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Der Überfall des niederen Dämons

Mârlanthir war gleich einer Insel in der Unruhe des Meeres. 
Schnee und Eis suchten die Welt heim, doch die Mauern der Elfenstadt schützten jenen Ort vor der eisigen Jahreszeit. Während dort draußen eisiger Wind an der Kleidung zerrte und Schnee der Welt einen kalten Mantel umlegte, war es innerhalb der Stadt geradezu angenehm, wenngleich auch in der Elfenstadt die kalte Jahreszeit nicht völlig ausgesperrt war. Die uralte Magie dieses Ortes verweigerte sich aber in gewissen Maßen den Kräften der Natur und milderte sie um ein Vielfaches. 
Ein Umstand den Fasil durchaus zu schätzen wusste. 
Schwungvoll war sein Schritt und sein seidener Umhang folgte ihm wehend, sich immer wieder in rhythmischen Wellen seiner Gangart anpassend. Fasil hatte einige Bücher auf den Armen und ein feines Lächeln zierte seine Züge. Endlich war dieser Umbau der Bibliothek beendet und er war wieder im Besitz der Bücher, welche er für seine Studien benötigte. Geradezu freundlich hatte er sich beim Bibliothekar bedankt und voller Elan war er auf dem Rückweg zu seinen Räumlichkeiten. Die Zeit der Müßigkeit und der notgedrungenen Beschäftigung mit anderen Dingen hatte ein Ende. Letztlich war die Magie seine ganze Leidenschaft und damit einhergehend auch das intensive Studium dieser Künste. Es gab noch so vieles zu erkunden, zu lernen und zu versuchen und selbst ein Elfenleben erschien ihm mitunter zu kurz dafür. 
Schwungvoll öffnete er die Türe zu seiner Unterkunft und trat ein. Die Bücher legte er behutsam auf seinem Arbeitstisch ab, der in den letzten Tagen eine Art der Ordnung aufwies, die ihm gar nicht behagte, zeugte sie doch nur von seiner Zwangspause des Studiums. 
Es wurde Zeit die vergleichenden Studien fortzusetzen und er verspürte auch jenen inneren Drang, der dies forderte. 
Gerade schloss er die Türe von innen als das Fenster aufstieß. Erschrocken fuhr Fasil herum. Erschrocken durch das Geräusch, aber auch den Umstand,, dass er hier an diesem Ort noch nie erlebt hatte, dass ein Fenster derart aufgestoßen wurde. Noch seltsamer war, dass Schneeflocken, angetrieben vom kalten Wind eindrangen. Dies war unmöglich, schützte doch jener Ort und seine Mauern vor den Auswirkungen des Winters. 
Die Kerzen verloschen ausgeblasen vom Wind und der Raum versank im Zwielicht der Vollmondnacht. Die Schatten wurden lang und paarten sich mit der eindringenden Kälte. Die schweren Vorhänge an den Seiten des Fensters wehten auf und strebten wie wallende Gewänder in den Raum und einige Papiere auf seinem Schreibtisch flogen umher und zu Boden. 
Fasils Gespür für Gefahr meldete sich und seine schnellen Blicke suchten den Raum ab um schließlich wieder beim Fenster anzugelangen. Alles war falsch in diesem Augenblick und seine Instinkte, seine elfischen Sinne gaben diesem Eindruck den notwendigen Nachdruck. 
Ein Geräusch drang an sein Ohr. Ein Geräusch, welches nicht hier her gehörte und doch deutlich zwischen den fliegenden Papieren und den im Wind dumpf schlagenden, schweren Vorhängen deutlich zu hören war. 
Deutlicher wurde jenes Geräusch, welches an Flügelschlag erinnerte und Fasil blickte angespannt zum Fenster. Ein Schatten verdunkelte einige Herzschläge nach dem er das Geräusch ausgemacht hatte das Fenster und eine hundgroße geflügelte Gestalt ließ sich nieder auf dem Fenstersims. 
Kaum, dass er jenes Schattens vor dem fahlen Licht des Mondes gegenwärtig wurde, suchte ein Gefühl der Angst und Anspannung den Hochelfen heim. Er spürte den Herzschlag in der Brust und sein Wissen, die Erkenntnis aus langen Jahren des Studiums sandte die Antwort auf die Frage, was er dort erblickte. 
Ein Halebant, ein Träger blickte dort vom Fenster aus durch den Raum. Ohne, dass Fasil es bewusst verlangte, rasten seine Erinnerungen um jene Wesen vor seinem Inneren Augen vorüber, sah er die gezeichneten Darstellungen der Lehrbücher, welche er im Laufe der Jahre erblickt hatte. Ein niederer Dämon, der dem, der ihn beschworen hatte zu Diensten war und der auch nur aufgrund einer solchen Beschwörung überhaupt in der Lage war in diese Welt zu gelangen. Oft bedienten sich Beschwörer ihrer, um Gegenden auszukundschaften oder sich eines Widersachers zu entledigen. Auch wenn es nur ein niederer Dämon ohne magische Kräfte handelte, so waren deren Klauenhände und ihr Biss eine schreckliche Waffe. 
Der Blick der raubtierartigen Augen erfasste Fasil, der gerade jene Gedanken verfolgte und ein fauchender Schrei entfuhr der Fratze des niederen Dämons. Dessen Körper straffte sich und bereitete sich vor, sich vom Fenster abzustoßen. 
Des Hochelfen Hand formte nahezu gleichzeitig, mehr von Instinkt geleitet, denn vom bewussten Verstand, die Geste eines Schutzzaubers und seine Lippen warfen der Kreatur die Formel geradezu entgegen. 
Das Wesen sprang ab und deutlich sah Fasil jenen von Knochenplatten gezierten, grobschlächtigen Schädel, der ihm entgegenfauchend und seine bleckenden Reißzähne präsentierend, auf ihn zuschoss. Eine ungeahnte Schnelligkeit lag in der Bewegung der Kreatur, die ihre Klauenhände voranstreckte. 
Einem Schlag gleich prallte der niedere Dämon gegen den Schutzschild, den der Zauber Fasils vor dem Hochelfen errichtet hatte und ein lauter Schrei des Schmerzes entglitt dem Wesen einer anderen Sphäre als es wie herabglitt, ganz so, als wäre es gegen eine unsichtbare Mauer geflogen. 
Einen Atemzug lang schien das Wesen benommen und rappelte sich auf. Dies war die Zeit, die Fasil nutzte, um einen weiteren Zauber zu wirken. Kein Nachdenken schuf die Formel, sondern die ursprünglichen Sinne eines jeden Wesens, dass im Moment der Gefahr zu Überleben suchte. 
„Ce Nergis Ater rhegar teleal Pyres!“, schmetterte seine Stimme, die zerstörerische Energie entfachend, dem Wesen entgegen. 
Grell leuchtende Energie entfuhr den Fingerspitzen der ausgestreckten und auf den Dämon gerichteten Händen Fasils und zeriss zischend und kreischend die Luft. Ein Netz aus Energie legte sich um die sich windende, fauchende und schreiende Gestalt des Halebanten, der den Schmerz jenes Zaubers erfuhr. Verzweifelt versuchte der Dämon sich dieses Angriffs zu erwehren, sich windend aus dem Netz der magischen Kräfte zu befreien, die den Qualen ein Ende zu bereiten, in dem er den elfischen Zauberer erreichte und mit seinen Klauen in Stücke riss. 
Doch der Zauber nahm ihm die Kraft und sein Wille, eingeschüchtert von jener so schmerzenden Formel, sein Leben nicht zu verlieren, ließ ihn seinen Angriff abbrechen. Statt dessen versuchte die Kreatur wieder zum Fenster zu gelangen und zu entfliehen. 
Er darf nicht entkommen, schoss es Fasil durch den Kopf und wieder war es sein Unterbewusstsein, dass die Formel erwählte. 
„Ce Nergis Pyres gennear teleal Pyres!“ 
Drohend und tief erklang die kraftvolle Melodie der Worte, begleitet von der ausgestreckten Rechten Fasils, welche die Kräfte des Feuers auf den Dämon richtete und den glühenden Feuerball entließ, der dem Wesen nachraste, welches sich gerade unter Mühe zum Fenster empor ziehen wollte, dass er ebenso mühsam und unter Schmerz erreicht hatte. 
Kein Entrinnen war der Kreatur beschieden und der Feuerball traf mit voller Wucht die geflügelte Gestalt der fremden Welten. Gleißend explodierte der Feuerball, tauchte den Raum in rotgelbes Licht. Fasil selbst wurde von der Wucht des Treffers erfasst und zu Boden geschleudert, die Vorhänge fingen Feuer und das Glas des Fensters zerbrach unter der Wucht des arkanen Feuerballs. Die Glassplitter des geöffneten Fensters schossen auseinander. 
Ein Schrei, nicht von dieser Welt, erfüllte den Moment des Todes gepaart mit dem Knall der zerberstenden Feuerkugel, der die Wände des Raumes erzittern ließ und der Halebant verging in jener Kraft, die Fasil entfesselt hatte. 
Viel zu stark war jener Zauber innerhalb eines solchen Raumes gewesen, den er gewirkt hatte. 
Benommen lag Fasil da. 
Sein benebelter Blick erfasste die brennenden Vorhänge, die rauchende, größtenteils verbrannte Gestalt des Dämons, deren verkohlte, wenigen Überreste unterhalb des Fensters rauchten. Papiere und Bücher lagen umher, der Tisch umgekippt und wahrscheinlich Grund dafür, dass Fasil noch lebte, da er eine Menge der Explosionskraft abgeschirmt hatte. 
Wind und Schnee waren verschwunden, hatte wohl der Dämon den Kräften der Natur eine Schneise in den Schutz Mârlanthirs geschlagen. 
Er hörte heraneilende Schritte und spürte sein Bewusstsein schwinden. 
Sein letzter Gedanke formte sich, bevor er ins Dunkle der erholsamen Ohnmacht glitt. 

Jural hatte ihn aufgespürt! 

 

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