkwasser oder Nahrung. Sicher wird ein Mann von
eurem Amte auch Anschläge mittels Septika fürchten“
„Mithilfe eines Zaubers ...?“
“Äh…”
Der Vogt war zur Taktik der Begriffsstutzigkeit übergegangen, doch
Morod gedachte ihn nicht in dieser Rolle aufgehen zu lassen.
„Solches! Bet Flam!“, intonierte Morod eine arkane Formel und er
deutete auf die Kerze, die folgsam eine Flamme aufwies.
Bertrand de Goth betrachtete die Kerze einen Moment lang verblüfft.
“An Flam!”
Morods Hand strich durch die Luft und die Kerze erlosch.
Den Vogt schien dieser einfache kleine Zauber durchaus zu faszinieren.
„Einfache Magie, werter Herr Vogt, doch durchaus nützlich“
„ Mmm ... seid nur ... bitte Vorsichtig mit dem ganzen Papier hier.
Und ... hmm ... ungefährlich?“
„Selbstredend“
Er hatte ihn am symbolischen Kragen und gedachte nicht wieder
loszulassen.
„Vorausgesetzt...“, Morod und die Augenbrauen betonten die folgenden
Worte, „unterwiesenes Personal tätigt solch Zauber“
„Nun ... unterwiesenes ... Personal ...“, wiederholte de Goth
langsam.
Morod straffte sich indes etwas, um auf sich im Hinblick auf das
genannte unterwiesenes Personal hinzudeuten.
„Als Adeptus des Konventes ... kann man Euch hinzurechnen, nehme ich
an?“
„Der ich bin, durchaus, ja!“, nickte Morod, „eingetragener Adeptus
des Konventes, ja“
„Nun, so Ihr einen Zauber kennt, der mir sonst nützlich sein kann
...“
„hmmm“
„Vielleicht einen der Schreibkram erledigt ...“, begann der Vogt
eine Aufzählung, die ihm in den Sinn kam.
„Wie?“, Morod schaute erschrocken. Zu frisch war noch das Erlebnis
mit der Schreibfeder und auch die Stiche, die er dabei davontrug.
„Jene Zauber sind sehr kompliziert, werter Herr Vogt und selbst
fähigste Kapazitäten kämpfen derzeit noch mit den Komplikationen“
wehrte der Adept beschwichtigend ab und fast schien sein Blick Entsetzen
ob der Erwartung von belebten Schreibfedern aufzuweisen, wie auch ein
Blick zu selbiger untermauerte.
„Hmm ... nun gut, experimentelle Zauberei ... das lassen wir lieber.
Falls sich da mal etwas ... entwickelt, werdet Ihr mich sicher
informieren, hmm?“, sah er zu einem der höheren Papierstapel.
„hmm. Wie wäre ein Siegel auf wichtigen Schreiben welches sicher die
Botschaft verschließt?“
Gewissenhaft ließ er unerwähnt, dass er bisher den Öffnungszauber
für solch verschlossene Schreiben nicht zu Stande gebracht hatte.
Wichtig war nur, den Vogt von der Idee belebter Schreibfedern
abzubringen.
„Nun ... wenn es die Botschaft sicher verschließt ...wie bekäme der
Empfänger die Botschaft denn gelesen?“
„Äh, das ist kein Problem“, Morod transpierierte, „Man muss nur
....man muss nur..“
Bertrand de Goth hörte interessiert zu.
„ähm...ein Schlüsselwort...ja, genau....ein Schlüsselwort in jenem
Siegel einbinden“, kam die rettende Idee.
„Ein Schlüsselwort?“
„Ja.....Für eine Tür nutzt ihr einen Schlüssel und ebenso einen
Schlüssel für solch Siegel“, seine Genialität war herausfordernd,
„symbolisch mit einem Wort, ihr versteht?“
„Hmm ... und der Schlüssel ... ist ein Wort ...“
„Eben dies!, nickte Morod eilig und betete zu den Göttern, dass der
Vogt sich doch nicht ganz so schwerlich von Begriff gab, doch dieser
hinkte wohl etwas hinterher, jedoch angestrengt versucht aufzuholen.
„Und ohne dieses Wort öffnet sich das Siegel nicht?“
„So der Zauber fachgerecht gewirkt und die Materialien die richtigen
sind, nein!“
Bertrand de Goths Blick verriet, dass ihm die Voraussetzungen nicht
entgangen zu sein schienen.
„Hmmm ... hmmm. Und ... ich wüsste das Wort? Es wäre also nicht ...
"irgendein" Wort?“
„Selbstredend...sofern der Magus euch dieses nennt, was wohl
Voraussetzung dabei wäre, nicht?“
„Ich will nur sicher gehen ... das wäre ja recht fatal....ja,
sinnigerweise schon ...“, nickte der Vogt sacht.
„Eben“, nickte nun Morod und seine Augenbrauen ebenso.
„Wobei ein Wort wie ... "und" vielleicht nicht allzu sicher
wäre ...“
„Weniger...ja“, begann das Laientum des Vogts ein wenig zu
langweilen und Morod wechselte über zu wissender Ausstrahlung.
De Goth schien derweil an diesem Gedanken herumzuspinnen. Morod war
zufrieden mit der jüngsten Entwicklung des Gespräches.
„Hmm ... nun, auf einen Versuch käme es an. Allerdings müsste man
das Papier vorbehandeln ...“
„Weniger das Papier, eher das Siegelwachs“, führte der Adept an und
lächelte etwas milde.
„Ahja ... das Wachs. Gut, gut ...Nun, wenn Ihr mich damit beliefern
könntet und Euer .... Fachwissen ...der Vogtei auf Abruf bereitstellen
würdet ...“
„Äh...beliefern...ihr meint mit Siegelwachs?“
„Nun, mit diesem besonderen, verzauberten ... oder wie auch immer Ihr
es nennt ...Siegelwachs. Ja genau.“
Der Genius Morods witterte plötzlich die Chance auf erheblich
niedrigere Steuern.
„Nun...das hat natürlich einiges an Kosten“, stülpte er die Lippen
vor und grübelt vielsagend.
„Die Materialien, ihr versteht? Das Wachs ist kein gewöhnliches
Wachs“
„Nun, wie gesagt ... ein solcher Dienst würde sich natürlich
entsprechend niederschlagen. Wir suchten ja von vornherein ... eine
Möglichkeit zur Steuersenkung“
„Ja...das taten wir“
Der Vogt war da, wo Morod ihn wollte.
„Hmmm....Also billig ist solch Briefverkehr keineswegs. Man bedarf
recht mühsam zu beschaffender Paraphenalia, ihr versteht....?“
„Nun, es soll auch nicht regelmäßig vonstatten gehen ...“
„Allein die Wachstangen“, theatralisierte der Adept.
„Para ... per ...“, man sah förmlich, wie der Vogt arbeitete.
„Gefertigt aus Kerzen, die bei Vollmond auf einem Friedhof
erloschen“, erfand Morod, der allmählich Spaß an der Sache fand.
„Zutaten, hmm?“
„Materialien!“, warf Morod lapidar ein.
„Friedhofskerzen ...“
„Nein, Kerzen auf einem Friedhof erloschen, werter Herr Vogt. Bei
Vollmond, um genau zu sein. Sicherer wäre natürlich Wachs, welches mit
dem Sekret der Schließmuschel versehen wurde, doch ist das nahezu
unbezahlbar“
„Schlie ... muschel“
„Eben diese“
De Goth nickte wie jemand, der den Faden dem er folgen wollte am
Horizont verschwinden sah, während Morod zu den Göttern betete, dass
es besagte Muschel nirgends zu finden gab.
„Aber verlasst euch da nur auf mich!“, setzte Morod nach, „
allerdings, wie gesagt, solch Botschaften sind recht teuer, wobei ich im
Gegenzug zur Steuer gern dafür auf meine Entlohnung verzichten würde,
auch wenn ich dabei drauflegte. Doch liegt mir an diesem Land und der
Sicherheit eurer wichtigen Schreiben“
Morod lächelte und der Vogt erreichte langsam wieder trockenes Land.
„So teuer also ... hmm ... hmm ...“
„Selbstverständlich wäre mein Wirken selbst kostenfrei, werter Herr
Vogt. Diskretion mit einbegriffen!“
„Nun, dann müssen wir es halt recht selten einsetzen ...“
„Selbstredend“
„Ich will ich Euch schließlich nicht ruinieren. Und Ihr gebt mir die
Garantie, dass dies funktioniert?“
„ Ich bitte euch! Ich bin Morod Askar, Adept des Konvents, Studiosus
der arkanen Mächte und Bezwinger zweier Räuber!“
„Keine ... hmm .. explodierenden oder beißenden Briefe?“, nachdem
er jeden der genannten Titel seitens des Adepten abgenickt hatte.
„Mein Wort darauf, werter Herr Vogt!“, bestätigte Morod, völlig
berauscht von seiner scheinbaren Überlegenheit.
„Gut, gut ...“
„Meine Zauber, so ich sie wirke, haben stets Wirkung, werter Herr
Vogt“, log er in diesem Satz nicht einmal.
„Nun, Ihr meintet sicher ... die gewünsch...“, brach der Vogt den
Satzfluss und winkte ab.
„Äh...durchaus...selbstredend“, wies er zur Erinnerung auf die
Kerze als würde dies alle Zweifel in Nichts auflösen. Ein Hauch von
Schweiß benetzte die Haut Morods.
„Gut, gut! Hmm ... nun, wenn Ihr Eure Dienste zur Verfügung stellt
... ebenso regelmäßig ...Wachs ...müsste man Eure Steuern ...“,
sinnierte der Vogt in erfreuliche Richtung.
„Wie gesagt, ich berechne euch nichts weiter, sofern ihr jenen Betrag
dort streichen würdet“
Bertrand de Goth griff wieder nach dem Kohlestift und begann auf dem
Papier herumzukrakeln, strich etwas durch, schrieb einige weitere Zahlen
daneben.
„Und ich kümmere mich um alles. Natürlich kann ich das Wachs nur bei
Bedarf liefern, da es nicht lange zu lagern ist“
„Hmhn....streichen?“, erfragte der Vogt verspätet und sah etwas
verwirrt auf. Die Worte "Summe streichen" schienen nervöse
Zuckungen seiner linken Braue hervorzurufen.
„Die Kosten, werter Herr Vogt. Ich nehme an ein anderer Adept oder
Magus würde euch horrende Summen berechnen für solch Gefälligkeit.
Bedenkt jedoch den Wert einer Botschaft die kein Strauchdieb zu öffnen
vermochte“
„Hmm ... wohl wahr ...“
Morod wusste selbstverständlich, dass ja nur das Siegel nicht zu
öffnen wäre, das Papier an anderer Stelle jedoch schon. Dies war aber
nie thematisiert worden und er gedachte nicht dies nachzuholen, zumal
der Vogt an dieser Stelle auch nicht mehr auf diese Idee zu kommen
drohte.
„Ich denke, selbst euer Lehnsherr würde solch Verdienst, also euren
Einfall mit Lob bemessen. Selbstredend stelle ich euch jenen Einfall
frei zur Verfügung“, schmeichelte er.
„Hmm ... hmm ... klingt gut“
„Nicht wahr?“, lächelte der Adept.
„Obwohl ... so wenig Wachs wie zur Verfügung steht ...nun, man wird
sehen.“
„Ebenso kann ich von Euch Beratung in Magisch-akademischen Dingen
erwarten?“
„Oh!”, schaute Morod verzückt und die Augenbrauen hopsten nach
oben.
„Selbstredend! Und ich mache euch wahre Freundschaftspreise, da ihr
Weitblick und Güte zeigt. Nur zu gern käme ich solchem nach, statt
dieser leidigen Alchemie meine Kleidu.... ich meine, Zeit zu widmen“
„Oh! Ich glaube, davon sollten wir besser absehen, denn ... nun, ich
sehe hier folgendes Problem ...“
“Oh! Noch eines?”
„...sollte ich Euch dafür bezahlen habt Ihr natürlich wieder
Einkommen, womit Ihr, „der Stift tappste eine Zeile weiter, „in
diese höhere Steuerklasse hier fallen würdet, was Euren Steuersatz ...uhm
... fast verdoppeln würde“
„Hmm, ich verstehe. Das ist freilich ein zu bedenkender Faktor“
Der Kerl begann wieder unangenehm lästig zu werden.
„Darf ich fragen welchen Teil ihr vom Einkommen als Steuer
berechnet?“
„Oh, nicht nur ein Teil des Einkommens. Unter anderem das Vermögen,
ehemalige Dienste für das Lehen, viele Faktoren“
“Ahja”, resignierte Morod etwas und die Augenbrauen erschlafften.
„Ich will Euch nicht mit Berechnungen langweilen“
„Ihr seid gütig“, schmeichelte der Adept ohne rechte Freude.
„Ich bin sicher, Eure Studien sind schwer genug als dass Ihr Euch mit
solch einfachen Zahlenspielen belasten wollt“, stach der Vogt nach.
Morod bedurfte nun eines kräftigen Schluck Saftes, gleichwohl er
Himbeere nicht ausstehen konnte. Er lächelte gequält.
„Ihr erwägt also meine kostenlosen Dienste? Besser gesagt eine
Verrechnung selbiger?“
„Oh, ich würde darum bitten, auch im Sinne Eurer ... hmm ...
Bürgerpflichten. Ich würde es als freiwilligen Milizdienst
anrechnen“
„Die Bürgerpfli...natürlich....verstehe“
„Damit könnten wir das Konto vielleicht wirklich ausgleichen“
„Milizdienst? Äh...“, deutete er, „Jener war bereits gestrichen,
werter Herr Vogt“
„Sicher, es ginge auch nur in die Berechnung mit ein“
Diese Schlange von einem Steuermonstrum huschte es durch Morods
Gedanken.
„Nun gut“
„Ihr müsstet natürlich nicht die Pflichten der Miliz erfüllen. Es
ist nur eine helfende ... hmm ... Analogie“
„Aber für Materialien, so diese dann anfielen, müsstet ihr schon
aufkommen, da ich ja kein Einkommen hätte“, trumpfte Morod wieder
auf.
„Oh! So es um etwas größeres geht ... einfache Beratung jedoch
sollte keine größeren Anforderungen stellen.“
„Äh...selbstredend, ja“, hmpfte er leise.
„Sicher werden Euch die Fragen einiger Laien eher langweilen als
wirklich fordern“
„Wäre dann soweit alles geklärt?“
Morod litt seit einigen Momenten unter Kopfschmerz.
„Nun, wir kommen demnach auf eine Summe von ...“
„Ja?“
Der Vogt strich eine Zahl weg, schrieb eine hinzu, strich das ganze
durch (Morod beugte sich Schlimmstes ahnend vor und die Augenbrauen
strebten empor), strich es noch mal durch, machte ein Sternchen am Rande
und man konnte langsam den gedanken hegen, sein Tun wäre reine
Beschäftigungstherapie.
„Ahja. Fünfzig Goldstücke im Monat“
„hmmmm“
„Dieser Restbetrag lässt sich leider nicht tilgen, aber falls einmal
Materialien benötigt werden, kann man ihn in die Berechnung
miteinbeziehen“
Morod schaute als hätte der Vogt Fünftausend gesagt und wog den Kopf.
Jene erfreuliche Rechnerei des Steuereinreibers durfte nicht durch allzu
fröhliche Reaktion Argwohn in ihm heraufbeschwören.
“Mh mh. In Anbetracht der Umstände, verglichen mit den Tatsachen und
den Notwendigkeiten folgend, erachte ich dies Opfer als tragbar“,
nickte er, wie auch die Augenbrauen durch kurzes empor hüpfen und
niedergehen.
„Gut, sollten sich Eure Verhältnisse ändern müsstet Ihr Euch
natürlich hier noch mal melden“
„Selbstredend“ wobei er dies bereits jetzt sehr kritisch zu bedenken
beschloss.
„Ahja ... den ersten Monat im Voraus“, wies der Vogt mit dem
Kohlestift auf die kleine Kassette. Die Geste hatte etwas unangenehm
bestimmendes.
„Sogleich?“
„Und ... wenn ich mich nicht irre ... der letzte Monat müsste auch
noch gezahlt werden“
„Jener auch?“, fragte er nach, gleichwohl er das beängstigende
Gefühl hatte, dass jede nachfrage etwas weiteres, unerwünschtes zur
Folge hatte.
„Das wären dann?“, wendete er sich etwas und griff zum Geldbeutel.
„Und da Ihr in diesem noch nicht die Dienste freigabt wäre das
natürlich die volle Summe von eintausendfünfhundert“
Morod fokussierte de Goths Augen beschwörerisch.
„Goldstücken hiesiger Währung“, mühte sich der Vogt betont
beiläufig zu klingen, wohingegen seine Augen versuchten die absolut
unsinnige, niedergeschriebene Formel vor sich Niederzustarren, als
würde er rechnen.
Dieser Schakal kam es dem Adepten in den Sinn.
„Ihr setzt dabei aber Einkommen voraus, welches ich nicht hatte“
„...“
„Ich konnte euch ja keinerlei Rechnung stellen, da ihr noch keinen
Dienst erwünschtet“
„Oh, nein, nein! Das Einkommen ist nur ein hilfreiches Beiwerk, das
die Berechnung erleichtert. Keineswegs Voraussetzung“
„Jene besagten Eintausendfünfhundert setzen jedoch voraus, dass ich
Einkommen gehabt hätte, welches wiederum nicht den Tatsachen entspricht
und zudem in Konkurrenz zur Wahrhaftigkeit der Vergangenheit steht“,
beharrte Morod.
„Nein , natürlich nicht“, schien der Vogt verachtenswert
schockiert. Diese Schlange des Finanzdschungels versprühte gerade mit
Leidenschaft und Genuss ihr Gilft.
„Wir haben einige reiche Lehenbürger ohne festes Einkommen.
Natürlich zahlen die trotz allem Steuern. Die Bürgerrechte sind ein
wahrlich hohes Gut“, versicherte der Goldsack de Goth.
„Mhmm, lasst mich nachrechnen“
„Man bekommt sie nicht geschenkt“
„Ihr sagtet also letzten Monat und diesen, richtig?“
„Die Unterlagen über die Vormonate habe ich gerade nicht hier liegen,
aber ich werde mich natürlich noch kundig machen“
Bertrand de Goth lächelte dabei ein freundliches, hilfsbereites
Lächeln.
Morod rechnete indes angestrengt und erhielt nebenbei Besuch von einem
neuen Einfall, mit dem er diesen goldgierigen Kerl an der Nase
herumzuführen gedachte.
„Also da waren die Bücher, die Materialien, der Mörser für die
Reise, ein Umhang mit notwendigen Taschen...ach ja und nicht zu
vergessen, die Kosten für Papier. Dem gegenüber standen die Einkünfte
aus milden Antiseptika und leichten Trünken zur Förderung geweblicher
Heilung.“
Morods Augenbrauen vollführten einen aufgeregten Tanz, während er
rechnete. Der Vogt lauschte aufmerksam.
„Ah, jetzt hab ich es! Demnach beliefen sich meine Einkünfte im
letzten Mond auf etwas minus dreihundertfünfzig Goldlinge und diesen
auf weitere minus fünfzig, was soweit ich mich nicht irre, summa
summarum minus vierhundert macht, richtig?“
„Stimmt soweit“
Morod nickte sich bestätigt fühlend und holte zum vernichtenden Schlag
aus.
„Wie hoch ist die Steuer für minus vierhundert?“, erkundigte er
sich siegessicher.
„Eintausendfünfhundert Goldstücke im Monat“, erwiderte der Vogt
trocken und lächelte dabei hintergründig.
„Äh...ihr seid sicher?“
„Ihr erinnert Euch ... der Minimalsatz“
„Ach, jener. Mh mh“
„Drunter geht nicht mehr“, versicherte de Goth, dem um den Sieg
beraubten Morod, der nur gedankenschwer zu Nicken vermochte.
„Könnte man das vielleicht mit zukünftigen Diensten verrechnen?“
„Außer Ihr verpflichtet Euch einen Monat im Jahr der Miliz.“
„Nun gut! Da fällt mir ein“, und tatsächlich hatte Morod einen
erneuten Einfall in seiner Not, denn der Blick in den Goldbeutel bewies,
dass dort keine Summe, wie gefordert herauszuholen war, „jene
Eintausendfünfhundert zahle ich selbstredend und stelle euch anbei eine
Beratung in arkan gesicherter Versiegelung wichtiger Botschaften und
Vorführung einfacher Zauberei in Rechnung“
„Hmm...?“
Morod rechnete wieder mit Blick auf die Kerze.
„Der bliche Satz für die Demonstration eines Bet Flam und An Flam
beläuft sich auf je fünfzig Goldlinge, summa summarum Einhundert,
sowie der arkanen Beratung von Dreihundert, macht summa summarum
Fünfhundert. Folglich schulde ich euch tausend Goldlinge, richtig?“
„Das ist insoweit fast richtig ...“
„Da unsere Absprache ja erst für kommende Monde gilt, so war eure
Rede“
Warum nur beunruhigte Morod der Gesichtsausdruck des Vogtes?
„... da diese Summe aber wieder als Einkommen gelten würde ...“
„Nicht? Das weit unter der Steuer liegt und nicht mal diese aufwiegt,
möchte ich bemerken, denn ihr müsst mir ja auch Einkommen lassen, um
überhaupt die Steuer zahlen zu können. Seht ihr?“
Morod zeigte auf das Papier.
„Wenn ihr jegliches Einkommen stets neu addiert, so erhaltet ihr eine
Summe, die der Wahrhaftigkeit der gegebenen Tatsachen widerspricht und
ihr begeht einen beklagenswerten Irrtum steuerlicher Berechnung,
richtig?“, bemühte sich der Adept mit Engelszungen.
„Gut ... das stimmt wohl“
Morod nickte entschieden.
„Dem entgegen stehen allerdings ...“
„Ja?“, Morod wurde ein wenig blasser.
„...die Kosten einer Beratung in Steuerfragen...“
„Beratung in Steuerfragen?“
„...die Materialkosten einer offiziellen Bürgerschaftsurkunde, Tinte,
Papier ..“
„Der Saft war natürlich auf Kosten der Vogtei“
„Äh ich besitze die Urkunde doch schon“, ein schwacher Versuch des
Aufbegehrens.
„Oh, aber nur eine vorläufige. Einen Moment ... wo habe ich ...“
De Goth sah zu einem Stapel zu seiner linken wo sich noch ein kleiner
Stapel der beschaulichen Ordnung dem allgemeinen Chaos entgegensetzte.
Morods Genius arbeitete auf Höchsttouren. Er gab jede Hoffnung auf, den
Vogt noch herunterhandeln zu können. Allerdings führte er keine
Fünfzehnhundert Goldstücke mit sich. Er bedurfte dringlichst einer
Lösung dieses Problems.
Der Vogt zog eines der Exemplare aus dem Stapel und griff zur Feder,
verzierte dieses mit einer entsprechenden Unterschrift und den richtigen
Fakten an den richtigen Stellen.
Morod griff sein Gold murmelte ein In Uus Quas. Die Formel für einen
Illusionszauber, den er einmal aufgeschnappt hatte. Dieser, so hoffte er
für den Vogt die Illusion schuf, statt der ausgehändigten
Siebenhundertundfünfzig Goldstücke die doppelte Menge zu erblicken.
Die eine Hälfte der Münzen, also die hoffentlich für den Vogt
sichtbare und damit real wirkende Illusion, war matter im Glanz. Morod
war aufgeregt. Sicher hatte er die Intonierung der Worte nicht gänzlich
korrekt durchgeführt, was auf die Notwendigkeit des Flüsterns
zurückzuführen, doch in Anbetracht der Situation keineswegs
begrüßenswert war.
De Goth drückte das Siegel auf die Urkunde und schob diese dann
zusammengerollt über den Tisch.
„Eintausendfünfhundert dann also...“
„Ja?“, schob er das Gold rüber zu de Goth.
„Ja, genau!“
Argwöhnisch beäugten Morod und seine Augenbrauen Bertrand de Goth, um
festzustellen, ob dieser den Zauber durchschaute. Der Vogt musterte die
Münzen, zählte diese ab. Es schien vorerst absolut nichts zu passieren
und Morod transpirierte inzwischen so stark, dass er seines Tuches
bedurfte, welches die buschigen Augenbrauen durch Wischen über die
Stirn erschreckte. Gesagt sei auch, dass die Wirkung dieser Illusion, so
sie denn wirkte, nur etwa ein viertel Stundenglas anhalten würde.
Nacheinander wanderten die echten Münzen in einen kleinen Lederbeutel
und neigten sich dem Ende zu. Die Hände de Goths begannen ins Leere zu
greifen und gewissenhaft dieses Nichts zu zählen und die nicht
existenten Münzen mit prüfendem Blick in den Beutel zu werfen.
Morod atmete auf und lächelte angestrengt.
Der Vogt endete und griff dann zu einem kleinen Zettel, schrieb auf
diesen, Morod Askar, 9. Mond, 1.500, um ihn dann einer kleinen Klammer
deutlich sichtbar an den Beutel zu heften.
„Äh, es ist alles in Ordnung?“, versicherte sich der Adept.
„Nun, fehlen noch die fünfzig für diesen Monat“, nickte der Vogt.
“Oh!”
„Dann haben wir es beisammen“
„Die Fünfzig, natürlich“
Morod suchte im Beutelchen.
„Ich konnte nur eintausendfünfhundert abzählen“
„Verzeiht“, atmete Morod endgültig auf. Der Vogt nickte nur
wohlwollend.
„Meine Aufreg....., äh...ich meinte, meine Müdigkeit“
Bertrand de Goth: schien kurz verwirrt. Vielleicht war dies aber auch
nur ein Nebeneffekt des Zaubers. Schnell schob Morod ihm die Münzen
hin, um des Vogts Denkprozess mittels glänzenden Münzen abzulenken.
„Fünfzig!“
Es gelang. De Goth begann zuverlässig wie ein zwergischer Apparat zu
zählen. Auch diese Münzen endeten in einem kleinen, markierten Beutel
mit Morods Namen, dem Monat und der Summe. Schnell steckte Morod seine
neuen Papiere ein.
„Gut, das wäre damit erledigt. Nun, da es spät geworden ist ...“
„Ja...ist es...und ich muss auch langsam...“, verspürte der Adept
das dringliche Bedürfnis alsbald aufzubrechen.
„Ich denke Ihr habt sicher auch noch andere Dinge vor ... Eure Studien
...“
„Eben diese....ja“, nochmals sah Morod zu besagtem Lederbeutel auf
dem deutlich "1500" geschrieben stand und für ihn wirkte
dieser irgendwie bedrohlich leer. Er betete nahezu umgehend, dass der
Tag, an dem in diesem Beutel nur siebenhundertfünfzig Münzen
aufgefunden werden würden, noch lange ausstand und zudem dann an seiner
Person vorbei gerätselt werden würde, wo denn die fehlenden Münzen
geblieben seien.
„Ich danke für den Saft, werter Herr Vogt und harre der Nachricht, so
ihr meine Dienste oder Siegel bedürft“
„Nun, jederzeit wieder, Herr Askar. Eines der Siegel möchte ich
direkt in Bestellung geben. Sobald Ihr also das Wachs habt, bringt es
her“
„Für wann?“, wischte er sich wieder mit dem Tuch.
„Ich gebe zu, ich bin nicht ganz frei von Neugier. So bald wie
möglich ... die Nachricht wartet so lange“
So schnell hatte der Adept nicht damit gerechnet, seinen Worten Taten
folgen lassen zu müssen. Dieser Besuch beim Vogt entpuppte sch als
persönlicher Alptraum.
„Äh...gut. Ich werde mich gleich morgen an die Beschaffung der
Materialien machen und mich mühen die Rechnung für diese so gering wie
möglich zu halten“
Den Teufel würde er tun!
„Sicher doch. Nun, die Götter mit Euch, Adeptus Askar“
„Ihr hört dann von mir“, sprach Morod, verschwieg aber, dass er
bereits abwog, ob sich genau dies vermeiden ließ.
Bertrand de Goth öffnete ihm dann sogar noch die Tür, rieb sich kurz
über die Schläfe.
„Und mit euch, werter Herr Vogt“, lächelte er nochmals so
unschuldig, wie er es vermochte. Einen Moment später fiel die Tür auch
schon hinter ihm zu und er murmelte zu sich.
„Verruchte Narretei....Siegel! Das wird was und wo war nur dies
Buch?“
Ernsthaft grübelnd ging Morod nach Hause, noch mit sich selbst im
Zweifel, ob dieser Besuch ein Erfolg war oder in einem traumatischen
Erlebnis enden konnte.
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