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Neue Wege - 1. Teil
Wutschnaubend zerknüllte er
das Papier und warf es in die Flammen.
„Verruchter Halsabschneider!“, verschaffte er sich Atem.
„Sohn einer Harpye und eines Sumpfmolches! Als ob Gold einzig zu
erreichende Ziele seien“
Bedrohlich waren die Adern an Hals und Schläfe angeschwollen und mit
einem Tritt bekam der Stuhl den Zorn zu spüren.
Der Brief war nun wirklich zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt an
seinem Ziel angekommen. Fünfzig Goldlinge Mietrückstand für das
Zimmer, welches er bewohnte forderte man darin ein und alle Wut darüber
half wenig, denn weit mehr Schulden trug er als Last.
Der Alchemist hatte bereits zweimal zur Zahlung gemahnt, der Kaufmann
gar dreimal, bei dem er die Bücher geordert hatte, die derzeit sein
Regal zierten. Alles in allem waren es sicherlich an die tausend oder
mehr Goldstücke, die er schuldete. So genau wusste er es nicht, denn
bisher hatte er, nicht zuletzt mangels Einkünften, seine Ausgaben
ausschließlich durch zügige Ablage im Kaminfeuer verwaltet.
Die Situation war jedoch an einem Punkt angelangt, da kaum noch der
Appell an seine Gläubiger dem notwendigen Forschung und damit zu
erwartender Nutzen Zeit zu gönnen, Erfolg versprach. Wenn er nicht bald
zu Barschaft kam, endete er womöglich noch im Schuldenturm. Der letzte
Brief, er sah gerade noch den letzten Rest davon verglühen, hatte
diesbezüglich kaum Zweifel aufkommen lassen.
Das Problem war weniger, dass er nicht zu zahlen gedachte, sondern
vielmehr, dass er genannte Summen nicht zur Verfügung hatte.
Längst war die Barschaft aufgebraucht, die er vor einigen Wochen noch
mit sich führte. Er musste zu Geld kommen, keine Frage.
Wieder fegte seine Hand unkontrolliert durch die Lüfte und traf die
Flasche, die bis eben noch auf dem Tisch gestanden hatte. In hohem Bogen
flog sie davon, prallte gegen die Wand und hinterließ sowohl ein klares
Klirren im Raume, wie auch einen auffälligen roten Fleck an der Wand,
von dem sich zahlreiche Tropfen, rote Spuren hinterlassend, in Richtung
Fußboden aufmachten.
„Nein! Nicht der Wein! Zum Dämon mit diesen Blutsaugern. Nun stehlen
sie mir auch noch die letzte Kostbarkeit“, entkam es ihm fast
weinerlich als er mit geweiteten Augen das Resultat seiner von Wut und
Zorn fehlgeleiteten Hand besah.
„All das muss ein Ende haben“, sprach er und wollte sich setzen, nur
um nach einem recht unangenehmen Aufprall seines Hinterteiles auf den
Dielen festzustellen, dass der Stuhl, der sonst dort zu stehen pflegte,
nun angebrochen in der Ecke des Zimmers lag.
Für einige Zeit ergab er sich verzweifeltem und selbstbemitleidendem
Klagen. Das Studium von Magie war einfach eine teure und zeitintensive
Kunst. Diese Tatsachen waren nicht fortzureden und mit all seinen
Schulden war an eine Weiterführung dieses Studiums gar nicht zu denken.
Er musste Geld verdienen, um seine Gläubiger zumindest mit Anzahlungen
milder zu stimmen. Weilte er erst im Schuldnerturm, so war alles vorbei.
Alchemie und Magie mussten endlich Erträge einbringen. Diese brotlose
Kunst, Tag und Nacht zurückgezogen im Zimmer praktiziert, musste enden.
Abgesehen davon beschwerte sich auch dieser unwissende Narr von gegenüber
beinahe täglich über Gerüche und angeblich verfärbte Wäschestücke
im Hof. Er bedurfte also auch dringlichst eines Hauses oder zumindest
einer neuen Unterkunft, die nicht ebenerdig und das Fenster genau in
Richtung eines Innenhofes angebracht hatte, in welchem von Verstand erlöste
Nachbarn nebst fettleibigem Weibe ihre Wäsche zum Trocknen aufhingen.
Experimente hatten nun einmal auch Dämpfe zur Folge und erforderten
mitunter auch das Abrauchen einer Substanz. Es war aber kaum möglich,
eben dies jenem Banausen visavis darzustellen und sein streitsüchtiges
Weib war ohnehin nur in der Lage Laken mit sanften Spuren von Grün,
Grau oder Himbeerrot zu schwenken und ihre in den Ohren schmerzende,
spitze Stimme zu erheben. Gänzlich davon abgesehen, dass jenes Grau gar
nicht von ihm stammen konnte und sie besser weniger Geiz an den Tag
legen solle und mehr Seife nutzen.
In dieser Atmosphäre war jedenfalls an Arbeit nicht zu denken und erst
recht nicht an ein Weiterkommen mit seinen Studien. Er musste rasch zu
Geld kommen, diese Tölpel hier ein letztes mal verlachend verlassen,
seine Gläubiger zufrieden stellen und seiner wahren Bestimmung an dafür
geeignetem Orte entgegenstreben.
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