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Die erste Seite (Das persönliche Buch eines Edhel I)

In einem, mit Prägungen elfischer Runen verziertem, ledern eingebundenem Buch, findet sich in verspielt geschwungenen Zeichen, folgender Eintrag auf der ersten Seite, so es einmal, in ferner Zukunft, von anderen Augen als denen des Besitzers gelesen werden sollte.

Mârlanthir, so nannten sie die Stadt, in welcher ich angekommen bin. Das Schicksal hat es wahrhaftig gut mit mir gemeint, als es mich zu den Mauern jener Stadt führte. Eine Tarim war seltsamer Weise sehr freundlich zu mir, beschenkte mich mit schützender Kleidung und gab zudem noch ein edles Tier aus elfischer Zucht. Wie gut das Schicksal es mit mir gemeint hatte, wurde mir aber erst am Tag darauf bewusst, als ich einen Edhel traf, der mir mit seinen Worten emotionale Wechselbäder bereitete. 

Die Edain herrschen in diesem Teil des Landes, so sprach er, und erst jetzt wird mir bewusst, welch Glück ich gehabt habe, Mârlanthir gefunden zu haben. Oder war es am Ende gar kein Glück, sondern ein letzter Dienst meines Onkels Hen’adar, der wie so oft, so vieles mehr wusste und so auch um die Lage jener Stadt? 
Müssig ist es darüber zu sinnen, denn Hen’adar wird meine Frage nie mehr beantworten können und die Gegenwart, die Worte jenes Edhel bedürfen meiner ganzen Aufmerksamkeit. 
Inzwischen habe ich auch den Namen jenes Landes in Erfahrung bringen können. Herzogtum Stolzenforst heißt es und die Karten in der Bibliothek Mârlanthirs zeigten mir seine Lage und auch die Ferne meiner Heimat. 
Einige Zeit verwandte ich darauf aufkommendes Heimweh zu meistern, ehe ich mich weiter mit den Informationen auseinandersetzte, die ich bekommen hatte. Tarim und Edhil handelten hier gemeinsam und bewohnten auch gemeinsam jene Stadt, in der ich Zuflucht gefunden habe. Einen Rat hatte er erwähnt und betont, dass hier ein Jeder zu Jedem sagen dürfe, was er dachte. 
Die Verwunderung überkommt mich auch jetzt noch, wenn ich genau darüber nachdenke. Tarim und Edhil gleichberechtigt Seite an Seite und die Hierarchie, wie ich sie bisher kannte außer Kraft gesetzt. Auch die Tatsache, dass die Tarim hier von einem Cunn geführt werden, ändert nichts daran, dass mein ganzes bisheriges Denken über gesellschaftliche Strukturen durcheinander gerät. 
Ich werde für die Dauer meines Aufenthaltes hier viel Neues lernen und in einigen Punkten umdenken müssen, will ich die Zeit meistern und meine Ziele nicht gefährden. 
Vor allem meine Sindarinkenntnisse werden einiger Auffrischung bedürfen. Lange liegt das Studium dieses Dialektes hinter mir und ich spürte schon im ersten Gespräch mit der Tarim, wie fern ich der Vertrautheit der Worte und Betonungen bin. Ungeschickt und plump drang meine eigene Stimme an mein Ohr, während jene Tarim ohne einen Augenblick nachdenken zu müssen, geschickt die Sprache meisterte. 
Ich muss mir wieder einmal eingstehen, dass ich mich ungern unbeholfen und unvollkommen fühle. Zu sehr strebt es in mir nach der Beherrschung dessen, was ich angehe. Aber ich werde einige Zeit darauf verwenden, die alten Sindarinkenntnisse wieder in mir zu erwecken. Ein An'Heron sollte nicht schlechter das Sindarin sprechen, wie jene freundliche Tarim. 
Mit der Fortsetzung meiner Studien sieht es ebenfalls nicht zum Besten aus. Der Edhel eröffnete mir, dass ich hier wohl keine Gelehrten der Edhil finden werde. Er erwähnte in diesem Zusammenhang wieder die Edain und lediglich der Name Yu'nume fiel im Laufe dieses Gespräches. Er wolle sie ansprechen, meinte er und es wird sich zeigen, ob sich hinter diesem Namen die lehrende Gestalt eines Edhel verbirgt, welchen ich mir erhoffe. Ich wünsche mir, jenes Gespräch ist von Erfolg gekrönt, denn ich bezweifle, dass es mir leicht fallen wird von einem Edain zu lernen. Ich bin nicht einmal sicher, was ich von jenen jungen Wesen zu lernen vermag. Die Tatsache, dass sie darüber hinaus wohl zur Zeit wieder eines ihrer unsäglichen Kriegsspiele veranstalten macht mich diesbezüglich auch nicht gerade sicherer. Ich werde nie verstehen, warum dies Volk so schnell zu den Waffen greift. Die Tarim erscheinen mir dahingegen geradezu friedfertig. 
Wieder einmal bemerke ich, wie innerhalb weniger Stunden eine scheinbare Lage und deren Einschätzung eine gänzliche Wandlung erfährt. Hen’adar hatte recht, wenn er zu mir sagte, ich solle weniger kurzsichtig die Dinge betrachten und mich nicht zu leichtfertig in geglaubtem Glück sicher wähnen. Mae, recht hatte er, der gute Hen’adar. Ich vermisse ihn und Jural, dieser Bastard möge tausend Jahre im Magen eines Amlug der Verdauung anheim fallen. 
Ich darf nicht den Zorn über mein Denken siegen lassen, auch wenn allein dieser Name alles in mir zum Erbeben bringt. Zorn und Wut sind schlechte Berater und doch spüre ich, wie schwer es fällt die Ruhe zu bewahren. 
Ich sollte mich ablenken und dann meine weiteren Schritte überlegen. 

Mae, ich werde die Sommersonne genießen und meine Kenntnisse des Sindarins auffrischen.

 

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