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Er spürte das leichte Vibrieren der Bodenplatten unter seinen Füssen.
Die Aggregate der Corvette arbeiteten einwandfrei und ein weit
entferntes Summen drang bis zu ihm nach vorn.
Er streckte sich in seinem Pilotensitz und schaute gelangweilt auf das
Display des Navigationssystems. Noch ein paar Stunden und er würde
seine Ladung endlich auf Neu-Tokyo löschen können.
Er flog abseits der offiziellen Routen. Das war zwar ein Umweg, aber der
Zwischenfall mit den Unionisten hatte ihm gereicht. Für diesen Flug wünschte
er sich keine solchen Begegnungen mehr.
Die Verteidigungseinrichtungen der Corvette funktionierten zwar
einwandfrei und die Corvette war auch nicht der langsamste Frachter,
aber ein paar der wendigen Jäger mehr und er würde nun ohne Ladung
fliegen. Im schlimmsten Fall sogar vakuumverpackt im Raum treiben bis er
eines Tages in eine Sonne stürzte oder in Umlaufbahn eines Planetoiden
geriet.
Der Gedanke war unangenehm stellte er stumm mit sich selbst fest.
Die Warentransporte waren nicht gerade aufregend, sah man von der Gefahr
der Piraten verschiedenster Lager einmal ab, aber der beste Weg Schulden
zu begleichen und sich ein ordentliches Polster in seinem Depot zu
schaffen.
Sein Traum vom Falken sollte irgendwann einmal Wahrheit werden. Dafür
bedurfte er des Geldes und die Corvette hier war ein sehr günstiges
Angebot gewesen.
Der Falke wäre mit dem Kredit auch zu kaufen gewesen, doch nicht die
Ausrüstung, die er dafür ersann. Nein, er musste noch einige Zeit den
Frachter durch die Weiten des Raums steuern, bevor die Zeit des Falken,
des Columbusfalken begann.
Er stellte auf Autopilot und griff nochmals nach dem Becher an seiner
Seite. Der Kaffee war kalt und nicht der Beste. Mit verzogener Miene
trank er ihn.
Einige der Warnlampen auf der Haupttafel blinkten gelb, manche sogar
rot. Keine lebensnotwendigen Ausfälle waren darunter, doch die alte
Kiste hier hatte ihre besten Tage zweifelsohne hinter sich.
Mit einem schnellen Blick vergewisserte er sich nochmals, dass Autopilot
und Navigationssystem ihren Zwist beim Kauf der Corvette vergessen
hatten und nun artig zusammenarbeiten. Er würde wohl einige Zeit hier
verschwinden können und sich dem ein oder anderen Fehler im Bauch des
Frachters annehmen können.
Die Warnmeldungsroutine war programmiert und die Ausgabe auf das gesamte
Schiff geleitet. Wenn ein einsamer Komet in seine Flugbahn geriet oder
wieder lästige Gesellschaft einen Besuch abstatten wollte, dann würde
er es über Lautsprecher gemeldet bekommen.
Die nächste Stunde würde er sich der Schubdüsenkontrollen achtern
annehmen. Dies Gestotter und die unberechenbaren Aussetzer hatten ihm
bei den Unionisten schon den Schweiß auf die Stirn getrieben. Gleich
danach kämen die backbordseitigen Stabilisatoren dran. Unter Volllast
flog ihm die Kiste zu unruhig und zudem hasste er es, immer die
Kaffeeflecken aufwischen zu müssen, wenn er mit dem alten Pott
beschleunigte und vergas den Kaffeebecher in die hand zu nehmen.
Bis Neu-Tokyo war das zu schaffen, vorausgesetzt er fand den Fehler und
hatte das passende Ersatzteil an Bord.
„Verfluchte Scheiße!“
Der Hydroschlüssel flog quer durch die Wartungsröhre.
Wutschnaubend hielt er sich die Hand, die eine deutliche Brandspur
aufwies. Die Stabilisationsspulen waren endgültig hinüber und
durchgeschmort.
„Na herrlich! Das wird ab jetzt wohl ein Ritt auf einem freghanischen
Bullen“, knurrte er hervor und suchte seinen Hydroschlüssel. Die
Reparatur konnte nur im nächsten Raumhafen durchgeführt werden. Er war
hier mit seinem Können am Ende.
„Näherungskontakt! Mehrere Objekte in mittlerer Reichweite, näherkommend“,
erklang mit einem male die monotone Stimme aus einem der Lautsprecher,
die überall an Bord waren.
„Wunderbar! Einfach wunderbar!“
Der Hydroschlüssel, gerade erst aufgehoben, landete in der
Werkzeugkiste. Er rannte los, einige Verwünschungen auf den Lippen. Auf
Besuch war er nun gar nicht eingestellt und er ahnte schon, dass hier,
abseits der offiziellen Route kaum Polizeieinheiten seinen Kurz
kreuzten.
Das Schott zur Pilotenkanzel glitt auf und gehetzt stürmte Columbus
herein, warf sich in den Sitz und kontrollierte die Instrumente und
Displays.
Die Haupttafel zeigte ein grünes Licht mehr und das vorher gelbe Lämpchen,
zuständig für die Stabilisatoren auf Backbordseite leuchtete nun in
verhöhnendem Rot. Wenigstens die Schubdüsensteuerung hatte er
hinbekommen. Hoffentlich hielt es.
Sein Blick studierte die Formation von kleinen Punkten auf dem
Sensordisplay.
„Hmm, drei Stück. Keine Polizei....“, sprach er mit sich selbst.
Eine Angewohnheit vieler Handelspiloten, die so oft allein unterwegs
waren.
Seine Finger huschten über die Schaltflächen und ließen die
Berechnungen anlaufen. Noch zwei Minuten bis die drei Pünktchen nah
genug heranwaren, um Waffen einzusetzen. Er gedachte keineswegs erst
einmal abzuwarten, wer da kam. Friedliche Kontakte hätten längst eine
Comverbindung aufgebaut. Die drei Punkte da auf seinem Display aber
taten nichts dergleichen.
„Piratenpack, darauf wette ich. Herrlich, einfach herrlich!“, hörte
er sich unfreundlich sagen.
Die Navigationskontrollen lieferten unter seinen Fingern eine genaue
Darstellung der näheren Umgebung. Der Zwerg da war in der Nähe, sonst
weit und breit nichts. Wieder fluchte er. Ideales Jagdgebiet also für
solch Pack.
„Noch Zwanzig Sekunden bis Waffenreichweite“, mahnte die
elektronische Stimmausgabe der Kontaktsensoren. Also noch Zehn Sekunden
für die Fremden, stellte Columbus stumm fest. Ihre Waffen verfügten
bestimmt über größere Reichweite.
„Na, dann retten wir mal unsere Haut, alte Kiste!“
Er schnallte sich fest, deaktivierte den Autopiloten und übernahm die
nun wieder manuelle Steuerung. Die Aggregate brüllten irgendwo weit
hinter ihm im Schiff auf und verschickten ein bis hier vorn spürbares
Vibrieren als er die Triebwerke unter Volllast laufen ließ.
Ein paar Sekunden konnte er so gewinnen.
Das Navigationssystem bekam neue Aufgaben zugeteilt. Er brauchte für
den Fall der Fälle einen neuen Wegepunkt.
„Rakete im Anflug“, kam nüchtern die synthetische Meldung.
„Wusste ich es doch! Abschaum, Dreckspack...“
„Rakete im Anflug“
Die akustische Näherungswarnung piepte immer schneller. Sie wollten
seinen Reiseflug unterbrechen und dann Hallo sagen.
Die Corvette ging unter seiner Steuerung in neue Fluglage. Direkt auf
den Zwerg hielt er zu. Die ausgefallenen Stabilisatoren machten sich
bemerkbar. Er wurde durchgeschüttelt und lächelte kurz. Diesmal hatte
er keinen Kaffee neben sich stehen, der überschwappte.
„Rakete im Anflug“
Das Piepen wurde lauter und die Pausen zwischen zwei Warntönen sehr
kurz. Die Rakete war kurz davor zu treffen.
„Gegenmaßnahmen ausgesetzt“, quittierte das System seine Berührung
des Sensorfeldes.
„Rakete im Anflug“, erklang es ein letztes mal.
„Scheisse!“
Der Reiseflug wurde unterbrochen. Die Corvette heulte in ihrem Innern
auf und schüttelte ihn ordentlich durch. Die Gegenmaßnahmen hatten
versagt. Im nächsten Raumhafen würde er sich das teurere Modell
leisten, schwor er sich.
Die Anzeigen der Verteidigungskontrollen lebten auf. Die Heckschilde
fingen die ersten Salven auf und die Prozentanzeige der Schildenergie
nahm bedrohlich schnell ab.
Er schaltete die Schubdüsen hinzu. Durch die Hülle der Corvette ging
ein Dröhnen und Ächzen.
„Automatische Waffenkontrolle aktiviert“, bestätigte das System und
er hörte nahezu gleichzeitig die Geschütztürme ihre Arbeit aufnehmen.
Vielleicht lenkte sie das etwas ab. Die Schildanzeige sank jedenfalls
langsamer.
Die gepanzerte Plastscheibe des Cockpits verdunkelte sich als er die
Funktion aktivierte. Der Zwerg blendete nun nicht mehr und kam immer näher.
Noch ein paar Sekunden und er musste die Schubdüsen abkühlen lassen.
Das Gegnerfeuer hämmerte auf die Corvette ein. Die Saubande schoss sich
auf ihn ein.
„Eintritt in die Sonnenkorona“, warnte das System.
Ein farbenprächtiges Glühen schränkte die Sicht ein und nun
leuchteten endgültig alle Schildkontrollen auf. In ein paar Minuten würden
sie zusammenbrechen und dann würde der Zwerg die Corvette brutzeln.
„Heckschild bei Null Prozent“
Das Feuer der Piraten knackte den Heckschild und das System meldete dies
ohne Anflug von Panik mit ruhiger, monotoner Stimme.
Er steuerte die Flugbahn steiler an, brachte den Zwerg mehr nach
Steuerbord. Die Hitze stieg zu schnell an. Wie lange wollten ihm die
Idioten da hinten denn noch folgen.
„Schilde bei dreißig Prozent, Gefahr des Hüllenschadens steht
unmittelbar bevor“
Die Stimme begann zu nerven, ebenso wie dies Durchgeschüttelt werden
mangels Backbordstabilisatoren.
„Schilde bei fünfzehn Prozent, Gefahr des Hüllenschadens steht
unmittelbar bevor. Schubdüsen wieder bei Status grün“
Wenigstens eine gute Nachricht. Wieder schrie die Corvette auf unter der
einsetzenden Wucht der Schubdüsen.
Das Gegnerfeuer war verstummt. Die eigenen Geschütztürme schwiegen
ebenso. War ihnen endlich zu heiß geworden oder was hatten die Kerle
vor.
„Heckschild wieder verfügbar“
Ein schneller Blick auf das Display verriet fünfundzwanzig Prozent,
Tendenz steigend. Langsam musste er hier raus, wenn er nicht gekocht
werden wollte.
Die Finger tanzten auf den Kontrollen.
„Wegepunkt Alpha ansteuern, Reiseflugsequenz eingeleitet. Countdown
bei T Minus Fünf, Vier, Drei....“
Gleich war es geschafft.
„Zwei,....Schilde bei Null Prozent....Eins....Hüllenschaden steht
unmittelbar bevor“
Dies gnadenlose System war multitaskingfähig.
Es presste ihn mit voller Wucht in den Sitz. Für einen Moment wurde es
Schwarz vor seinen Augen. Die Gravitationsneutralisatoren schafften es
nicht mehr, die Kräfte der Sonne und der Reiseflugbeschleunigung
abzufangen.
Sekunden, die ewig dauerten. Es krachte im Schiff. Der Zwerg begann ihn
zu zerlegen.
Hoffentlich hatte er sich nicht verkalkuliert.
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