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Ankunft in der Fremde
Die Schmerzen waren so heftig, dass es ihm sogar die Stimme nahm, um sich ihrer mit einem lauten Schrei zu erwehren. Die Magie durchfloss seinen Körper und drohte sein Gewebe zu zerreisen. So empfand er es jedenfalls, als ihn dies sphärische Leuchten umgab, durchfloss und durchdrang.
Die Momente wurden zu Stunden und der Schmerz schien endlos in ihm zu wüten, doch so unvermittelt er eingesetzt hatte, blieb er mit einem male auch aus.
Erschöpft fiel er zu Boden und kauerte sich einem kleinen Kind gleich zusammen. Seine empfindlichen Sinne versagten ihm den Dienst. Er war in diesem Moment völlig wehrlos, nahm seine Umwelt nicht wahr.
Lange Zeit lag er so auf dem kühlen Gras, zitternd am ganzen Körper. Erst sehr langsam gewann er wieder die Herrschaft über seine Sinne und noch langsamer über seinen Körper.
Das Gefühl kam zurück in die tauben Gliedmaßen und erstmals wurde er sich seiner Lage bewusst. Noch zögerlich öffnete er die Augen, blinzelte in den, ihm fremden Tag hinein und versuchte sich weitere Klarheit seiner Situation zu verschaffen. Weitere Momente zogen so dahin, ohne dass er sich rührte.
Als er endlich wieder glaubte, seinen Sinnen trauen, seinen Körper bewegen zu können, setzte er sich auf, ließ die Blicke umhergehen.
Auf einer Lichtung in mitten eines Waldes war er wohl angekommen. Es musste hier Sommer sein, denn er spürte nur einen sachten Lufthauch und wohltuende Wärme auf der seidigen Haut.
Auch die leise raschelnden Blätter, deren Färbung, die Pflanzen auf der Lichtung bestätigten ihm seine Annahme. Hier herrschte Sommer.
Er sah an sich herab und seine Miene verdüsterte sich. Gänzlich nackt saß er da.
Also stimmte, was er einst gehört hatte, dass jener Fluchtzauber nur das Leben, nicht aber Hab und Gut zu retten vermochte. Seine Kleidung, seine Utensilien, die Tasche, alles war fort.
Wieder verwendete er einige Zeit darauf sich all dessen bewusst zu werden.
Noch immer litt seine Konzentration, sein Verstand unter den Nachwirkungen der machtvollen Magie, welche ihn transportiert und sicherlich auch gerettet hatte. Hen’adar, kam es ihm in den Sinn und die Erinnerung kehrte nun ebenso langsam zurück, wie zuvor die Sinne und das Körpergefühl.
Hen’adar hatte den machtvollen Zauber gewirkt, ihn zu retten und vor diesen niederen Dienern dieses verwünschten Jural in Sicherheit zu bringen. Der Zorn entflammte in ihm. Allein der Gedanke an jenen abtrünnigen, verräterischen und von niedersten Gelüsten geleiteten Abschaum vermochte ihn weitere wertvolle Zeit zu kosten.
Die Sonne war zwei Handbreit weitergewandert als er das Gefühl der Verachtung und des Hasses für Jural niederrang. Dann folgte der Schmerz des Herzens. Der Verstand errechnete ihm die Folgen all des Geschehens, dass hinter ihm lag. Hen’adar war wohl keine zehn Atemzüge nach Wirken des Zaubers gestorben. Die gesandten Kreaturen mussten ihn zerfetzt haben.
"Guter, alter Hen’adar....", kamen die leisen Worte über seine Lippen.
Wieder wanderte der wärmende Himmelskörper eine Handbreit weiter bevor er auch diese Gefühlsanwallung kontrollierte und zurückdrängte.
Er stand auf und blickte sich um. Er musste sich in dieser Fremde möglichst rasch zurechtfinden, wollte er überleben. Unwissend, wo er gelandet war, konnte er nicht einschätzen, welche Gefahren ihm hier auflauerten. Eines jedoch stand fest. Nackt und auf sich allein gestellt, war er hier alles andere als in Sicherheit. Die Tatsache, dass er Jurals Knechten entkommen war, konnte nur ein unbedeutender Aufschob seines Todes sein.
Er brauchte Kleidung, Material, Unterkunft und Nahrung. Dann galt es herauszufinden, wo er gelandet war, womit er hier zu rechnen hatte und vor allem zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Jural würde nicht ruhen, ihn aufzuspüren. Dies stand fest und keinen Augenblick zweifelte er daran, dass diese Missgeburt bereits darüber nachdachte, wo und wie er zu fassen sei. Viel zu wichtig musste Jural sein Tod sein, denn er wusste um ihn und konnte all seine Pläne zu Nichte machen. Genau das würde es er auch versuchen, sobald er alles notwendige herausgefunden und Zeit zum planen haben würde.
Er begann zu laufen, hielt sich gen Südwesten, da diese Richtung das längste Tageslicht versprach. Er hatte keine Ahnung, ob er in der Nähe bewohntes Gebiet oder Hilfe zu finden vermochte. Die Nacht konnte jagende Tiere entsenden und das Tageslicht gab ihm zumindest dahingehend mehr Sicherheit. So sollte es sein, wenn diese Fremde nicht auch gefährliche Tagjäger beheimatete.
Er war nun gut zwei Stundenglasläufe unterwegs, schätze er, als der Wald sich lichtete und sich fruchtbares Land unter der späten Nachmittagssonne vor ihm erstreckte. Ackerland war es. Zumindest war jene Gegend bewohnt, wenngleich Ackerland nicht gerade verhieß, was er sich in seiner jetzigen Lage erhoffte.
Plötzlich wurde er der Gestalt gewahr, die dort in der Ferne stand.
Sie rührte sich keinen Schritt, schien ihm den Rücken zugewandt dort zu stehen.
Er gewährte sich einige Zeit, die Gestalt genauer zu beobachten, doch diese rührte sich noch immer nicht. Notgedrungen verließ er den schattigen, geringfügig Schutz bietenden Waldrand. Seine Schritte brachten ihn näher. Vorsichtig, die Gestalt nie aus den Augen verlierend, näherte er sich. Die geschundenen, von kostbaren Lederstiefeln verwöhnten Füße schmerzten und das langsame und leise Gehen
strengte ihn an.
Als er keine hundert Schritt mehr entfernt war, entspannte er sich plötzlich und ein bitteres Lächeln bemächtigte sich seiner Lippen.
Er hatte doch wahrhaftig eine Vogelscheuche angeschlichen.
Er wollte sich schon weiter wenden, als er sich dann doch der Vogelscheuche näherte.
Sie hatte, was er im Moment dringend brauchte.
Der Ekel stand ihm im Gesicht geschrieben, als er das alte verschlissene Hemd und die Hose, gehalten mit einem Stück Kordel anhatte. Fast erschien ihm die Nacktheit würdevoller, als jene Lumpen, die zweifelsohne keine der Seinen hergestellt hatten.
Zu primitiv war die Verarbeitung und selbst am Tage, da diese Kleidung, sofern man diese kratzigen Fetzen jemals so nennen konnte, einmal gefertigt worden war, wäre sie einem wie ihm höchstens als Putzlappen untergekommen.
Noch immer über diese erniedrigenden Umstände hadernd und seine schmerzenden Füße verfluchend, setze er seinen Marsch fort.
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