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Vergleichende Studien

Seit einiger Zeit beschäftigte er sich mit der menschlichen Sprache und deren Magielehren. 
Nicht, weil er plötzlich Gefallen daran fand, sondern viel mehr, da er die Notwendigkeit sah. Er konnte nicht ganze Birkenwälder abholzen lassen und den Rest seiner Tage mit der Anfertigung dieser Wurzeln der Verständigung verbringen. Da ihm bisher keine Lösung eingefallen war, diese Wurzeln daran zu hindern, nach der Nutzung zu zerfallen, sie also mehrfach zu verwenden, blieb ihm nichts anderes übrig, als die Sprache der Menschen zulernen, wollte er vorankommen. 
Ihre Magielehren wollte er dabei auch einmal in näheren Augenschein nehmen, schon allein, um von dem stupiden Wort und Grammatikstudium eine Abwechslung zu erfahren. 
Der Grundsatz lautete ja, lerne, um zu verstehen, verstehe um zu nutzen. 
Natürlich dachte Fasil keinen Moment daran, nach mehreren Dekaden des Malin-Lehrenstudiums nun die Lehren der Kurzlebigen zu studieren. Der Unterschied zu seinem Wissen erschien schon auf den ersten Blick verwirrend und völlig andersartig. 
Je mehr er darüber las, er hatte tatsächlich in der Bibliothek ein Werk über Menschenmagie finden können, welches zwar veraltet, aber sicherlich noch erklärend war, desto mehr wunderte er sich, wie es überhaupt gelang, mit diesen Erklärungen und Formeln Magie zu wirken. 
Die Unterschiede waren gewaltig. 
Die Menschen nutzten 26 Runen, während die Malin-Lehre mit 15 auskam. Die Kurzlebigen glaubten die magischen Energie des alles durchfließenden Äthers anzuzapfen oder etwas in der Art. Er erinnerte sich an alte Schriften, die einst auch in der hochelfischen Magielehre solches annahm, doch die Malinlehren hatten inzwischen dies Denken abgelöst. Diese Assoziation mit dem Element Luft war schon seit längerem nicht mehr zeitgemäß und überholt. Man war inzwischen dazu übergegangen, das Empyreum, das man auch den Feuerhimmel nannte, als Quelle aller magischen Energie zu sehen und damit die viel größere Affinität zum Astralleib, ein Aspekt des Elementes Feuer, als einzig richtige Theorie zu lehren. 
In Gedanken ging er die Studien der Grundlagen durch und erinnerte sich dessen, womit sich jeder Magielehrling herumschlug, da auf diesen die eigentliche Wirkung von Magie aufbaute und nicht zuletzt die so komplizierten und machtvollen Sphärenreisen basierten. Ohne Wissen um die Welt und deren Aufbau, konnte man keine Magie wirken und vor allem nicht innerhalb der Sphären reisen, wie es einige wenige der mächtigsten Magier vollbrachten, die man auch schlicht die Reisenden nannte. Fasil hatte zwar diese Grundlagenstudien langweilig und schrecklich langwierig empfunden, doch sein damaliger Magister war ein furchtbar verbohrter Eigenbrödler gewesen, dessen einzige Leidenschaft genau diese Grundlagenforschungen gewesen sein mussten. Die kleinsten Fehler hatte er hart bestraft und so manchen hatte er mit der Zeit als ungeeignet aussortiert und nach Hause geschickt. Folglich war Fasil gar nicht anderes übriggeblieben, all dies zu lernen und heute musste er eingestehen, dass er den Sinn darin erkannte und um die Notwendigkeit dieses Wissens wusste. 
Da waren also die 5 Ebenen der Existenz im Multiversum, in welchen Leben Bestand haben konnte. Diese Ebenen wiederum bestanden aus verschiedenen Sphären die jeweils wieder eine oder gar mehrere parallele Welten enthielten. Jenseits dieser belebten Ebenen gab es die Ebene des absoluten Chaos, die nur aus einer Sphäre und einer Welt bestand und es gab die Vermutung, wenngleich deren Existenz bisher auch nicht nachgewiesen war, dass gegenpolig auch die Ebene der absoluten Ordnung existierte. 
Ein Extrem dieser belebten Ebenen bildete Elementarebene, in der die Elemente noch weitgehend voneinander getrennt waren und somit eine elementare Ordnung vorherrschte, die relativ starr und unbeweglich war, so dass dort nur ein sehr langsamer Wandel zulässig war. 
Diese Elementarebene wiederum enthielt die 4 Sphären, die den vier Elementen Erde, Feuer, Wasser und Luft entsprachen. Folglich herrschte in jeder der Sphären das jeweilige Element vor, und die andere Elemente kamen in einer solchen Sphäre nur in geringen Spuren vor. 
Als nächstes kamen dann die Urwelten, in denen zwar noch immer die Kräfte der Elemente vorherrschte, aber bereits eine Vermischung dieser stattfand, in dem die rohen Kräfte in Form von Wechselwirkungen zwischen jeweils zwei dominierenden Elementen erstmalig die Entwicklung von Neuem zuließen. 
Wie hatte der Magister damals gesagt, grübelte Fasil. Stellt euch Vulkane vor, deren feuriges Gestein auf eisige Gletscher trifft oder sturmgepeitschte Ozeane, reißende Ströme, deren Kräfte sich ihren Weg durch schroffe Gebirge bahnen. Aufbauend auf die 4 Elemente gab es in den Urwelten demnach mindestens 6 Sphären mit je 2 dominierenden Elementen, wobei die Gelehrten nicht ausschlossen, dass es auch noch weitere Sphären zu vermuten gab, in denen gar mehr als zwei Elemente mit ihren Kräften aufeinander trafen. Bisher war diese Theorie aber nicht nachweisbar. 
Die Elementarebene und die Urwelten jedenfalls brachten Leben, die sogenannten Elementarwesen hervor. 
Dem folgend, im Zentrum der Existenzebenen, lagen die Mittelwelten in denen ein ungefähres Gleichgewicht zwischen den Mächten des Chaos und der elementaren Grundordnung herrschte. Je drei Elemente, in verschiedenen Vorherrschaftskombinationen, gaben die Existenz von 18 Sphären vor, die die Mittelwelten beinhalteten. Jede dieser Sphären wiederum enthielt eine oder mehrere Parallelwelten, in denen jeweils die gleichen Gesetze der Natur und Magie dieser einen Sphäre galten. In einer dieser von Wasser, Erde und Luft dominierten Sphäre lag die Welt, in der wir lebten und die die Kurlebigen die Alte Welt nannten. 
Die Chaoswelten waren die nächste der 5 Existenzebenen und erforderte abstraktestes Denken, denn dort war nahezu alles möglich. Mit Schaudern erinnerte sich Fasil an die Ausführungen des Magisters. Reiner Irrsinn konnte einem dort begegnen und Überraschungen jeglicher Art mussten nicht nur eingeplant, sondern vielmehr als gegeben angenommen werden. Gänzlich unbekannt war die Anzahl der Sphären dieser Chaoswelten, nicht zuletzt, da die Veränderlichkeit der Chaoskräfte hier über das Beharrungsvermögen jeglicher Ordnung dominierte, doch wusste man zumindest von den 15 Sphären der nahen Chaosebenen, die sich bei oberflächlicher Betrachtung kaum von der Welt, auf der wir alle lebten, und Parallelwelten dieser unterschieden. Auffallend war dort nur die vermehrte Existenz magischer Wesen und der größere Reichtum an Magie selbst in den nahen Chaoswelten. 
Es gab sogar Philosophen unter den Hochelfen, die behaupteten, einer dieser Sphären der nahen Chaoswelten enthielt die Welt, von der die Elfen ursprünglich stammten und in die Mittelwelten gelangten, wie auch Gnome und andere Wesen von dort ihren Ursprung hätten. Bisher stritt man aber noch darüber und hoffte auf eine gelungene Sphärenreise, die das Erreichen dieser Welt ermöglichte, so sie denn wirklich existierte. Untermauert war jene Annahme, durch alte Schriften, die allerdings nur wage und sehr unpräzise Informationen lieferten, die gerade dazu ausreichten jene Theorie auf sehr brüchige Säulen zu stellen. Zudem gibt es einige Verfechter, die sich weigerten, das elfische Volk letztlich als Gemeinschaft der Dämonen zu sehen, da alles Leben in den Chaosebenen und dem absoluten Chaos als dämonisches Leben eingestuft wurde, gleich, ob es freundlich, neutral oder feindselig geartet war. 
Das andere Ende der Existenzebenen bildete schließlich das absolute Chaos. Hier vermischten sich alle Elemente und jegliche Gesetzmäßigkeit der Natur und der Magie wurde aufgehoben. Rein durch zufällige Elementumgruppierungen konnte es dort zwar zeitweise zur Bildung von Welten kommen, die den Mittelwelten ähnlich waren und auch ähnliches Leben hervorbrachten, doch war dies in der anzunehmenden Wahrscheinlichkeit selten und vor allem stets von der durch die herrschende Kraft des Chaos bedingte Instabilität auch vernachlässigbar. 
Eine Sphärenanzahl war bisher nicht festlegbar, da es einfach zu viele unberechenbare Aspekte gab und das absolute Chaos eine nicht kalkulierbare Instabilität aufwies. 
Einzig gesichert war, dass rund um das absolute Chaos, also am entferntesten Ende des absoluten Chaos, sechs Sphären der Finsternis anzusiedeln waren, in welchen die Heimat der dunklen Dämonenwesen zu sehen war. Jene Wesen, welche durchaus versuchten Einfluss auf die Mittelwelten zu nehmen und in diesen das Absolute Chaos zu schaffen, dass sie für die einzig wahre Existenzform hielten, waren als äußerst gefährlich und machtvoll eingestuft und es gab sogar ein Gesetz, dass jeden Hochelf, der es wagen würde, eine Verbindung, gleich welcher Art, zu diesen Ebenen herzustellen, mit dem Tod ohne Chance auf Begnadigung bestrafte. Allerdings war bisher kein Fall bekannt, in dem ein Hochelf jemals versucht hätte, eine solche Verbindung zu schaffen, da diese gänzlich gegen sein Denken und seine Natur war. 
Die anderen Sphären beinhalteten zwar auch Dämonen und andere Wesenheiten, doch diese waren den Mittelwelten gegenüber recht gleichgültig eingestellt. Beschwörer bedienten sich daher gern dieser Bewohner, was allerdings auch teilweise, insbesondere bei den nicht als geringen eingestuften Dämonen, schon zu Unfällen geführt hatte. Ingesamt war daher die Beschwörungsmagie, die Dämonen herbeirief, verpönt und mit einem schlechten Ruf behaftet. Kein Hochelf, der etwas auf sich hielt beschäftigte sich mehr als notwendig mit dieser Form der Magie. 
All diese Sphären und Welten einer Ebene waren in einem magischen Raum eingebettet, der sie umhüllt und auch durchdringt. Wie es nun die Menschen noch glaubten, fand Fasil zu seinem ursprünglichen Gedanken zurück, war dies der Äther, der einer Verbindung aller Seelen jeglichen Lebens und damit einhergehend dem damit zu assoziierenden Element Luft zuzuordnen war. 
Da aber ja, wie er bereits bedacht hatte, inzwischen die Magie und deren gewirkten Kräften eine größere Affinität zum Astralleib jeglichen Lebens und dem damit zu zuordnendem Element des Feuers unterstellt wurde, kam man nicht umhin, den Äther durch das Empyreum zu ersetzen, den Feuerhimmel, der im Gebilde der Lehre gleichfalls beziehungsweise anstatt des Äthers alle Welten und Sphären umhüllte und durchdrang. 
Fasil spürte die Müdigkeit aufkommen. Solch Thematik vermochte ihn stets schnell zu ermüden. Er war nicht gerade der geborene Theoretiker und daher beschloss er seine Vergleichsstudien zwischen Malinlehre und den im Buch aufgeführten Lehren der Menschenmagie später nachzugehen. 
Er war fast sicher, sie würden auch die Bestandteile des Lebens, wie den Astralleib und die Seele anders definieren oder zuordnen und beschloss daher, sich dies später oder in den nächsten Tagen anzutun. 
Es war Zeit etwas frische Luft zu schnappen, ein ordentliches Mahl zu sich zu nehmen und zu schauen, was der Tag noch bereithielt außer staubigen Büchern.

 

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