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I Faron - Der Jäger

Aus einer Laune heraus hatte er dem Mann in der verfallenen Herberge zugesagt, etwas Keilerfleisch zu besorgen. Ein eigenartiger Ort, doch die Menschen waren ebenso eigenartig und so fügte sich beides zusammen.

Bedacht setzte er seine Schritte, ließ seinen Blick schweifen. Der Himmel war wolkenbehangen, doch hier und da riss die dunstige Masse auseinander und das Sternenlicht ermöglichte seinen Augen genug zu erkennen.
Jedes Geräusch bedachte er mit einem Augenblick seiner vollen Aufmerksamkeit. Die einsamen Lande kannte er noch nicht, doch er wusste genug über diese Region, um seine Wachsamkeit zu bewahren.

Dunkel ragte die Wetterspitze dem Himmel entgegen. Ein gewaltiger Schatten in mitten dieses hügeligen, zerklüfteten Landstriches auf dessen Haupt, ähnlich einer Krone, die alten Zeugnisse der Vergangenheit in Form von steinernen Säulen und Bögen aufragten. Bei Tage würde er vielleicht dort hinauf steigen und den Ausblick genießen, der sich dort bot. Vielleicht würde er im Rot des Morgens verweilen, um das kleine Lied weiter voranzubringen, das er in den letzten Wochen zu komponieren begonnen hatte.

Ein Knacken holte ihn aus seinen Gedanken. Irgendwo links vor ihm war es hergekommen. Er rührte sich keinen Schritt, verharrte eins geworden mit den Schatten, welche die wenigen Bäume hier warfen. Geduldig spähte er aus und wartete ab.

Ein leises Reiben, dumpfes Klappern. Metallrüstungen schufen solche Laute, obwohl er deutlich hörte, dass die Träger dieses Rüstwerks sich mühten leise zu sein. Seinem feinen Gehör waren sie aber nicht entgangen und sein Blick suchte nun die Gestalten zu entdecken, die im Schutze der Nacht ihrem Weg folgten.

In den einsamen Landen, so hatte er in der Herberge erfahren, waren Bilwisse und Orks unterwegs. Beide verachtete er zutiefst. Kreaturen des Bösen in Diensten finsterer Ziele waren sie und auch, wenn viele der Seinen aufgebrochen waren zu den Grauen Anfurten und in dieser Stunde weitere Elben ihre Abreise antraten, so war er noch hier.
Ein Schatten bewegte sich dort vorn. Massig, plump in seinen Bewegungen und doch darauf bedacht leise vorzugehen. Wieder wurde diese Bewegung von leisem, dumpfem, metallenem Reiben begleitet.

Seine Hand glitt zum Köcher und einer der darin enthaltenen Pfeile ruhte einen Atemzug später auf der Sehne seines Bogens. Dem Schatten folgte ein weiterer und kurz darauf ein dritter. Vermutlich Späher, dachte er sich und beobachtete weiter. Sie hielten nicht direkt auf ihn zu, aber die Form des vor ihnen liegenden Geländes ließ den Schluss zu, dass sie genau in seine Richtung zogen. Zwei weitere Pfeile zog er aus dem Köcher und steckte sie vor sich in den Boden. Wenn die Drei nicht abdrehen würden, dann würde der Gesang seiner Bogensehne das letzte Lied sein, das sie hörten.

Eine Lücke in der Wolkendecke ließ den Mond zum Vorschein kommen und nun erkannte er sie ganz deutlich. Es waren Orks, wie er es vermutet hatte und der Wind trug jetzt auch einen Hauch des Gestanks heran, der sie für elbische Nasen umgab. Sie waren voll gerüstet und gut bewaffnet, wie er im silbernen Mondlicht ausmachen konnte. Doch etwas an ihnen war anders als an allen Orks, die er bisher erblickt hatte. Sie trugen ein Zeichen. Weiß und gut sichtbar, trotz dem wenigen Licht der Nacht. Eine Hand, eine weiße Hand. Er erinnerte sich an die Worte, die er über dieses Zeichen vor Wochen vernommen hatte. Das waren keine gewöhnlichen Orks. Sie hatten sich dies Mal des Unheils mitten auf ihre hässlichen Fratzen gedrückt, ganz so als trügen sie dies Zeichen als stolzes Abbild ihrer Zugehörigkeit.

Er gab Zug auf den Bogen und leise knarrte die Sehne unter der Spannung. Die Drei gingen weiter in die Richtung, die sie zu ihm führen würde. Der Wind stand günstig und er musste nicht befürchten, dass sie ihn witterten. Orks hatten empfindliche Nasen und es konnte einem zum Verhängnis werden, wenn man dies nicht bedachte.

Der Mond verschwand wieder hinter den dahintreibenden Wolkenbändern. Er hob den Bogen an und seine Hand zog die Sehne weiter zurück. Zwei Atemzüge schenkte er sich, um genau Ziel zu nehmen.
„Gurth an Yrch. Lacho Calad! Drego Morn!“(1), sprachen seine Lippen leise Worte in die Nacht und seine Finger entließen den ersten Pfeil, den er diesen Kreaturen zugedacht hatte.


(1)Tod den Orks. Entflamme, Licht! Fliehe, Dunkelheit!

 

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