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Vergleichende Studien - Bestandteile des Lebens
Nachdem Fasil sich heißen Tee zubereitet hatte und langsam den Aufguss schlürfend, die Wärme in seinen Körper zurückkehren spürte, was durchaus auch dem wohltuenden Kaminfeuer angerechnet werden konnte, ließ er sich wieder an seinem Arbeitstisch nieder.
Dieser war übersäht von Papieren mit handschriftlichen Notizen und Büchern. Teilweise aufgeschlagen, teils gestapelt und aus allen hingen kleine, beschriftete Papierschnipsel, um bestimmte Seiten zu markieren.
Für Außenstehende mochte dieser Tisch ein Produkt von Unordnung, und mangelnden Organisationstalentes darstellen, doch Fasil wusste genau, wo welche Notiz lag und welches Buch es zum Nachschlagen zu Greifen galt.
Etwas missmutig blickte er auf das Buch vor sich, welches aufgeschlagen Beschreibungen und Erläuterungen zur Magielehre der Kurzlebigen beinhaltete. Noch immer war er im ersten Drittel des Buches zu Gange, genaugenommen im vierten Kapitel.
Fasil war nun wirklich nicht auf den Kopf gefallen, zumindest hatte man ihm nie davon erzählt, dass solches einmal geschehen sei und doch stieß er immer und immer wieder auf Aspekte, Beschreibungen, erklärende Texte, die ihm unverständlich erschienen. Mehr und mehr verzettelte er sich im Nachschlagen in anderen Werken, die ihrerseits wieder ein Nachschlagen im nächsten Werk von Nöten machten, um schließlich am Ende mit mehr Fragen dort zu sitzen, wie zuvor.
Je mehr er las, desto mehr fragte er sich, wie die Menschen vermochten Magie zu wirken. Würde er mit diesen Erklärungen aus dem Buch arbeiten müssen, erschien ihm garantiert, zu versagen. Diese Magielehre war schwerer zu verstehen, als er zu Anfang gedacht hatte. Vieles klang dabei auf den ersten Blick sogar ähnlich, doch kaum, dass er glaubte, er verstünde, überraschte ihn die nächste Seite mit Wissen, das ihm derart abstrus oder weithergeholt erschien, dass er langsam Bewunderung für jene Menschen empfand, die tatsächlich vermochten die magischen Energien nach ihrem Willen zu nutzen.
Im Moment schlug er sich mit den Erkenntnissen um die Definitionen intelligenten Lebens herum und den daraus begründeten Ableitungen über den Ursprung der Magie und der Erklärung, weshalb Magie möglich war und welcher Teil des Seins dafür verantwortlich war, sie zu wirken. Die Kurzlebigen gingen durchaus allen Aspekten nach,, sobald sie deren Bedeutung erkannt hatten
Sacht lehnte er sich zurück und schlürfte am Tee. Wieder glitten seine Gedanken in die Anfänge seines Studiums zurück und nach und nach holte er das Wissen aus jahrelang wiederholtem Lernen hervor.
Jedes Objekt und jedes Lebewesen besaß in seiner Heimatwelt einen stofflichen Körper. Ein intelligentes Lebewesen aber, existierte nicht nur auf materieller Ebene, also einem Körper, sondern war sich seiner Umwelt und seines eigenen Seins bewusst. So war ein solches Lebewesen also auch in der Lage sogar in Träumen und durch Zauberei die immaterielle Welt wahrzunehmen und zu beeinflussen. Dafür waren die anderen Bestandteile aller intelligenten Lebewesen verantwortlich, die eine Vorstellung von ihrem Ich hatten.
Da war die tierische Seele, die Anima. Jedes Lebewesen besaß diese Quelle der niederen Instinkte, die letztlich auch der Sitz des Talentes zum Wirken von Magie war. Jeden Körper durchzog ein Netz, das sogenannte Silbernetz oder auch Argyriston, da bestimmte Erkennungszauber dies in silbriger Art und Weise für den Wirkenden erkennbar machten. Den Silberfaden, das Nemargyrion, der auf einer Reise der Seele den Astralleib mit dem Körper verband, galt auch als Bestandteil der Anima.
Der Astralleib, das Realtadeana, was als Sternengestalt zu übersetzen war, war Behältnis der geballten Lebenskraft eines Wesens. Dort war das Bewusstsein anzusiedeln, welches höheres Leben von seiner Umwelt hat und auch die Fähigkeit zu Träumen. Dieser Astralleib war teilweise empyreischer Natur und mit mächtigen Zaubern war es möglich den Astralleib vom Körper zu lösen und ungeschützt im magischen Raum zwischen den Weltsphären zu bewegen.
Die höheren Lebensformen, welche ein Bewusstsein vom eigentlichen Ich entwickelt hatten, verfügten schließlich über die Seele, die ihren Sitz im materiellen Körper hat, aber die im Falle einer Trennung von Astralleib und Körper als Sitz der Identität und der Willenskraft den Astralleib begleitete.
Die Sinne eines Lebewesens umfassten seine niederste Form der Wahrnehmungen, das Schmecken und Riechen und andere Formen der stofflichen Reizempfindungen, das körperlich begründet lag und Sinne, wie das Hören und Fühlen, welches der Anima zugeordnet war. Das Sehen wiederum als Wahrnehmung von Licht, der Emanzipation des Feuers hing mit dem empyreischen Teil des Astralleibs zusammen.
Pflanzliches Leben, also die niedrigste Lebensform besaß neben dem materiellen Körper eine Anima und einen Astralleib, die allerdings nur schwach ausgeprägt waren. Dies erklärte ihre langsamen Reaktionen auf Reize der Umwelt.
Tiere hatten hingegen eine ausgesprochen starke Anima und einen Astralleib, jedoch keine Seele. Nur wenige Tiere bildeten eine Ausnahme dieser Definition und bislang sprach man diesen Ausnahmen ein gewisses Maß an Selbsterkenntnis zu, die ein Vorhandensein einer Seele denkbar machte.
Letztlich war da das intelligente Leben. Dies besaß Körper, Anima, Astralleib und Seele, wobei die Anima, also Instinkte und Begierden oft schwächer ausgeprägt waren, als bei den Tieren.
Je stärker also die Anima eines Wesens ausgeprägt war, dass zugleich auch über eine Seele verfügte, desto stärker war auch sein Talent Magie zu wirken, denn erst die Seele, das Bewusstsein vom eigenen Ich, ermöglichte das Nutzen dieses Talentes. Dies erklärte einerseits, weshalb manche Wesen einer Rasse mehr Talent aufwiesen als andere Artgenossen, aber auch, weshalb das Volk der Elfen in seiner Gesamtheit ein größeres Talent im Hinblick auf das Wirken von Magie zeigte. Das Elfische Volk hatte stärker ausgeprägte Instinkte und Sinne, wie beispielweise die Kurzlebigen und damit einhergehend erklärte sich auch, weshalb gewisse Fähigkeiten der Elfen, die auch als einfachste, in der Regel gänzlich harmlose Zauberei galten, wie beispielsweise das Erkennen einer Aura eines Wesens. Besonders stark war das Anima bei den Waldelfen, die noch das ursprünglichste Leben führten.
Wenn man Magie wirkte, so manipulierte man den stetig strömenden Fluss der magischen Energie, des alles durchdringenden Empyreums. Versagen beim Wirken der Magie war folglich ein fehlerhaftes Wirken oder aber eine Veränderung innerhalb des Empyreums, das einer bisher noch nicht erforschten Gesetzmäßigkeit unterlag. Davon ging man jedenfalls aus, da ein Fehlen einer solchen Gesetzmäßigkeit eines Tages gänzlich verhindern könnte, nach einer Veränderung innerhalb des Stroms des Empyreums nicht mit einer Abwandlung bestehender Formeln und Rituale weiterhin Magie wirken zu können.
Doch die Gelehrten waren sich dahingehend einig, dass die Veränderungen im Empyreum sehr langsamen Prozessen unterlag. Als Beweis für diese Theorie zog man schlicht die Beständigkeit gelehrter Formeln und Rituale heran, die in einem anderen Falle in viel kürzeren Zeitabständen zu verändern notwendig wären, statt wie bisher über viele Generationen Bestand zu haben. Zumindest galt diese These für die Mittelwelten, während auch die Überzeugung herrschte, je näher man den Chaosebenen kam ein stärkeres Verändern innerhalb des Empyreums stattfand, wodurch die Unbeständigkeit und mannigfaltigen Wechsel in den Chaoswelten und stärker noch die im absoluten Chaos zu erklären waren. Daher erschien auch die noch unbewiesene Existenz der Ordnungsebenen geradezu zwingend notwendig, da jeder Kraft eine andere entgegenwirken musste, sollte das Prinzip des Gleichgewichtes nicht ad absurdum geführt werden.
Demnach zeichneten sich die vermuteten Ordnungsebenen dafür verantwortlich, dass die Kräfte der Chaosebenen nicht vermochten den Strom des Empyreums im gesamten Multiversum in einen rasanten Fluss zu bringen. Deshalb wurde auch das Einlassen mit den finsteren Ebenen so hart bestraft, da ein Verbinden mit jenen Mächten den Strom des Empyreums ins Ungleichgewicht brachte, da die Dämonenfürsten mit ihrer Form der Magie den langsamen Fluss des Empyreums zu stören wussten und dies auch taten, wie zahlreiche Ereignisse der Geschichte aufzeigten, in denen die normale Magie versagte oder eingeschränkt wurde aufgrund beschleunigter, veränderter Strömungen innerhalb des Empyreums. Keineswegs fürchtete man nur die lokale Präsenz eines solchen Dämonenfürsten, die allein schon eine Bedrohung seines Gleichen suchte.
Fasil trank seinen Tee aus.
Das Buh mit den Erläuterungen zur menschlichen Magielehre klappte er zu. Ihm war nicht mehr danach, jetzt darin zu lesen. Statt dessen griff er ein Werk über die Sprache der Menschen. Zahlreiche Schnipsel ragten zwischen den Seiten hervor. Die Grammatik machte ihm noch Probleme, während er mit dem Lernen des Wortschatzes gut vorankam. Auswendiglernen war schon immer eine seiner Stärken gewesen, doch die Grammatik einer Sprache bedurfte disziplinierten Lernens. Auch für ihn führte daran kein Weg vorbei. Magie half hier wenig.
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