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Neue Wege - 3. Teil
Beinahe die ganze Nacht über
hatte er damit verbracht Zutaten für Trünke anzurühren, zu
zerstampfen, zu mischen oder anderweitig vorzubereiten. Rowan, ein recht
erfolgloser Alchemist, der hier in Weidenheim lebte und seine Waren
anbot, hatte bei der Aussicht auf fertiggestellte Antiseptika von Morod,
bereitwillig Phiolen und ein paar Gerätschaften herausgerückt. Über
eine Stunde musste Morod darauf verwenden, diese erst einmal zu
reinigen. Hätte man in diesen Gerätschaften etwas angerührt, gekocht
oder gar in die Phiolen abgefüllt ohne es zuvor gereinigt zu haben,
dann hätte sich wohl die Wirkung des Antiseptika bereits dadurch
aufgehoben. In den Gerätschaften, Kolben, Kühlröhrchen und solche
Dinge, wie auch den Phiolen hausten bereits genug Schmutz und Schimmel,
um eine ganze Stadt damit krank zu machen.
Rowan jedoch war sehr leicht zu bezirzen, stellte Morod fest. Er konnte
ihm ohne große Erklärungen Substanzen zum Reinigen und Hilfsmittel
entlocken. Dabei gelang es ihm auch, einige der Dinge in Augenschein zu
nehmen, die Rowan offenbar selbst hergestellt hatte. Danach bezweifelte
Morod, dass Rowan je eine wirkliche Ausbildung genossen hatte und
gedachte einige Momente jener, die wohl schon von den Mitteln zu sich
genommen hatten, die Rowan hier feilbot. Besondere Sauberkeit kannte
Rowan wohl nicht und nahm es auch keineswegs besonders genau damit. Auch
die Kräuter und Ingredienzien, die er nutzte, wie auch verkaufte, waren
nicht bester Qualität. Allein dies mochte hier und da die Wirkung eines
Trunkes in Frage stellen.
Morod jedenfalls hatte einiges mehr an Wissen und dies mochte besagter
Rowan auch rasch erkannt haben. Sicherlich ein oder sogar der Grund dafür,
dass er ihm entgegenkam, wohl weniger seine Nächstenliebe. Immerhin
sicherte Morod zu, er würde die hergestellten Antiseptika Rowan zu
einem Vorzugspreis überlassen. Zu diesem Zeitpunkt erahnte Morod noch
nicht, dass dies der Beginn einer langjährigen Geschäftsbeziehung
werden würde.
Die Alchemie war nicht Morods Leidenschaft. Er sah dies eher als nüchternes
Handwerk, Mittel zum Broterwerb und zur Finanzierung seines Studiums.
Dennoch führte er seine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen aus und
Mittel die er herstellte, wirkten sehr häufig auch und hatten nicht
selten eine ganz besondere Eigenheit. Morods Trünke hatten je nach
seiner Tageslaune einen besonderen Geschmack. Die Zugabe einer harmlosen
Zutat verlieh seinen Trünken charakteristische Geschmäcker. Die
Antiseptika, die er derzeit herstellte, würden unter Hinzugabe von
geriebenen Gewürznelken auch entsprechend strenges Aroma und Geschmack
haben. Ihre Wirkung minderte dies nicht, aber dafür vielleicht die Lust
jener, die es tranken, sich noch einmal irgendwo zu vergiften und dann
dies Mittelchen trinken zu müssen. Morods persönliche Maßnahmen zur
Umerziehung von unbelehrbaren Narren, allerdings auch dem alten Lehrsatz
des Volksmundes Rechnung tragend, dass das bitterste Heilmittel das
wirksamste sei. Letztendlich wollte ja auch er, dass man wieder bei ihm
kaufte.
Unbezweifelt überwog der Ertrag der Alchemie den seiner rein magischen
Möglichkeiten und die Nachfrage nach ersteren war im direkten Vergleich
auch weit höher. Eigentlich hatte er mit reiner Magie noch kein
einziges Goldstück verdient. Natürlich bedurfte es der Magie, um manch
Trunk mit Wirksamkeit zu versehen, doch sein wirkliches Ziel war es,
eines Tages einzig und allein mit seinen magischen Fähigkeiten zu
verdienen. Alchemie war einfach zu schmutzig und stank mitunter auch. Er
verabscheute es, sich zu beschmutzen und noch viel mehr stundenlang zu
reinigen, was bei den Ansätzen und Köcheleien verkrustete oder mit
schwer entfernbaren Rückständen über blieb. Hinzu kam, dass immer
wieder die Gefahr bestand, dass ein Kolben überkochte oder platzte und
die Schweinerei, nebst den umherfliegenden Glassplittern, einem jegliche
Freude an dieser Handwerkskunst zu rauben wusste. Produkte alchemischern
Handwerks wurden aber gut bezahlt und dies war der Grund, weshalb auch
Morod dies Handwerk ausübte. Irgendwie musste schließlich das Studium
der Magie finanziert werden.
Als er Rowan am späten Vormittag die abgefüllten Phiolen mit
Antiseptica brachte, war dieser auch hoch erfreut und im Verlauf des
folgenden Gesprächs einigten er und Morod sich darauf, dass die bereits
entliehenen Gerätschaften in dessen Besitz übergingen und auch zukünftig
Lieferungen erfolgen sollten. Rowan war keineswegs unrecht und so war
ihr Geschäftsabschluss fair und zu beider Nutzen. Morod bezahlte mit
den Antiseptica alles und erhielt sogar noch einen gewissen Betrag in
klingender Münze. Etwas, dass Morods Laune wieder erheblich steigerte.
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