< Rückwärts          Zurück          Vorwärts >

Neue Wege - 2. Teil

Seine ersten Probleme waren gelöst als er im Hafen von Calderah von Board stieg. Eigentlich schon als er das Schiff bestiegen hatte und dieses ablegte, denn Gläubiger und Sorgen mit Nachbarn blieben hinter ihm zurück.
Einzig der Umstand, dass er bis auf wenige Silbermünzen keinerlei Barschaft mehr besaß trübte diesen herrlich frischen Duft von Freiheit und dem ersehnten Gefühl nicht schwankenden Bodens unter seinen Füßen. Kaum, dass er wieder an Land war, führte sein Weg in die Hafenschenke, welche unübersehbar vor ihm lag. Angesichts der Börse, fiel das Mahl kläglich aus. Etwas Suppe mit Brot und ein Becher Wasser vermochten seine Laune arg zu schmälern, jedoch seinen Hunger, den er endlich wieder verspürte ohne dabei alles verzehrte wenig später den Fischen opfern zu müssen, vorerst zu stillen.
Während er aß, kam er mit einem Mitreisenden ins Gespräch, der ihm gleich hier eingekehrt war und, wie sich zu seinem Glück herausstellte, als einheimischer Handelsmann herausstellte. Zwar erwies sich jener Mann nicht als der Hellste im Kopfe, was nebenbei bemerkt auch erklärte, weshalb er solch längst erneuerungswürdige Bekleidung zur Schau trug, aber doch als die notwendige Hilfe, der ein Fremder bedurfte.
Er erfuhr von Calderah, Dreiweiden, in welchem dieser Hafen lag und auch noch ein paar andere Dinge, die sicher gut zu wissen waren. So auch von Bürgerschaften und Weidenheim, was sich einige Zeit später noch als glücklicher Umstand erweisen sollte.
Morod zog natürlich erst einmal nach Calderah und mit zielsicherem Gespür entdeckte er dort auch jene Geschäfte, derer ein mann wie er bedurfte. Die Preise hingegen waren keineswegs nach seinem Geschmack. In dieser Stadt schienen Halsabschneiderei und Wucher erfunden worden zu sein. Fassungslos, doch bereits sein Unheil ahnend, machte er sich auf die Suche nach anmietbaren Zimmern. Natürlich folgte dieser Suche die Ernüchterung auf dem Fuße. Wohnen kostete hier ein kleines Vermögen und wollte man dies dann noch für längere Zeit, so wurde ihm versichert, bedurfte es unbedingt einer Bürgerschaft. Es bedurfte nur einer kleinen Nachfrage und er erfuhr auch, dass diese Steuern mit sch brachte. Steuern war eigentlich das falsche Wort, wie Morod seine Wut beherrschend feststellte in der Verwaltungsmühle Calderahs. Es handelte sich eher um organisierte Wegelagerei, wie er für sich feststellte. Seine Laune war nach über zweistündigem Warten in jenem Verwaltungsgebäude ohnehin weiter gesunken. Gänzlich abgesehen davon, dass er über zu stellende Anträge und weitere Formalitäten aufgeklärt wurde.
Am Ende stand für ihn jedenfalls fest, dass er sich ein Leben in dieser Stadt zum jetzigen Zeitpunkt nicht leisten konnte. Ein jeder forderte hier sofortige Zahlung oder gar Vorauskasse. Auch Zorn half ihm da nicht weiter. Die Händler hier waren keineswegs bereit Kredit zu geben oder anzuschreiben. Ungeheuerlich sei dies, eschofierte er sich mehrfach bei jeder Gelegenheit, dass man ihm, einem gelehrten Manne und magische Künste studierenden Geist kein Vertrauen und damit auch einen kleinen Aufschub schenkte.
Für Morod stand nach gut einem halben Tag fest, dass diese Stadt ihn und seine zweifelsohne in Kürze herausragenden Arbeiten nicht erleben würde. Die Tatsache, dass ihm einfach keine Lösung für sein kleines Goldproblem einfiel, verdrängte er gewissenhaft.
Seine gedankliche Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf Dreiweiden. Auf dem Weg vom Hafen hier her hatte er sich umgeschaut und das Lehen machte keineswegs jenen goldgeprägten Eindruck wie die Freistadt. Er erkundigte sich in der Bibliothek der Stadt noch über das Lehen, las dort etwas nach und erfuhr nebenbei auch vom Konvent. Ebenfalls eine wichtige Sache, die er baldigst erledigen würde, denn dies Konvent schien der allgemeinen Beschreibung dieses Werkes nach einen ausgezeichneten Lehrbetrieb vorweisen zu können. Dies wiederum garantierte Ausstattung und Arbeitsumgebung, wie sie einem Manne wie ihm zu Erfolgen gereichen würde.
Erst galt es jedoch dies leidige Problem der Wohnstätte zu lösen und da in Morods Augen Calderah erwiesener Massen für gebildete Menschen keine Verwendung hatte, würde er seine Potentiale Dreiweiden zukommen lassen.
Seine Laune sank unaufhörlich.
Er war wohl in drei Jahren nicht soviel gelaufen wie an diesem Tag und seine Füsse schmerzten, der Riemen der Tasche schnitt in die Schulter ein, als er endlich vor dieser Feste in Dreiweiden stand. Keineswegs war seine Absicht die Beantragung einer Bürgerschaft gewesen, doch selbst in Weidenheim hatte er recht schnell verdeutlicht bekommen, dass ein Zimmer für mehr als ein paar wenige Tage ohne Bürgerschaft nicht zu bekommen war, es sei denn, man zahlte entsprechend. Dies jedoch war ihm nicht möglich, folglich musste er seine Lage neu überdenken. Weidenheim war nun sicherlich nicht der Ort, an dem er sich recht am Platze fühlte, doch es war ein Ort, an dem er ein Dach über dem Kopf finden würde.
Einige angerührte Trünke würden die Summe aufbringen, die er ersteinmal benötigte. Fehlte nur eine Bürgerschaft, wie er in Weidenheim erfuhr und da er allmählich auch über dieser Verwaltungshysterie dieses Landes erweichte, war er losgezogen, sich eben jene Bürgerschaft zu beschaffen.
Dummerweise lag die Feste des Lehnsherren, einem Baron, einiges an Wegstrecke entfernt und so war es gekommen, dass er nun über seine Füße wehklagend vor den Toren stand und um Einlass bat.
Zwar nahm der in Calderah noch erlebte freundliche Ton hier ab und wurde durch recht forsche, militärisch geprägte Sprache abgelöst, aber er kam wesentlich schneller bei der Person an, die er zu erreichen versuchte.
Nach einigen sich mehrfach wiederholenden forschen Aufforderungen, wie folgt mir oder wartet hier, stand er doch wahrlich in einer Zeit vor einem offenbar zuständigen Offizier, bei dem sich Calderah durchaus eine Scheibe abschneiden konnte. Daher verzieh er bei sich auch recht schnell die erfahrene Behandlung militärischer Natur seiner Person und trug sein Anliegen jenem Offiziere vor.
Einige Fragen über Herkunft, beabsichtigte Tätigkeit und Vergangenheit wurden ihm gestellt, wobei dem Offizier einfach nicht die Aspekte der Berufung im Gegensatz zu einfachem Volk üblichem Tagwerk näherzubringen war. Jene kleine Unwesentlichkeit der zurückgelassenen Gläubiger verschwieg, Morod, da es ihn nur in ein falsches Licht gerückt und womöglich um diese Bürgerschaft gebracht hätte. Menschen waren ja mitunter so argwöhnisch und voreingenommen.
Überraschend schnell erhielt er die Bürgerschaft. Natürlich wurde ihm auch hier eröffnet, dass er Steuern zu entrichten habe, was zwar ebenso ärgerlich wie zuvor in Calderah war, jedoch wesentlich kostengünstiger.
Nach Erledigung jener Formalitäten machte er sich also wieder nach Weidenheim auf, erstmals über die Anschaffung eines Pferdes nachsinnend. Das Papier, welches nun seine Bürgerschaft bescheinigte, erwies sich als wahrer Schlüssel für zuvor verschlossene Türen. Er erhielt ein bezahlbar scheinendes Zimmer. Die Bezeichnung Zimmer sprach er unmittalbar nach Öffnen der Türe selbigem wieder ab. Dies war allenfalls ein zugiges Loch und keineswegs unbewohnt, wie die zwei davon huschenden Ratten bewiesen.
Noch bevor er den ersten Fuß über die Schwelle setzte, schwor er sich selbst, die sei nur ein vorrübergehender Zustand, eine unerfreuliche Etappe auf dem Weg zum letztendlichen Ziel.

 

< Rückwärts          Zurück          Vorwärts >