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Die letzten Wochen hatten einige Veränderungen in meinem Leben mit sich
gebracht. Meinen Gedanken nachhängend stand ich im Dunkeln am Fenster
meines angemieteten Apartments und blickte hinaus auf den Raumhafen. Genüsslich
inhalierte ich den Rauch der Zigarette, deren glühende Spitze für
einen Moment die Konturen meines Gesichtes in warmes Rot tauchte, wie
mein transparentes Spiegelbild in der Plastglasscheibe verriet.
Geldsorgen hatte ich keine mehr. Der Halsabschneider, der mir damals für
den Falken die notwendigen Finanzen bereitstellte, hatte ich ausgezahlt.
Eine der brisanten Unternehmungen war so einträglich gewesen, dass ich
mit einem Schlag all meine Verbindlichkeiten begleichen konnte.
Ein kühles Lächeln formten meine Lippen als ich an das Gesicht dieses
widerlichen Kerls dachte. Er hatte wohl geglaubt, er könne mich ewig
schröpfen und sich eine goldene Nase an mir verdienen. Pech für ihn,
dass ich keiner dieser naiven und ehrlichen Jungchen war, die ihr Leben
lang schufteten, um anderen ihre hart verdienten Credits abzuliefern.
Er hatte die gesamte Restsumme inklusive seiner horrenden, unverschämten
Zinsen bekommen und ich hatte nur dankend abgelehnt als er mir weitere
Kredite anbot. Typen wie diesen Henderson wurde man besser schnell los.
Ihre Freundlichkeit , das geheuchelte Verständnis für die Notlage des
Gegenübers endete, wenn man nur einmal Zahlungsschwierigkeiten bekam
und auf solche falschen Freunde verzichtete ich nur zu gern.
Geschäftlich konnte ich mich wirklich nicht beschweren. Es lief sehr
gut, beinahe zu gut, wie ich mir im Stillen eingestand. Ich hätte mir
eine viel komfortablere Unterkunft mieten oder sogar kaufen können,
doch ich mochte diese Atmosphäre hier im Raumhafenviertel. Zudem war es
an diesem Ort leichter seine Anonymität zu wahren.
Jeden Tag starteten und landeten Hunderte von Schiffe und das rege
Treiben, welches hier vorherrschte, machte es einfach nicht aufzufallen.
Gewissenhaft achtete ich darauf mir keine Eigenheiten anzueignen, die
mich leicht auffindbar machten oder anderweitig charakterisierten. Ich
ging zu keinen festen Zeiten essen, wechselte immer wieder die
Restaurants und Bars und vermiet engere Kontakte mit irgendwelchen
Leuten.
Einzig Serin war da in meinem Leben, doch sie wusste keine Details von
meinen Geschäften und letztlich nicht einmal, dass ich inzwischen auf
einigen Fahndungslisten stand. Nicht einmal von diesem Apartment ahnte
sie etwas. Sie war in meinen Augen ein kalkulierter Schwachpunkt meiner
Verwundbarkeit.
Der Job brachte diverse Zusammentreffen mit offiziellen Kräften mit
sich. Einige male war es schon knapp ausgegangen, doch bisher war es mir
noch immer gelungen zu entkommen. Der Schmuggelei ging ich nicht länger
nach. Es war nicht einträglich genug, gemessen an den Risiken, die man
damit einging. Das meiste Geld verdienten die Auftraggeber und ich war
es satt, für andere die Drecksarbeit zu erledigen und zusehen u müssen,
wie sie dafür noch den größten gewinn einstrichen.
Einer der Gründe, weshalb ich inzwischen Besitzer zweier Schiffe war.
Der Falke war für Transporte und Kurieraufträge und auch für kleinere
Kaperflüge gut, aber leider auch zu schwerfällig und leichte Beute für
die Maschinen meiner Widersacher. Die offiziellen Kräfte flogen
teilweise Jäger, die mir im Falken einfach zu gefährlich werden
konnten.
Daher hatte ich mich entschlossen, dass zweite Schiff anzuschaffen. Den
Falken behielt ich, denn ich mochte ihn.
Das neue Schiff war eine teure, aber gute Investition, wie sich bereits
einige male herausgestellt hatte.
Der Laderaum war erheblich kleiner, doch dies war ein annehmbarer
Nachteil gemessen an den Vorzügen. Bewaffnung, Wendigkeit und vor allem
Schubkraft waren mit dem Falken nicht zu vergleichen. Technische Stärken,
die meine jüngsten Aktionen verlangten und die daher auch jeden Credit
wert gewesen waren. Die Erhaltung meines Lebens rechtfertigte solche
Ausgaben, denn Geld war beschaffbar.
Meine anfänglichen Skrupel hatte ich längst verloren. Gewissensbisse,
wenn ich sie je verspürte, hatte ich inzwischen abgelegt. Ich war
keiner dieses Piratenpacks, dass ohne Stolz und Ehre nahm, was zu
bekommen war.
Wieder sah ich mein transparentes Spiegelbild im Schein der
Zigarettenglut aufleuchten.
Kleine Händler verschonte ich gänzlich und allen anderen trat ich aus
meiner Sicht fair entgegen. Sicher, meine Handlungen waren gegen das
Gesetz und ich nahm anderen etwas, dass mir nicht gehörte, aber ich tat
es mit Maß. Keines meiner Opfer trieb ich in den Ruin und Gewalt wandte
ich nur an, wenn einer dieser Möchtegernhändler dumm genug war, seine
Waffen auf mich abzufeuern statt mir einen teil der Ladung zu überlassen
oder einen Finanztransfer zu codieren.
Mit solchen Kerlen hatte ich kein Mitleid. Geld und Ladung waren
ersetzbar und ich verlangte nie alles, wie es der Abschaum aus den
Randzonen gern tat. Ich war, wenn man mich bezahlte nur ein Ärgernis,
keine Bedrohung. Ein Faktor, der ein oder zwei zusätzliche Flüge
erforderte, um den Verlust wieder wett zu machen.
Alles andere wäre auch dumm gewesen. Tote erweckten mehr Aufmerksamkeit
und schrieen nach Konsequenzen durch die Offiziellen. Die Jungs meiner
Branche, die zu schnell am Feuerknopf waren und Händler samt Schiff in
glühende Feuerbälle verwandelten, lebten in der Regel nicht lange. Sie
wurden restriktiv gejagt und standen überall auf den Listen zum
Abschuss frei.
Ich nahm mir nur einen teil und hielt stets mein Wort, dass ich den Händlern
gab. Eine Form von Ganovenehre, wenn man so wollte. Sie mochten mich
hassen, bestimmt taten sie es sogar, aber ich war davon überzeugt, eine
Begegnung mit mir war ihnen weit lieber als mit den Korsaren, Hessen
oder anderem Pack. Sie unterhielten ganze Basen, die ich mitunter selbst
nutzte und ganze Schiffsverbände. Hohe Kosten entstanden so, die
gedeckt werden mussten. Wenn sie stahlen, nahmen sie alles, was sie
bekommen konnten und oft genug entledigten sie sich endgültig der
zeugen ihrer Taten.
Die großen Frachter hatte ich fast gänzlich aufgegeben. Zu viele
Eskorteschiffe, zuviel Risiko. Warum Kämpfe in Kauf nehmen, wenn es
auch andere Möglichkeiten gab. Der gewinn war kleiner, aber die
Ausgaben waren es auch und vor allem das Risiko war erheblich geringer.
Zudem litt ich nicht an chronischer Gier. Ich jagte die Freelancer, die
dort flogen, wo es sich für die großen Unternehmen nicht rentierte.
Ein Einzelner aber konnte ordentliche Gewinne erzielen und da blieb auch
nach einem meiner Besuche genug über.
Eigentlich machte ich nichts anderes als die Offiziellen auch. Ich erhob
Handelszoll, Schutzgeld oder welchen Namen man auch immer für meinen
Service ersann. Sie taten es für ihre Regierungen, Konzerne und
Systeme. Ich tat es für mich.
Nein, ein schlechtes gewissen hatte ich wirklich nicht.
Die Idioten, die wegen ein paar Frachtcontainern oder Credits wirklich
so dumm waren, Schiff und Leben zu riskieren, denen gehörte es nicht
besser. Davon war ich überzeugt. Ja, ich war ein Krimineller und
sicherlich nicht der Wunschschwiegersohn der Mütter dieser Welt, aber
ich war kein unrechter Kerl, der ohne Rücksicht und Maß seine Geschäfte
betrieb.
Außerdem, der Erfolg gab mir recht und das zählte.
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