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Die Entstehung des Ordens

Der Knabe im Gewand des Novizen blickte den weißhaarigen Priester wissbegierig an.
Fentarius bemerkte diesen Blick sehr wohl und sah auf von seiner Schrift, welche er gerade anfertigte. Lange Momente besahen sie so einander, bis endlich der alte Mönch die Stille der kleinen Kammer mit seiner leisen, etwas zittrigen Stimme vergehen lies.

"Du willst wissen, wie unser Orden entstand..:", nachdenklich schien er bei den wenigen Worten und eifrig nickte der Knabe im einfachen, braunen Jutegewand, wie es alle Novizen trugen.
"So sei es, mein Sohn. Setz dich und lausche. Du sollst hören von der Schlacht, dem Leid und dem Licht, welchem daraus geboren wurde", prophezeite der Alte.
Aufregung erfüllte das Innere des Jungen, denn lange schon hatte er den Mönch, um eben jenes Wissen bekniet und nun stand er kurz davor es zu erhalten.
Folgsam lies er sich nieder und lauschte der charismatischen Erzählerstimme des Alten, welche die alte Zeit vor dem geistigen Auge des Knaben wieder aufleben ließ.
"Waffengeklirre, Schreie, Stöhnen und dumpfe Schläge auf Schilde. Dazwischen die zischenden Laute, die durch Magie gewirkte Feuerbälle in der Luft hinterließen, wenn sie unfehlbar ihren Opfern nachjagten."
Der Mönch war wahrlich Meister der Erzählkunst und der Novize schloss die Augen, sah all dies vor sich, was Fentarius preisgab.

"Die Grenze war der reinste Hexenkessel. Eine gewaltige Schlacht tobte und die Erde färbte sich rot vom Blute der Erschlagenen. Gliedmaßen, Rüstteile und Leiber lagen überall umher. Herrenlose Pferde standen mit nervös umherzuckenden Ohren bei so manchem Körper, der in unnatürlicher Pose am Boden lag.
Befehle hallten durch das Getöse des Kampfes. Donnernd krachte ein Hieb, geführt von einem Zwergen Midgards, krachend auf einen Schild. Männer schwitzten und keuchten unter ihren Helmen, hieben nach jedem Feind, den sie erreichen konnten, dabei ihre Schlachtrösser nur mit den Beinen lenkend. Neben ihnen schrie ein Mann auf und kurze Blicke verrieten sein Schicksal.
In lodernde Flammen war er gehüllt, rannte einige Meter davon und schrie den grausamen Gesang des Sterbenden, der die letzten Momente seines Daseins in unbeschreiblichen Qualen erlebte, bevor Gott ein Einsehen mit ihm hatte und den brennenden Körper leblos zu Boden sinken ließ.
Der Geruch des verbrannten Fleisches erfüllte die nähere Umgebung, doch was in einem einzigen Augenblick wahrgenommen, war schon wieder vergessen und weiter krachten die Hiebe der Streiter aufeinander.

Unter dem Schlag des albionischen Heerführers, König Uther, barst der Helm eines Zwergen und die Klinge, die vom Blut der Feinde benetzt, nur noch an wenigen Stellen matt das Licht des Tages widerspiegelte, glitt durch das Metall, schnitt in den Schädel des Feindes und lies ihn in seiner Bewegung erstarren.
Das Gesicht des gedrungenen, feindlichen Kriegers unter dem visierlosen Helm zeigte den Ausdruck des Schmerzes, wie der Überraschung, bevor das Licht in seinen Augen brach und er niederging.
Keine Zeit blieb jedoch den Verteidigern Albions.
Erneut drangen Feinde auf sie ein und so tobte der Kampf weiter, zeichnete deutlich das Bild der albionischen Niederlage immer deutlicher dahin .
Tapfer erwährten sie sich ihrer Gegenüber aus dem Barbarenland. Einige Schritt entfernt fällte förmlich ein hünenhafter, in animalischer Erregung kreischender Troll mit einer gewaltigen Keule eine Kriegerin. Krachend schlug die Keule auf ihren Leib, zerriss die Platte, die ihre Brust schützen sollte. Dumpf erklang das Geräusch des Splitterns ihrer Knochen, gepaart mit ihrem Aufschrei des Schmerzes.

Einige ihrer Mitstreiter nahmen es nüchtern zur Kenntnis, denn sie waren zu weit entfernt, um ihr zur Hilfe zu eilen. Die wenigen Meter waren eine Unendlichkeit. Bedrängt vom Feind gelang es ihnen nicht dort hin zu reiten.
Wieder wehrte sie alle Hiebe ab, beantworteten sie ihrerseits. Dann sahen Einige aus den Augenwinkeln gleißende Blitze heraneilen. In einem Reflex rissen manche den Schild hoch, um diese abzuwehren, die nach ihnen zu greifen drohten. Doch die Blitze gingen auf die Feinde Albions nieder und Ritter in glanzvollen Rüstungen folgten einem Priester, dessen Wams eine strahlende, weiße Lilie schmückte. Seine donnernde Stimme trieb das Heer der gottesfürchtigen Ritter in die Schlacht und deren Klingen begannen die Feine niederzumähen, Lücken zu reißen und Hoffnung in die Reihen Albions zu bringen.
Albions Streitmacht bäumte sich noch einmal auf und gemeinsam mit den Priestern, Mönchen und Rittern der Albionischen Kirche gelang ihnen, was keiner mehr gehofft hatte. Sie schlugen die Feinde Albions zurück und die nicht zu gewinnende Schlacht ward gewonnen.

Jener Priester war es gewesen, welcher nicht, wie sonst die Seinen, Reden und Predigten im Innern des Landes gehalten hatte, der den Orden begründete.
Er war in der Zeit der Not hingegangen und hatte die Willigen der Kirche Albions in den Kampf geführt, dem Heerführer zu Hilfe eilend. Damals hatte man es den Bund der Lilie genannt, welchen jener Priester geschaffen hatte. Ein Bund von Frauen und Männern, welche Gott ehrten und das Land liebten. Bereitwillig diesem charismatischen und so überzeugenden Priester in den Kampf folgten, dessen Worte ihnen Kraft und Glauben schenkten.
Bruder Aremaris, aus der Abbey Vertusta, nahe bei Camelot gelegen, war jener Mann dieser dunklen Stunde gewesen. Er hatte diesen Funken Licht in die Reihen gebracht und Zahlreiche verstanden hinter sich zu sammeln und zum bedrohten Heer an der Grenze zu führen. Unter dem Banner der Lilie, Symbol für Tugend und Reinheit hatte er alle Gläubigen versammelt, welche er in der Stunde der Not hatte erreichen können.

Der Dank des Feldherren blieb nicht aus und so kam es, dass jener Priester, Aremaris zu Vertusta, zum Abt bestellt und geheißen wurde den Orden der Lilie zu gründen, welcher dem Lande fortan mit Glaube, Tat und Schwert zur Seite stehen sollte. Sinnbild für die Kraft des Glaubens und die Allmacht des Herrn, unseres Gottes.
Getreu dem Erbe Camelots, Arthus und Exkaliburs tat der Abt, wie ihm aufgetragen und in den königlichen Archiven Camelots liegt heute die Niederschrift Uther's, welche dem Orden der Lilie gestattet, Frauen und Männer unter Waffen zu halten.
Seit jenem Tage steht unser Orden für Hoffnung und Zuversicht, Treue und Glaube, mein Sohn und wir alle gedenken jenem Manne, welcher ihn begründete. Möge der Herr seine Seele schützen und behüten."

Der junge Novize öffnete die Augen und blickte in die des alten Mönches, welche unsichtbare Bilder in der Ferne einfingen und von stolzem Glanz zeugten.
Leise erhob sich der Knabe und verließ die Kammer. Ergriffen und noch voll der Eindrücke, die der Alte ihm geschenkt hatte.
Als er die knarrende Kammertüre schloss, saß Fentarius noch immer reglos dort und blickte die Bilder seines Geistes.

Der Geist Aremaris' erfüllte diese Mauern der Vertusta Abbey und die Herzen derer, die darin lebten und auch der junge Novize fühlte es nun.

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