< Rückwärts          Zurück          Vorwärts >

Der Zufall bescherte ihm einen großen Schritt auf seines Schicksals Weg

In seinem Zimmer herrschte wieder Ordnung. 
Der Handwerker hatte das Fenster repariert und Fasil war es gelungen, manch neugieriger Frage auszuweichen und zu verhindern, dass man die wenigen Überreste des verbrannten Halebanten genau besah und so von diesem erfuhr. 
Er hegte keinerlei Interesse daran, weitere, lästige Fragen zu beantworten und mehr von sich preis zu geben, als er derzeit bereit war zu offenbaren. 
Noch war in dem Raum ein Hauch des Verbrannten wahrnehmbar, doch mit viel frischer Luft würde auch dies vergehen. 
Fasil saß an seinem Schreibtisch und hing seinen Gedanken nach. Ein feines Lächeln umspielte seine schmalen Lippen, während sein Blick nur ihm bekannte Bilder erblickte. 
Er hatte einen wichtigen Schritt getan und etwas erreicht, was für sein Ziel von größter Wichtigkeit war. Er hatte Kontakt zu einem der wichtigsten Männer des Konzils der Menschen hergestellt. 
Wochenlang hatte er darüber gebrütet, wie dies zu erreichen wäre und letztlich hatte ihm der Zufall jenen Erfolg beschert. Er war ihm fern ab der Menschenstadt begegnet. 
Sie hatten sich eine Weile unterhalten. Seltsame Worte nutzte dieser Alte zum Teil und Fasil hatte manchmal Mühe gehabt den Mann zu verstehen. Fest stand aber, er war einer der wichtigen Männer jenes Konzils, dass, wie er aus des Alten Mund erfuhr und nun wusste, eine Gemeinschaft war, die sich des Schutzes der Magie, deren Überwachung und Erforschung widmete. Der Umstand, dass sie dabei offenbar jeden akzeptierten, ließ Fasil zwar wieder sein Urteil über die Menschen bestätigt sehen, doch er hatte sich fast schon damit abgefunden, dass in diesem Teil der Welt vieles anders war. Er musste in manchem umdenken, zumindest nach Außen hin. Das Ziel war wichtig und der Weg dorthin mochte holprig sein. 
Ihr Gespräch war nicht sehr lange gewesen und doch glaubte er, den Alten richtig einzuschätzen. Er war hin und wieder zweideutig, getrieben von Neugier und dem Drang Wissen zu sammeln. Eigentlich nichts gefährliches, doch die Tatsache, dass er ein mächtiger Magier sein musste, wie seine kleine Demonstration bewies, und auch der Umstand, dass er ein Mensch war, machten ihn gefährlich. Leichtgläubigkeit und Unvorsichtigkeit konnten manch Mann zu Fall bringen und Fasil hatte nicht die Absicht zu fallen. 
Er mochte den Alten keineswegs, doch er sah den Nutzen, den dieser für ihn darstellte und im Laufe des Gespräches hatte Fasil etwas erhalten, was vielleicht noch einmal sehr wichtig werden konnte. Den Zugang zum Wissen dieses Konzils. Jener Alte hatte ihm versichert, er würde Anweisung erteilen, dass der Hochelf die Räumlichkeiten des Konzils betreten durfte und auch alle dort gesammelten Schriften einsehen konnte. 
Natürlich bezweifelte Fasil, dass jene Bibliothek, auch wenn sie tausend Jahre des Wissens inne haben sollte, so umfangreich und gut sortiert sein würde, wie die Bibliothek der Elfen, doch nur der Unbedachte, würde solch geöffnete Türe zuschlagen. Unzweifelhaft gab diese Möglichkeit in das Wissen der Menschen und Wissen bedeutete Macht. Dabei war unerheblich, ob all dies Wissen der menschlichen Bibliothek richtig und vollständig war. Es offenbarte aber, was jene wussten, die eben dieses nutzten. 
Zudem war gerade der Bereich über die menschliche Magie und deren Art sie zu wirken kein vollständiger Themenbereich in Mârlanthirs Bibliothek. Wenig hatten sich Elfen für die Menschenmagie interessiert, die gänzlich anders, offenbar auch fehlerhaft war und der Ork mochte wissen, wie sie manch Prozess zu wirken vermochten, wenn er nur daran dachte, dass sie sechsundzwanzig statt der fünfzehn Runen nutzen. 
Am Morgen hatte er mehr Wissen über das Konzil gesucht und der Bibliothekar Mârlanthirs hatte ihm ein Werk gegeben, welches das Konzil erwähnte. 
Die Informationen waren nicht sehr umfangreich, aber sie halfen. 
In vielen Landstrichen herrschte und wachte so ein Konzil über die magischen Belange und in Moonglow saßen jene, die all jene überwachten und steuerten. 
Deren Macht war so groß, dass der Erwerb von wichtigen Materialien zum Wirken von Magie genau kontrolliert wurde. Das erklärte endlich, warum Fasil an manches nicht herankam und gleich, was er versucht hatte, auch solche Materialien nicht hatte auftreiben können. Ohne diese Materialien aber, hatte sich sein Spektrum an Formeln um ein vielfaches verkleinert. Das Konzil aber vermochte zu bestimmen, wer jenen Zugang erhielt. 
Nachdem er dies wusste, erschien ich die Begegnung mit dem Alten und der Ausgang noch wertvoller. Die Menschen waren einer der Schlüssel für eine der Türen, die er durchschreiten musste, um sein Ziel zu erreichen. 
Doch auch ein anderer Gedanke breitete sich wie ein Schatten in seinem Denken aus. Er begann sich zu fragen, wo er wirklich war. Noch nie hatte er von solchen grossen Menschensiedlungen gehört und noch nie davon, dass sie die macht besaßen die Materialien zu kontrollieren, so dass sogar die Elfen nicht an sie gelangten. Er erinnerte sich an den Zauber seines Onkels, an jenes Tor, durch dass er ihn mit besorgter, antreibender Weisung getrieben hatte. Dies blau leuchtende Tor. Die Reisetore formten sich normaler Weise aus rot leuchtenden Energien und noch nie war es ihm geschehen, dass er solche Schmerzen beim Durchtritt erlebte. Ganz zu schweigen von seiner Überraschung als er bei seinem Austritt aus dem Tor sich völlig nackt sah. 
Bisher hatte er nicht genau darüber nachgedacht, doch es gab bei seiner Flucht und deren Art einige Fragen, die er nicht zu beantworten vermochte. 
Der Vorfall mit dem Halebanten hatte gezeigt, dass er nicht sicher war. Jural hatte ihn aufgespürt und wäre der niedere Dämon entkommen, wüsste er nun um Fasils Aufenthaltsort. Blieb nur zu hoffen, dass Jural nicht nur den einen entsandt und überwacht hatte. Aber dies war unwahrscheinlich. Wie er Jural einschätzte, hatte dieser Dutzende, wenn nicht mehr entsandt ihn zu suchen und es war unmöglich, sie alle zu überwachen. 
Fasil brauchte den Zugang zu diesen Materialien, um seine Forschungen weiter zu führen. Er brauchte die Macht jener Formeln, die ihm derzeit verwährt waren. Er brauchte Antworten auf viel zu viele Fragen und er hatte eine Ahnung, dass die Zeit gegen ihn arbeitete. Jural würde nicht ruhen ihn aufzuspüren und wenn es ihm letztlich gelang, durfte Fasil nicht unvorbereitet sein. 
Zu gefährlich war dieser Elf.

 

< Rückwärts          Zurück          Vorwärts >