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„Sir, wir werden angewiesen sie bei der Werft abzusetzen“, erklang
die Stimme des Fährenpiloten.
Mangels Gesprächpartner quittierte Steven diese Mitteilung aus dem
Lautsprecher mit einem Stirnrunzeln. Der Flug sollte eigentlich zum
Hauptquartier der Birds führen, dachte er.
Da die Mitteilung den Charakter der Diskussionswürdigkeit vermissen ließ,
fand er sich mit der offenbarte Tatsache ab.
Eine Stunde später flog die Fähre in die Docks der Herne Werft ein und
die Reise fand ein Ende. Nach einem höflichen Danke an den Piloten, der
nun endlich einmal sichtbar wurde, weil er ebenfalls ausstieg, verließ
auch Steven die Fähre.
Neugierig blickte er sich um und staunte nicht schlecht. Ausschließlich
schwere Jäger der Y-Wingklasse standen hier herum. An manchen wurde
gearbeitet, andere beladen oder aufmunitioniert.
„Na, schon mal so viele auf einem Haufen gesehen“, erklang die
Stimme einer Frau hinter ihm.
Ruckartig wendete er und kaum, dass er das Rangabzeichen an der
Pilotenkombi der Frau vor sich sah, stand er auch schon stramm und
salutierte.
„Nein, Mam! Kadett Fewlett, melde mich zum Dienst, Mam“
Sie verschenkte ein Lächeln und ein leichtes Kopfschütteln, was ihn
nicht unbedingt sicherer machte. Gewissenhaft achtete er auf seine
Haltung und nahm die grüßende Hand herunter.
„Ich bin Elster. Willkommen in der Höhle, wo die Birds ihre Flügel
bekommen. Als erstes steh mal bequem, Kadett Fewlett und deine
Bereitschaftsmeldung hebe dir für den Commander auf. Die Mechaniker
schauen ja schon zu uns herüber“
Ihre Stimme bestätigte Steven, was er geahnt hatte. Er amüsierte sie
wohl. Unsicher versuchte er bequem zu stehen, was aber keineswegs locker
und entspannt wirkte. Sie lächelte nur und ging voran.
„Los, komm mit, Kadett Fewlett! Wir haben hier etwas abzuholen“
Er folgte ihr und begann sich heimlich zu ärgern. So, wie sie ihn bei
Rang und Namen nannte, klang es eher spottend.
Während er noch darüber nachdachte, kamen sie bei einer der Y-Wing an
und sie blieb stehen. Prüfende Blicke von ihr kontrollierten die
Maschine und schließlich ging sie an dem Jäger entlang, darunter durch
und schien sich für jedes Detail ein wenig Zeit zu nehmen.
Steven wartete ab und beobachte sie nur.
War er jetzt hier angekommen, um einer Pilotin zuzusehen, wie sie eine
Maschine checkte?
Er spürte die Blicke des Dockpersonals auf sich lasten und kam sich
reichlich fehl am Platz vor. Er stand da und wartete darauf, dass der
Captain sich ihm wieder widmete.
„Kadett Fewlett, wollt ihr nicht auch schauen, ob alles in Ordnung
ist?“, erkundigte sie sich. Sie begutachtete gerade die Triebwerkdüsen
und er sah nur ihre Beine.
„Mam?“, erwiderte er und verriet damit gleichzeitig, dass er nicht
so recht wusste, was er auf die Frage antworten soll.
„Checken bei den bretonischen Streitkräften die Piloten ihre Maschine
nicht vor dem Flug?“, schickte sie eine weitere Frage hinterher.
„Doch, natürlich, Mam. Nur, ich..ich weiss nicht, was ich hier..“
„Stammelt nicht herum, Kadett Fewlett, sondern schaut euch eure
Maschine an. Ich werde nicht immer bei euch sein und Kindermädchen
spielen. Es ist nicht üblich bei den Birds, dass ein Captain die
Maschine eines Kadetts checkt“
Sein Gesichtsausdruck musste reichlich dämlich anmuten und das Grinsen
einiger Techniker, die diese Worte wohl gehört hatten, steigerte sein
Wohlbefinden nicht gerade. Es dauerte daher noch einen Augenblick, bis
er das Gesagte begriff.
Sie hatte von seiner Maschine gesprochen und er sah den Jäger vor sich
plötzlich mit anderen Augen an.
„Jawohl, Mam! Sofort, Mam!“
Beinahe ehrfürchtig näherte er sich nun. Sein Blick glitt über die Hülle
als betrachte er eine Frau, die ihm Avancen machte.
Sie kam nach vorn und richtete im Gehen das Wort an ihn. Aus Gewohnheit
wollte er wieder Haltung annehmen und rannte sich dabei den Kopf, da er
unter der Maschine stand. Die Mechaniker und Techniker bekamen wieder
neuen grund zum Grinsen.
„Sieht gut aus, aber kontrolliert es selbst noch einmal. Wenn ihr
fertig seid, dann fliegt zur Station wo man die Standardbewaffnung
austauscht. Redet mit Spatz, sie wird eure Bewaffnungswünsche
realisieren. Ach ja, die Koordinaten sind bereits im Bordcomputer
eingespeist. Danach meldet euch im Nest. Findet ihr auch im Navsystem
eingespeist. Wir sehen uns, Milan!“
Ohne sich umzudrehen ging sie in Richtung ihres Jägers, bestieg ihn und
wenige Zeit später heulten die Triebwerke auf und ihr Y-Wing schwebte
in Richtung Schleuse.
„Jetzt fliegen schon Zivilisten hier“, machte einer der Männer in
grauem Overall einen Witz und deutete Steven einem anderen, der
daraufhin grinste und sich näherte. Unangemessen gerötet empfingen
Stevens Wangen den Mann, der nun aber jedes Grinsen einstellte und das
Wort an ihn richtete.
„Sir, die Y ist in tadellosem Zustand und nagelneu. Sicherheitscheck
und Probeflug durchgeführt. Das Baby gehört ihnen und wartet auf ihren
Abflug. Kombi und Helm für die Überführung können sie da drüben
bekommen“
Steven folgte dem Fingerzeig und nickte nur.
Eine halbe Stunde später erschien er wieder am Jäger und fühlte sich
weitaus wohler. Die Pilotenkombi war die richtige Kleidung und er wirkte
nun auch lockerer. Das Ding war zwar nicht gerade ein Maßanzug, aber für
die Überführung würde es gehen.
Der Techniker von eben stand bereit und nickte ihm freundlich zu. Er
nahm Steven die Tasche mit dessen Zivilkleidung ab und verstaute sie in
dem kleinen Laderaum des Jägers.
„Ihr anderes Gepäck kommt mit dem nächsten Versorgungsflug heute
Mittag ins Nest, Sir. Ich kümmere mich persönlich darum, Sir!“
„Danke, ...“
„Petty Officer Riff, Sir!“
Steven nickte, “Danke, Petty Officer”
Langsam stieg er die angebrachte Leiter nach oben in Richtung Cockpit.
Als sein Kopf die Unterkante der Kuppel erreichte, verharrte er kurz in
seiner Bewegung.
Ein Schriftzug fing seine ganze Aufmerksamkeit ein.
Rang und Kennung des Mannes, der diese Maschine flog, standen dort.
O.C. Milan glänzte ihm frischlackiert entgegen. Officer Cadett Milan
war er. Ein breites Grinsen zierte sein Gesicht und er stieg ein.
Der Techniker nahm die Leiter weg und entfernte sich einige Schritte, um
dann den nach oben ausgestreckten Daumen in seine Richtung zu präsentieren.
Steven setzte den Helm auf, erwiderte die Geste in Richtung des Petty
Officers und berührte dann die Sensorschaltfläche, damit sich die
Cockpitabdeckung schloss.
„Flugleitung für Milan! Ready für Takeoff, Docktor 2. Sie haben
Starterlaubnis. Guten Flug, Milan“, kam es aus den Lautsprechern des
Helms.
„Roger, Flugleitung! Ready für Takeoff!“
Sein Grinsen hielt an und er startete die Triebwerke des Jägers. Mit
den Steuerdüsen manövrierte er die Y in Richtung des gewiesenen
Dockstors. Jeder Handgriff saß und die Stunden im Simulator zahlten
sich aus.
Als sich hinter ihm das Docktor schloss, er in seiner Maschine allein
und unbeobachtet in der Flugfeldschleuse schwebte, darauf wartete, dass
sich das Außentor öffnete, grinste er noch immer.
Er saß in einer Y und von diesem tag an, würde sie ihm sein.
Dann öffnete sich das Außentor, gab den Blick frei auf den Weltraum.
Langsam glitt der Jäger hinaus und dann presste ihn der Schub für eine
Zehntelsekunde in den Sitz bevor die Gravitationskompensatoren die
Beschleunigung negierten.
Der Milan hatte seine Schwingen ausgebreitet und machte sich nun daran
sein neues Revier zu bereisen.
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