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„Rakete im Anflug“
Ein schweißiger Film bedeckte meine Stirn und das Herz pochte kraftvoll
in meiner Brust. Die Atemfrequenz lag hörbar über dem normalen Pegel.
„Rakete im Anflug“, erklang wieder emotionslos die synthetische
Frauenstimme des Bordcomputers, untermalt vom Piepton der
Raketenwarnung, die blinkend um Aufmerksamkeit heischte.
„Ja, doch! Verfluchte Scheiße, ich sehe es ja!“, schrie ich meine
Wut heraus und lenkte den Falken in eine scharfe Wende unter Einsatz des
Nachbrenners. Ein Jaulen ging durch den Schiffskörper als die Aggregate
plötzlich unter Volllast liefen und das Schiff beschleunigten.
Dumpf prasselten die Energieentladungen auf den Positronenschild, der
für einen Beobachter wie ein lokales Gewitter unter jedem Treffer
aufleuchten musste.
„Rakete im Anflug“
„Das kann doch nicht wahr sein! Irgendwann müssen dieser elenden
Raumratte doch die Dinger ausgehen“
Mit einer schnellen Bewegung riss ich den Schubregler nach hinten.
Wieder kreischten die Aggregate hörbar durchs Schiffsinnere und kaum,
dass sie sich beruhigten, glitt der Schubregler wieder nach vorn,
unterstützt von einem neuerlichen Einsatz des Nachbrenners und einer
extremen Steuerungseingabe nach links.
Eine Explosion schüttelte das Schiff und mich kräftig durch.
„Schilde ausgefallen“
„Wenn ich das überlebe, wechsele ich den Sprachchip aus, elendes
Elektronikweib! Du redest auch nur Dinge, die kein Mensch hören
will!“
Wieder setzten sich die Aufschläge der Strahlenwaffen im Innern des
Schiffes fort. Diesmal allerdings nicht als dumpfes Geräusch, sondern
als mehr als beunruhigende Explosionen. Der Kerl auf sechs Uhr war gut
und ohne Schilde begann er gerade den Falken zu demontieren.
„Der Konzern Krüger hat soeben einen Kunden verloren! Verfluchter
Drecksack, mich bekommst du nicht so leicht!“
Ich riskierte einen schnellen Blick auf den Umgebungsscanner. Da war
meine Rettung, ein Asteroidenfeld. Der Krügerlakai hinter mir war zu
wendig und schnell als dass ich ihn im freien Raum abschütteln,
geschweige denn vor meinen Bug bekommen konnte. Die Minen, die ich
ausgestoßen hatte waren bisher wohl auch kein Problem für ihn gewesen.
Wieder setzte ich den Nachbrenner ein und schaute gebannt auf die
Überhitzungsanzeige. Zwanzig Prozent, dreißig Prozent, die Schubkraft
presste mich in den Sitz und ich hatte das Gefühl ein Endoloron sitze
auf meiner Brust. Sechzig Prozent, siebzig Prozent, ich hörte mein
eigenes Blut rauschen und ein sachter Schleier legte sich über meine
Augen. Ein Zeichen dafür, dass der Gravitationskompensator die
Dauerbelastung nicht mehr völlig auszugleichen vermochte.
„Schilde wieder aufgebaut“
„Ja, mein Engel, endlich redest du, was Papa hören will!“
Das Asteroidenfeld kam näher. Die ersten kleinen Brocken krachten ins
Bugschild, stellten aber keine Gefahr dar, sondern prallten einfach am
Energiefeld um die Schiffshülle ab. Mein Hintermann mühte sich ohne
Zweifel es zum Abschluss zu bringen, bevor ich in diese
Trümmerlandschaft vor mir eintauchte. Er war kein Anfänger, nein,
sicher nicht. Er wusste genau, meine Chancen würden steigen, wenn wir
erst in diesem Feld aus unkontrolliert treibenden Gesteinsmassen waren.
Die Schildanzeige stand auf fünfundvierzig Prozent und zitterte
abwechselnd nach unten und nach oben. Jedes bisschen Energie, was die
Schilde bekamen, schoss der Mistkerl hinter mir herunter.
„Heilige...“
Ich steuerte gerade noch an dem Schatten vorbei, der sich schlingernd
von recht genähert hatte. Eine ungesund klingender Entladungsklang
steuerbord verriet mir lautstark, dass mein Manöver nicht völlig
geglückt war und die Schildanzeige war wieder nah dem roten Bereich.
Noch fünfzehn Prozent und ich raste mit völlig schwachsinniger
Geschwindigkeit durch dieses Labyrinth.
Die Schüsse hinter mir wurden weniger. Er hatte wohl Schwierigkeiten
mich im Schussbereich zu halten.
„Verrecke, du Krügerschwein! Mich bekommst du nicht!“
Ich flog Figuren, die wohl in keinem Pilotenhandbuch des Universums
standen und versuchte weiter den Krügergeleitschutz hinter mir
abzuwimmeln.
Schubumkehr, Wende und wieder der Nachbrenner. Mir wurde schwindlig. Der
Gravitationskompensator gab bei diesem Manöver für einige
Zehntelsekunden auf.
Der Jäger schoss an mir vorbei und ich feuerte mehr aus Reflex als aus
Sicherheit heraus meine Bordwaffen ab. Keine gute Salve, aber ein hauch
davon traf und lenkte den Kerl vor mir wohl ab, der nun überraschender
Weise den vermeintlichen Schwächeren hinter sich wusste. Zwei
Asteroiden verengten seine Flugbahn. Ich sah wieder klar, der
Gravitationskompensator arbeitete also wieder.
„Friss das und sag mir, was du davon hältst“, schrie ich mir selbst
Mut zu und entließ die tödlichen Waffen mit Lenksystem.
Ob er auch eine so penetrant gefühllose Dame im Cockpit hatte, die ihn
nun auf meine Geschenke aufmerksam machte?
Er flog Haken und ich sah die kleinen, glühenden Punkte, die sein Heck
auswarf. Gegenmaßnahmen, die nur einmal den erhofften Erfolg brachten.
Eine meiner Raketen verging in einem glühenden Feuerball, bei dem einer
der nahtreibenden Gesteinsbrocken zerrissen wurde.
Ich traf den Hund einfach nicht mit den Bordwaffen.
Dann plötzlich machte er da vorn eine Wende, die ihm zum Verhängnis
wurde. Meine Rakete war so nah gekommen, dass er eine extrem steile
Flugbahn anstrebte. Im freien Raum wäre das eine exzellente
Entscheidung gewesen. Zweifelsohne hatte er aus Reflex entschieden, nach
unzähligen Flugstunden, in denen er dies Manöver einstudiert hatte.
Hier aber war es sein Ende, denn zu spät sah er das monströse Gehbilde
aus verdichtetem, kosmischem Staub und Gestein.
Ich zog den Schubregler in Nullstellung.
Der Feuerball war geradezu winzig gegen das Schattengebilde vor ihm, auf
dessen Oberfläche er einschlug.
„Scheiße, war das knapp! Jetzt aber heim zu Muttern“
Ich steuerte langsam aus dem Feld heraus, einige anstrengende
Ausweichmanöver fliegend, um nicht das Schicksal des Krügermannes zu
teilen.
Schnell war der Kurs dann berechnet, um einen sicheren Ort zu erreichen.
In diesem Moment freute ich mich noch über meinen Erfolg und glaubte
die geborgte Ladung Niob wäre ein weiterer Erfolg meiner neuen
Laufbahn, aber schon bald wurde ich eines besseren belehrt.
Später im Schiffsdock der Station sah ich, was mein Falke abbekommen
hatte und dieser Verwandte meines Schiffscomputers, dieser Blechandroid
nannte mir Zeitaufwand und Höhe der Reparaturkosten. Eine Summe, die
den gewinn des Niob auffraß.
Oh ja, Krüger hatte einen zufriedenen Kunden verloren.
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