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Golodh ned Mârlanthir - Hoch droben auf dem Turm

Das seidene, schwarze Haar des hochgewachsenen Edhel wehte im Wind. Seine Züge hatten etwas erhabenes, wie auch die Haltung, welche er einnahm, dort oben auf einem der Türme. Sein Blick aus den tiefblauen Augen, die ein zartes hellblaues Muster durchwob, glitt über die Wälder, die den Wogen des Meeres gleich, in stetiger, sanfter Bewegung schienen. Matt schimmerte der goldene Reif, den er trug und welcher über die Stirn verlaufend sichtbar war. 
Seit einigen Wochen nun weilte er hier und bisher hatte Jural nicht vermocht ihn zu entdecken. Deutlich spürte er die Magie, welchen diesen Mauern inne wohnte. Die Magie der Altvorderen durchfloss noch immer jenen Ort, als wäre nicht die Zeit vergangen, die jene Mauern bereits geschaut hatten. 
Gewaltig und massiv waren diese Mauern und das Gefühl des Schutzes musste jeden erfüllen, der hinter ihnen weilte. Mae, Mârlanthir war wohl der sicherste Ort fern der Heimat, den er hatte finden können. Jurals Macht konnte nicht ausreichen, ihn hier aufzuspüren und keiner seiner Schergen würde ihn hier heim suchen können, selbst wenn man seinem geheimem Aufenthaltsort den Mantel der Verborgenheit entreißen würde, der ihn hier verhüllte. 
Inzwischen hatte er sich daran gewöhnt, dass die Edhil in Mârlanthir nicht nur aus Gelydh bestanden, sondern auch die Tamir hier lebten. Innerhalb jener Mauern war das Leben der Edhil ein anderes als in der Heimat und es bedurfte des gehörigen Umdenkens. Macht und Einfluss, Politik und Diplomatie, wie er sie seit er das Licht der Welt mit eigenen Augen schaute, kannte, waren hier nicht existent. Das Leben der Edhil war ein anderes in dem Herrschaftsbereich der Edain. 
Täglich studierte er Gebräuche und Sitten dieses Landes, dankbar über all das Wissen, welches die Bibliothek Mârlanthirs hütete. Ebenso trieb er seine Forschungen und Ausbildung voran. Er musste viel mehr Wissen über die Kräfte erlangen, die er zu beherrschen suchte. Wissen ist Macht, erklang es in seinem Innern und für Momente schloss er die Augen. Das Gesicht Hen'adars erschien ihm im Geiste und eine Woge der Liebe, aber auch des Schmerzes flutete sein Herz, dass es ihm in jenem Augenblick zu bersten drohte. Hen'adar, lieber, guter, alter Hen'adar formte sein Geist. Nie würde er seiner vergessen und niemals würde er aufhören jenen Tag zu erleben, an dem er Jural für diesen Verlust und ungezählten anderen Schmerz zu Fall bringen würde. 
Die Züge des Edhel wurden steinern, seine Mimik gefror im Anflug des Hasses und dem Wunsch nach Vergeltung, verliehen seinem Antlitz etwas statuenhaftes, wäre nicht der Wind gewesen, der Haar und Kleidung nicht ruhen ließ. 
Ein kaltes Feuer glomm auf in seinen Augen, die in weite Ferne starrten, die Schönheit der Wälder, die vor den Mauern Mârlanthirs lagen, ignorierend. Andere Bilder schauten sie, Bilder, die der Geist des Edhel formte und die all sein Fühlen und Denken darin offenbarten. 
Die schlanke Hand ballte sich zur Faust, so dass die Knöchel hell hervortraten. Des Edhels Lider verengten seinen Blick zu Schlitzen und die schmalen, sacht geschwungenen Lippen formten lautlose Worte der Heimat, deren Inhalt ein erst zartes, bläuliches Glühen, dann ein stärkeres Leuchten um die Gestalt des Edhel entstehen ließen. Eingehüllt in jene Aura der arkanen Kräfte stand die Gestalt hoch droben auf einem der Türme Mârlanthirs und ein Schrei entkam seiner Kehle, der jedem, der ihn hören mochte, einen Schauer des Unbehagens schenkte, so er die Gefühle jenes Schreies deutete, der nur einen Namen preisgab. 

"Juraaaaaaaaal!"

 

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